Energiepreisschock: Inflationsrate steigt im April auf 2,9 Prozent
Die Energiepreise sind wegen des Iran-Kriegs im April voraussichtlich um zehn Prozent gestiegen – die Verbraucherpreise insgesamt zogen deshalb im Vorjahresvergleich um 2,9 Prozent an. Nahrungsmittel wurden um 1,2 Prozent teurer, Dienstleistungen um 2,8 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in einer ersten Schätzung mitteilte. Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland fürchten laut einer Umfrage weiter steigende Preise – und dass sie sich finanziell einschränken müssen. “Der Energiepreisschock ist heftig”, erklärte die Inflationsexpertin des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung, Silke Tober.
Laut Schätzung des Statistikamts stiegen die Energiepreise im April im Vorjahresvergleich um 10,1 Prozent. Doch “der überraschend starke Rückgang der Dienstleistungsinflation hat den Anstieg der Inflationsrate im April etwas gedämpft”, erläuterte der Chefvolkswirt der Förderbank KfW, Dirk Schumacher. Dieser Rückgang sei aber zumindest teilweise ein Kalendereffekt “und sollte deshalb nicht als genuines Zeichen der Entspannung interpretiert werden”, warnte er. Vor Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar hatte sich die Teuerung in Deutschland noch abgeschwächt – sie lag im Februar bei 1,9 Prozent.
Im März sprang sie dann wegen der stark gestiegenen Energiepreise infolge des Iran-Kriegs hoch auf 2,7 Prozent. Die aktuellen Inflationszahlen seien “ein Warnsignal”, erklärte die Chefin des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Ramona Pop. “Die Preissteigerungen sind längst im Alltag angekommen.” In einer Forsa-Umfrage für den vzbv sagten 42 Prozent der Befragten, sie spürten die gestiegenen Preise am meisten bei Lebensmitteln.
An zweiter Stelle folgte der Bereich Mobilität mit 31 Prozent. 58 Prozent der Befragten haben demnach sehr große oder eher große Sorgen, dass die Preise durch den Krieg im Nahen Osten so stark steigen, dass sie sich im Alltag finanziell einschränken müssen. Forsa befragte vom 9. bis 13. April 1001 Menschen ab 18 Jahren. Tatsächlich planen mehr Unternehmen in Deutschland, die Preise zu erhöhen, wie eine Umfrage des Münchner Ifo-Instituts ergab. “Die Unternehmen geben die gestiegenen Energiekosten nun zunehmend an ihre Kunden weiter”, erklärte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser.
Der vom Ifo ermittelte Indikator für Preiserwartungen stieg von 25,5 Punkten im März auf 31,6 Punkte im April – den höchsten Wert seit Januar 2023. “Einen deutlichen Hinweis auf einen weiteren Anstieg der Verbraucherpreise” geben demnach die Preiserwartungen in den konsumnahen Bereichen wie Gastronomie oder Einzelhandel. Hier stieg der Indikator von 27,9 auf 39,8 Punkte. “Insgesamt dürfte die Inflationsrate in den kommenden Monaten auf über drei Prozent klettern”, erwartet Wollmershäuser.
Auch IMK-Inflationsexpertin Tobler fürchtet einen “deutlich kräftigeren Anstieg der Inflation und massive Verwerfungen in der Wirtschaft”, sollte der Höhenflug der Energiepreise anhalten. Diese Folgen wären “durchaus mit den Auswirkungen des Ukraine-Kriegs vergleichbar”. Auch ING-Analyst Carsten Brzeski erinnerte an die Ukraine-Krise: Damals sei die Inflationsrate binnen fünf Monaten von zwei Prozent auf sechs Prozent gesprungen – “das zeigt, wie schnell sich ein schwerer exogener Schock tatsächlich in einer galoppierenden Inflation niederschlagen kann”.
Er erwartet dennoch keine Wiederholung, denn die wirtschaftliche Lage in Deutschland sei aktuell schlechter, “und die Fähigkeit (und Bereitschaft) der Verbraucher, tatsächlich höhere Preise zu zahlen, ist eindeutig begrenzt”.
Wed, 29 Apr 2026 13:27:02 GMT
