Grenzkontrollen zwischen Spanien und Gibraltar aufgehoben
“Neue Ära” an der Südspitze der iberischen Halbinsel: Zwischen Spanien und dem britischen Gebiet Gibraltar sind am Mittwoch die Grenzkontrollen weggefallen. Kurz nach Mitternacht überquerten dutzende Passanten und Fahrzeuge erstmals ohne Kontrollen die Grenze, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Für tausende spanische Pendler und Touristen täglich bedeutet dies eine große Erleichterung durch den Wegfall von Wartezeiten bei der Ein- und Ausreise in das seit dem Brexit nicht mehr zur EU gehörende Gebiet.
Nun gelten die Regeln des Schengen-Raums für Gibraltar mit seinem berühmten “Affenfelsen”. Hunderte Menschen hatten sich für den historischen Moment mit spanischen Flaggen an der Grenze versammelt. “Europa ist zurück”, sagte Gibraltars Regierungschef Fabian Picardo. Bereits in den vergangenen Wochen hatten Arbeiter den alten Maschendrahtzaun abgebaut, der die beiden Seiten voneinander trennte.
In einem vorab geführten Radiointerview sagte der spanische Außenminister José Manuel Albares, das Abkommen leite “eine neue Ära” für Gibraltar und die angrenzende Region Spaniens ein, die “enorme Chancen” mit sich bringen werde. Das selbstverwaltete britische Gebiet Gibraltar ist rund sieben Quadratkilometer groß und hat nur etwa 40.000 Einwohner. Das Gebiet ist jedoch auf rund 15.500 Arbeitnehmer angewiesen, die täglich aus Spanien zur Arbeit nach Gibraltar pendeln – das entspricht fast der Hälfte aller Arbeitskräfte in der britischen Exklave.
Zu Stoßzeiten bildeten sich an der Grenze oft lange Schlangen bei den Kontrollen. Offiziellen Angaben zufolge besuchen das britische Gebiet zudem mehrere Millionen Touristen jährlich, die meisten von ihnen reisen über den Landweg ein. Für Reisende, die von außerhalb des Schengen-Raums anreisen, gelten nach wie vor andere Regeln: Sie müssen am Flughafen und im Hafen von Gibraltar weiterhin ihre Reisepässe vorzeigen.
Rund sechseinhalb Jahre nach dem Brexit war am Dienstag in Brüssel ein Abkommen zum Wegfall der Grenzkontrollen zwischen der britischen Exklave und dem EU-Land Spanien unterzeichnet worden. Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez will am Mittwoch das Grenzgebiet besuchen. Der Unterzeichnung des im vergangenen Jahr ausgehandelten Abkommens waren jahrelange Verhandlungen vorausgegangen. Die Grenzkontrollen galten als das letzte große ungelöste Problem des Brexits vor sechseinhalb Jahren. Brüssel und London hatten sich im Juni 2025 auf das Abkommen geeinigt.
In den darauffolgenden Monaten wurde es ratifiziert und in einen Rechtstext gefasst. Im Brexit-Abkommen hatte es lediglich eine vorläufige Einigung über den Status der Landzunge gegeben. Reibungslosere Abläufe an der Grenze würden es den Unternehmen in Gibraltar nun erleichtern, Arbeitskräfte aus Spanien einzustellen und zu halten, sagte der Chef des Kleinunternehmerverbandes von Gibraltar, Owen Smith, der Nachrichtenagentur AFP. Gibraltar gehört seit mehr als 300 Jahren zu Großbritannien.
Die britische Exklave wird traditionell aber auch von Spanien beansprucht. Das Gebiet fiel mit dem Vertrag von Utrecht 1713 an Großbritannien. Die englische Flotte hatte das Territorium 1704 im spanischen Erbfolgekrieg erobert.
Wed, 15 Jul 2026 08:58:33 GMT
