Französisch-iranische “Persepolis”-Autorin Satrapi mit 56 Jahren gestorben
Sie erzählte ihre Kindheit im Iran mit feinen Strichen und bissigem Humor: Die französisch-iranische “Persepolis”-Autorin Marjane Satrapi ist tot. Die Zeichnerin und Autorin starb im Alter von 56 Jahren ein Jahr nach dem Tod ihres Mannes Mattias Ripa “an Traurigkeit”, wie ihr Umfeld am Donnerstag mitteilte. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron würdigte Satrapi als eine “außergewöhnliche Künstlerin”, die sich für das iranische Volk und die Rechte der Frauen eingesetzt habe. “Ihr Tod bedeutet den Verlust einer prägenden Figur der französischen Kultur und einer freiheitsliebenden Künstlerin, deren Werk eine universelle Botschaft trug”, erklärte Macron. “Mit ihrem Werk war sie vielen ein Vorbild, mir ganz besonders”, schrieb der französische Comic-Autor Riad Sattouf. “Du hast die Welt mit deinen Comics verändert, und dabei waren Comics dir egal.
Ich habe meine Zwillingsschwester verloren”, schrieb der Zeichner Joann Sfar. Satrapi wurde 1969 im Iran geboren, erlebte im Alter von zehn Jahren die Islamische Revolution und wurde mit 14 von ihren Eltern auf ein Internat in Wien geschickt, um sie vor einer Festnahme wegen ihres Widerstands gegen die iranische Führung zu bewahren. Satrapi kehrte zeitweise nach Teheran zurück, bevor sie sich 1994 dauerhaft in Frankreich niederließ. Zwischen 2000 und 2003 veröffentlichte sie die Graphic Novel “Persepolis”, die originelle Einblicke in den Iran der 70er Jahre aus der nur scheinbar naiven Perspektive eines Kindes bietet.
Ihren Schwarz-Weiß-Figuren verlieh Satrapi mit wenigen Strichen markante Charakterzüge. 2004 wurde “Persepolis” auf der Frankfurter Buchmesse als Comic des Jahres ausgezeichnet. 2007 brachte Satrapi “Persepolis” als Film heraus und gewann dafür Catherine Deneuve als Sprecherin. Der Film wurde beim Festival von Cannes mit dem Preis der Jury ausgezeichnet und für einen Oscar nominiert. Erfolg hatte Satrapi auch mit der Verfilmung ihres Comics “Huhn mit Pflaumen” über einen iranischen Musiker.
Für die Olympischen Spiele in Paris 2024 entwarf sie in leuchtenden Farben einen neun Meter langen Wandteppich. Die Ereignisse in ihrer Heimat beschäftigten sie stark. Satrapi engagierte sich in der Bewegung “Frau, Leben, Freiheit” und veröffentlichte 2023 einen Sammelband, um die Menschen zu würdigen, die im Iran ihr Leben riskierten. Im vergangenen Jahr lehnte Satrapi die Auszeichnung mit der französischen Ehrenlegion ab und warf Frankreich eine “heuchlerische Haltung gegenüber dem Iran” vor. In einem Interview mit der Zeitung “Le Monde” 2020 beschrieb Satrapi die feministische Erziehung ihrer Mutter, die ihr verbot, zuhause den Abwasch zu machen. “Es ist nicht ausgeschlossen, dass dich eines Tages irgendein Idiot von Ehemann zum Spülen zwingt.
Solange du bei mir lebst, tust du das nicht – das ist das Schicksal viel zu vieler Frauen”, habe ihre Mutter ihr gesagt. Mit Blick auf ihren eigenen Tod zitierte sie in dem Interview Cyrano de Bergerac: “Ich will mit Würde und Stil sterben.” Im Onlinedienst Instagram hatte Satrapi zuletzt in mehreren Beiträgen aus einzelnen Worten geschrieben: “Ich habe die Liebe meines Lebens verloren, Mattias”.
Thu, 04 Jun 2026 13:03:48 GMT
