Weitere Durchsuchungen zu tödlichem Standseilbahn-Unglück in Lissabon
Ein Dreivierteljahr nach dem tödlichen Standseilbahn-Unglück in Lissabon haben die Ermittler am Freitag weitere Durchsuchungen in Portugal vorgenommen. Die Einsätze hätten insbesondere dem Sitz des staatlichen Standseilbahn-Betreibers Carris gegolten, sagte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft der Nachrichtenagentur AFP, ohne Details zu nennen. Örtlichen Medien zufolge hatten die Ermittler Carris-Verantwortliche im Visier sowie das Unternehmen, das für Carris die Wartung der Standseilbahn Gloria übernommen hatte.
Am 3. September 2025 war einer der beiden Waggons der bei Touristen beliebten Gloria-Standseilbahn in einer Kurve entgleist und gegen ein Haus geprallt. Bei dem Unglück in der portugiesischen Hauptstadt kamen fünf Portugiesen und elf Ausländer ums Leben, darunter ein Schweizer, ein Ukrainer und drei Briten. Etwa 20 weitere Menschen erlitten Verletzungen. Die Gloria-Standseilbahn besteht aus zwei durch ein unterirdisches Kabel verbundenen Waggons, die durch ein Gegengewicht-System einen steilen Hang in Lissabon hinauf- und hinabfuhren.
Den Ermittlungen zufolge waren die beiden Waggons an jenem Abend gerade von ihren Stationen am Fuße und am oberen Ende der Straße abgefahren, als sich das Verbindungskabel zwischen ihnen plötzlich löste. Ein im Oktober veröffentlichter Untersuchungsbericht stellte fest, das Verbindungskabel zwischen den beiden Waggons der Bahn habe vorläufigen Erkenntnissen zufolge nicht den Normen entsprochen.
Die Protokolle über vorgenommene regelmäßige Wartungsarbeiten waren den Ermittlungen zufolge gefälscht. Der abschließende Bericht soll im Herbst dieses Jahres veröffentlicht werden. Der Carris-Vorstand trat als Konsequenz im Oktober zurück. Bis heute nahm Carris den Betrieb seiner insgesamt drei historischen Standseilbahnen in Lissabon nicht auf.
Fri, 29 May 2026 13:00:03 GMT
