Vor der Weltkriegsparade in Moskau ist die Lage angesichts gegenseitiger Drohungen Russlands und der Ukraine äußerst angespannt. Das russische Verteidigungsministerium erklärte am Donnerstag, angesichts eines möglichen Vergeltungsangriffs auf Kiew müssten die Bewohner der ukrainischen Hauptstadt und ausländische Diplomaten die Stadt “rechtzeitig verlassen”. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte ausländische Gäste vor dem Besuch der Parade in Moskau.
Derweil reiste sein Unterhändler Rustem Umerow in die USA, um dort erstmals seit März Gespräche über ein Ende des Kriegs zu führen. Zu einer möglichen Attacke auf Kiew verlautete aus Moskau weiter, im Falle eines ukrainischen Angriffs auf die Weltkriegsparade in Moskau am Samstag werde Russland “mit gleicher Münze zurückzahlen”. Bereits am Mittwoch hatte die russische Regierung ausländische Botschaften in Kiew zur Evakuierung aufgefordert.
Sollte die ukrainische Armee die russischen Gedenkfeierlichkeiten zum Sieg über Nazi-Deutschland am 9. Mai attackieren, werde es in Kiew einen “Vergeltungsschlag” geben, hieß es. Das Auswärtige Amt in Berlin wertete die russischen Drohungen als Anzeichen für fehlenden Verhandlungswillen des russischen Präsidenten Wladimir Putin. “Ein gezielter Angriff auf eine diplomatische Vertretung wäre ein weiterer schwerer Verstoß Russlands gegen humanitäres Völkerrecht”, hieß es am Donnerstag aus dem Ministerium. Die Behörde stehe “in ständigem Kontakt” mit der deutschen Botschaft in Kiew und evaluiere die Sicherheitslage “fortlaufend”. “Wir lassen uns hiervon nicht einschüchtern und werden die Ukraine weiter unterstützen und den Druck auf Russland erhöhen”, hieß es weiter.
Zuvor hatte bereits ein Sprecher der EU-Kommission in Brüssel erklärt, dass die EU ihre Botschaft in Kiew nicht räumen werde. “Die öffentlichen Drohungen Russlands, Kiew anzugreifen, sind Teil seiner rücksichtslosen Eskalationstaktik”, kritisierte der Sprecher. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen prangerte im Onlinedienst X an, “dass Russland es nicht ernst meint, wenn es von Waffenruhe oder Frieden spricht”.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte unterdessen ausländische Politiker vor der Teilnahme an der Weltkriegsparade in Moskau. “Wir haben auch Meldungen aus einigen an Russland angrenzenden Staaten erhalten, wonach deren Vertreter vorhaben, nach Moskau zu reisen”, sagte Selenskyj in seiner allabendlichen Videoansprache und fügte an: “Ein seltsamer Wunsch, gerade in diesen Tagen.
Wir raten davon ab.”Aus Angst vor ukrainischen Angriffen sollen anders als in den vergangenen Jahren keine Panzer oder anderes schweres militärisches Gerät bei der Parade auffahren. Auch die Zahl der ausländischen Gäste ist zurückgegangen – laut Kreml werden lediglich die Staatschefs von Belarus, Malaysia und Laos anwesend sein. Am Freitag um Mitternacht (Donnerstag 23.00 Uhr MESZ) sollte wegen des Gedenkens eine von Russland ausgerufene einseitige Waffenruhe in Kraft treten.
Nach Angaben des Kremls soll sie bis Samstag gelten. Selenskyj sagte mit Blick auf die Parade weiter: “Sie wollen von der Ukraine eine Genehmigung für ihre Parade, damit sie einmal im Jahr eine Stunde lang gefahrlos auf den Platz gehen und danach weitermorden können.”Unterdessen sollten in den USA noch am Donnerstag die Verhandlungen über ein Ende des Ukraine-Kriegs wieder aufgenommen werden.
Nach Angaben Selenskyjs sollte es bei dem Treffen im US-Bundesstaat Florida unter anderem um die Freilassung von Kriegsgefangenen gehen – und um die “Stärkung des diplomatischen Prozesses”. Es seien “mehrere Treffen” geplant. Das Weiße Haus bestätigte das Treffen später. Der ukrainische Chefunterhändler Umerow werde dazu in Miami erwartet, nach Angaben aus Kiew soll er mit Trumps Gesandtem Steve Witkoff und Präsidenten-Schwiegersohn Jared Kushner zusammenkommen.
Die Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine über ein Kriegsende hatten seit dem letzten Treffen im März auf Eis gelegen. Die USA, die in den Gesprächen vermittelt hatten, konzentrieren sich momentan auf den Konflikt mit dem Iran. Die Ukraine hat vorgeschlagen, die Kämpfe entlang der derzeitigen Frontlinien einzufrieren. Die USA hatten vor wenigen Tagen den Verkauf von Waffen im Wert von umgerechnet rund 318 Millionen Euro an die Ukraine genehmigt.
Thu, 07 May 2026 18:29:09 GMT
