Video von Messerangriff in Belfast: Britische Rechtsextreme rufen zu Protesten auf

Nach der Veröffentlichung von Videoaufnahmen eines brutalen Messerangriffs im nordirischen Belfast haben rechtsextreme Gruppen zu Protesten aufgerufen. Wie die Polizei am Dienstag mitteilte, wurde im Zusammenhang mit der Tat ein Verdächtiger aus dem Sudan festgenommen. Er soll am Vortag einen Mann schwer im Gesicht, am Hals und am Rücken verletzt haben. Die Polizei verstärkte ihre Präsenz auf Belfasts Straßen.

Das Video zeigte den mutmaßlichen Angreifer, der einen am Boden liegenden, blutüberströmten Mann mehrfach mit einem Messer attackiert und offenbar versucht, ihm die Kehle durchzuschneiden. Bei dem Angreifer handelt es sich der Polizei zufolge um einen Sudanesen “in seinen 30ern”, der sich legal im Vereinigten Königreich aufgehalten habe. Zunächst hatten die Behörden von einem somalischen Täter gesprochen. Der Verdächtige wurde demnach wegen versuchten Mordes festgenommen – Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund gebe es nicht, erklärte der stellvertretende Polizeichef Ryan Henderson.

Er rief mögliche Zeugen auf, die Ermittlungen zu unterstützen und jegliche Videoaufnahmen des Angriffs zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus kündigte er an, die Polizei werde ihre Präsenz auf den Straßen “heute Abend und in den kommenden Tagen” verstärken. Dabei bezog sich Henderson auch auf Protestaufrufe von Rechtsextremisten. Diese hatten das Video von der Messerattacke vielfach geteilt und die Bürger zur Teilnahme an Demonstrationen “gegen die Masseneinwanderung” angehalten, die demnach in mehreren Städten geplant waren.

Die Beamten würden “friedliche Proteste unterstützen”, sagte Henderson zu den Aufrufen – gleichzeitig warnte er aber vor Ausschreitungen “wie im vergangenen Jahr”. Im Juni 2025 war es in ganz Nordirland mehr als eine Woche lang zu Unruhen gekommen, nachdem zwei rumänische Teenager wegen der Vergewaltigung einer Schülerin angeklagt worden waren. Die Anklage war damals fallen gelassen worden.

Zum Zustand des Opfers der Messerattacke sagte Henderson, der Mann “in den 40ern” sei mit “erheblichen Augenverletzungen und Schnittwunden an Rücken und Gesicht” ins Krankenhaus eingeliefert worden. Am Tatort wurde demnach ein Küchenmesser sichergestellt. Eine in der Nähe wohnende, 31 Jahre alte Hausfrau sagte einem Reporter der Nachrichtenagentur AFP, der Angriff habe die Nachbarschaft in Angst und Schrecken versetzt. “Wir leben jetzt nur noch in Angst!”Politiker der größten irischen Parteien veröffentlichten am Dienstag eine gemeinsamen Erklärung, in der sie die Bluttat verurteilten. “Für diese Art von Brutalität gibt es in unserer Gesellschaft keinen Platz”.

Sie forderten die Bürger zugleich zur “Ruhe” auf. Der britische Premierminister Keir Starmer verurteilte den Vorfall als “schrecklich” und “widerwärtig”. “Ich habe keinerlei Toleranz für abscheuliche Gewaltszenen wie diese auf unseren Straßen”, erklärte er im Onlinedienst X. Vor wenigen Tagen hatte der Umgang der Polizei mit einem von einem Sikh niedergestochenen und wenig später gestorbenen weißen Studenten in Großbritannien gewaltsame Proteste ausgelöst.

Während des Prozesses war ein Video öffentlich geworden, das zeigt, wie Polizisten dem schwer verletzten 18-jährigen Opfer Handschellen anlegten, statt ihm zu helfen. Wenig später starb der Student, nachdem er mehrmals “I can’t breathe” (“Ich kann nicht atmen”) gerufen hatte. Der Angreifer hatte gegenüber den Polizisten am Tatort behauptet, er selbst sei das Opfer und von dem 18-Jährigen als Angehöriger der Glaubensgemeinschaft der Sikh rassistisch beleidigt worden.

Dass die Beamten dem Täter mehr Glauben schenkten als dem Opfer, rief vielfach Empörung hervor, insbesondere bei ultrarechten Politikern. Sie warfen der Polizei vor, Weiße zu diskriminieren.

Tue, 09 Jun 2026 16:02:58 GMT