Erste Außenstelle außerhalb Israels: Holocaustgedenkstätte Yad Yashem kommt nach München

In München wurde die Nazipartei NSDAP gegründet, dort begann Adolf Hitler seinen politischen Aufstieg: Mehr als hundert Jahre später eröffnet nun die weltbekannte Holocaustgedenkstätte Yad Vashem in der bayerischen Landeshauptstadt München ihr erstes Bildungszentrum außerhalb Israels. Zusätzlich sei eine zusätzliche kleine Außenstelle in Leipzig geplant, teilten Yad Vashem sowie die Landesregierungen Bayerns und Sachsens am Donnerstag mit.

Mit der Errichtung des ersten internationalen Bildungszentrums will Yad Yashem nach eigenen Angaben auf weltweit zunehmenden Antisemitismus reagieren. Zugleich habe die Wahl Münchens aufgrund der Bedeutung der Stadt beim Aufstieg des Nationalsozialismus “eine tiefe symbolische Bedeutung”, erklärte der Gedenkstättenvorsitzende Dani Dayan in Jerusalem. Die Entscheidung zur Ansiedlung erfolge zugleich “zu einem kritischen Zeitpunkt, an dem Instrumentalisierung oder Leugnung des Holocaust sowie Antisemitismus zunehmen”, fügte Dayan hinzu.

Yad Yashem zufolge soll das Bildungszentrum innerhalb von drei Jahren am Karolinenplatz im Zentrum Münchens eröffnet werden und als “bundesweite Plattform für ein Publikum in ganz Deutschland und den Nachbarländern” dienen. Es gebe eine “finanzielle Zusicherung” der bayerischen Regierung. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sprach von einer “Ehre” für sein Bundesland. “Wir stehen zu unserer geschichtlichen Verantwortung: Die Gräuel des Nationalsozialismus dürfen sich niemals wiederholen”, erklärte er am Donnerstag in München.

Bayern werde Yad Vashem “ein gutes Zuhause” sein, dafür gebe er “auch persönlich ein Schutzversprechen” ab. Nach Angaben von Yad Vashem geht die Idee eines eigenen Bildungszentrums in Deutschland auf einen Vorschlag des Vorsitzenden Dayan zurück, den dieser erstmals 2023 bei einem Treffen mit dem damaligen Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) machte. Unterstützt von Bundes- und Landesregierungen begannen demnach die Vorarbeiten, zunächst war neben Bayern und Sachsen auch Nordrhein-Westfalen als möglicher Standort im Rennen.

Den Ausschlag für München gaben nach umfassenden Machbarkeitsstudien demnach unter anderem dessen historische Bedeutung, die strategisch zentrale Lage, die vorhandene Bildungslandschaft und Infrastruktur sowie “der hohe Sicherheitsstandard”. In München gibt es bereit ein israelisches Generalkonsulat und ein großes NS-Dokumentationszentrum zur Nazizeit, beide befinden sich in unmittelbarer Nähe des Karolinenplatzes.

Neben dem Hauptstandort in München ist noch eine kleinere Außenstelle in Leipzig geplant. Diese soll nach Angaben der sächsischen Regierung interaktive Lernräume bieten und sich mit ihren Angeboten vor allem “an Pädagogen und junge Menschen” richten. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) nannte die Entscheidung “eine große Ehre und zugleich Verpflichtung”. Leipzig könne auch “eine Brücke nach Osteuropa” sein und in der Erinnerungsarbeit mit Polen und Tschechien kooperieren.”Die pädagogische Erfahrung von Yad Vashem bietet eine einzigartige Chance, durch innovative Bildungsformate die Perspektive der Opfer noch wirksamer zu vermitteln”, erklärte Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU).

Der Bund werde die Gründung des Bildungszentrums in München eng begleiten und unterstützen. Gerade junge Menschen in Deutschland wüssten “zu wenig über die Shoah und die systematische Ermordung von Millionen Juden im Nationalsozialismus”, fügte die Ministerin hinzu. Yad Vashem unterhält nach eigenen Angaben bereits enge Beziehungen nach Deutschland, unter anderem gibt es langjährige Kooperationsabkommen mit allen 16 Bundesländern.

Yad Vashem, auch bekannt als World Holocaust Remembrance Center, wurde 1953 durch einen Beschluss des israelischen Parlaments gegründet. Es dient als zentrale Gedenkstätte, beherbergt große Ausstellungen und ist darüber hinaus als Forschungsinstitut tätig. Zentrale Orte für das Holocaustgedenken in Deutschland befinden sich bislang vor allem an den Standorten ehemaliger Konzentrationslager sowie in Berlin.

Dort gibt es das Holocaustmahnmal sowie das von Stararchitekt Daniel Libeskind entworfene und im Jahr 2001 eröffnete Jüdische Museum. München spielte in der Geschichte des Nationalsozialismus eine besondere Rolle. Dort wurde 1920 die NSDAP gegründet, dort befand sich ihre Parteizentrale. Der spätere Reichskanzler Hitler begann dort seinen Aufstieg auf kleineren politischen Versammlungen. Anhänger der Nazis bezeichneten die Stadt deshalb auch als “Hauptstadt der Bewegung”.

Als die “richtige Entscheidung” lobte die Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, die Auswahl Münchens. Mit ihrer Geschichte und als “Knotenpunk des jüdischen Lebens in Europa” biete die bayerische Hauptstadt “perfekte Voraussetzungen”.

Thu, 28 May 2026 09:18:11 GMT