Weil sie außerehelichen Sex gehabt haben sollen, sind in der indonesischen Provinz Aceh zwei Männer und zwei Frauen öffentlich gezüchtigt worden. Sie erhielten am Donnerstag in einem Park in der Hauptstadt Banda Aceh jeweils 100 Stockschläge, während dutzende Menschen zusahen, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Die vier Verurteilten wanden sich und stöhnten vor Schmerz. “Die Frauen sind Sexarbeiterinnen und die Männer sind ihre Kunden”, teilte der Polizeivertreter Muhammad Rizal AFP mit.
In der im Nordwesten der Insel Sumatra gelegenen Region gilt eine strenge Auslegung des muslimischen Scharia-Rechts. Die vier Menschen waren zuvor von einem islamischen Gericht verurteilt worden. In Aceh sind sexuelle Handlungen zwischen unverheirateten Menschen verboten. Auch Glücksspiel und homosexuelle Handlungen werden dort mit Stockhieben bestraft. Im Januar hatte ein unverheiratetes Paar jeweils 140 Stockhiebe erhalten – vermutlich die strengste Strafe, seit die Scharia in der Region im Jahr 2015 eingeführt wurde.
Auch fünf weitere Menschen wurden am Donnerstag öffentlich geschlagen. Sie erhielten jeweils zwischen neun und 23 Stockhiebe. Ihnen wurden verschiedene Vergehen vorgeworfen, darunter das Aufhalten in der Nähe einer Person des anderen Geschlechts oder Alkoholkonsum. Menschenrechtsorganisationen kritisieren die öffentliche Züchtigung in Aceh scharf, in der Bevölkerung herrscht für die Praxis jedoch breite Unterstützung.
Indonesien ist das größte überwiegend muslimische Land der Welt. Allerdings sind dort auch sechs andere offizielle Religionen sowie traditionelle Glaubensrichtungen anerkannt.
Thu, 21 May 2026 10:54:11 GMT
