Hunderte Festnahmen bei Demonstrationen am 1. Mai in Istanbul

In der Türkei sind anlässlich des Tages der Arbeit viele Menschen auf die Straße gegangen – in Istanbul wurden Aktivisten zufolge hunderte Menschen festgenommen. Am Freitagnachmittag befanden sich mindestens 550 Menschen in Polizeigewahrsam, wie der Anwaltsverein CHD im Onlinedienst X mitteilte. Die Polizei sprühte aus Einsatzfahrzeugen heraus Tränengas auf die Demonstranten, Wasserwerfer waren im Einsatz, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten.”Die Zahl der Personen, die sich in Polizeigewahrsam befinden – oder von denen ihre Angehörigen vermuten, dass sie sich in Gewahrsam befinden – und von denen wir nichts gehört haben, belief sich um 16.00 Uhr auf mindestens 550″, hieß es in einer Erklärung des CHD.

Die Behörden machten zunächst keine offiziellen Angaben zu Festnahmen bei den Protesten. Tausende Menschen hatten sich zuvor trotz einer hohen Polizeipräsenz sowohl in Istanbul als auch in der Hauptstadt Ankara zu Kundgebungen versammelt. In Istanbul wollten die Demonstranten zum zentralen Taksim-Platz marschieren, der seit den regierungskritischen Gezi-Protesten 2013 für Kundgebungen gesperrt ist.

Sie wurden durch die Einsatzkräfte daran gehindert. AFP-Journalisten berichteten von teilweise gewaltsamem Vorgehen gegen Demonstrierende. Demnach wurden mehrere Teilnehmer zu Boden geworfen.  Im Stadtteil Mecediyeköy waren auch Vertreter der marxistischen Partei HKP unter den Demonstrierenden, die skandierten: “USA Mörder, AKP Komplize”. Die AKP ist die Regierungspartei, der auch der islamisch-konservative Präsident Recep Tayyip Erdogan angehört.

Gewerkschaften und Verbände hatten zu den Kundgebungen mit dem Motto “Brot, Frieden, Freiheit” aufgerufen. Die offizielle Inflationsrate liegt in der Türkei bei über 30 Prozent – laut Handelskammer in Istanbul sogar bei über 40 Prozent. Zudem kommt es regelmäßig zu Verhaftungswellen unter Oppositionellen und Medienvertretern. Anfang der Woche waren im Vorfeld des 1. Mai bereits mehrere dutzend Menschen in Polizeigewahrsam genommen worden.

Der Gewerkschaftsvertreter Basaran Aksu wurde festgenommen, nachdem er die Absperrungen angeprangert hatte. “Man kann keinen Platz für die Arbeitnehmer der Türkei absperren. Jeder nutzt den Taksim-Platz – für offizielle Zeremonien, für Feierlichkeiten. Nur den Arbeitnehmer, den Arbeitern, den Armen wird der Platz verwehrt”, sagte er. Der oppositionelle Sender Halk TV strahlte Bilder des Vorsitzenden der Türkischen Arbeiterpartei (TIP) aus, wie dieser Pfefferspray abbekam. “Die Regierung redet bereits 365 Tage im Jahr – lasst doch die Arbeiter wenigstens einen Tag im Jahr über die Schwierigkeiten sprechen, mit denen sie zu kämpfen haben”, kritisierte Erkan Bas.

In Ankara wurden rund hundert Bergarbeiter, die zuvor mit einem vielbeachteten neuntägigen Hungerstreik für die Auszahlung ihrer Löhne protestiert hatten, mit Beifall empfangen, als sie sich dem Demonstrationszug anschlossen, wie eine AFP-Reporterin berichtete. Auch hier wurde die Demonstration von einem massiven Polizeiaufgebot begleitet. 

Fri, 01 May 2026 16:03:26 GMT

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