Grenzkontrollen zwischen Spanien und Gibraltar aufgehoben

Der Beginn einer “neuen Ära” an der Südspitze der iberischen Halbinsel macht Pendlern und Touristen das Leben leichter: Zwischen Spanien und dem britischen Gebiet Gibraltar sind am Mittwoch die Grenzkontrollen weggefallen. Kurz nach Mitternacht überquerten dutzende Passanten und Fahrzeuge erstmals ohne Kontrollen die Grenze, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete.

Im Verlauf des Tages wurden dann die Grenzbarrieren abgebaut. Für tausende spanische Pendler und Touristen täglich bedeutet dies eine große Erleichterung: Für sie fallen die Wartezeiten bei der Einreise in das seit dem Brexit nicht mehr zur EU gehörende Gebiet weg. Nun gelten die Regeln des Schengen-Raums für Gibraltar mit seinem berühmten “Affenfelsen”.”Heute schreiben wir Geschichte, gute Geschichte, denn heute fällt die letzte Mauer in Kontinentaleuropa”, sagte Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez bei einer feierlichen Zeremonie an der Grenze. “Heute läuten wir eine neue Ära des geteilten Wohlstandes ein.” Die Grenzabsperrungen seien über Jahrzehnte eine “offene Wunde” gewesen, sagte der Sozialist.

Hunderte Menschen hatten sich für den historischen Moment mit spanischen Flaggen an der Grenze versammelt. “Europa ist zurück”, sagte Gibraltars Regierungschef Fabian Picardo. Bereits in den vergangenen Wochen hatten Arbeiter den alten Maschendrahtzaun abgebaut, der die beiden Seiten voneinander trennte. Das selbstverwaltete britische Gebiet Gibraltar ist rund sieben Quadratkilometer groß und hat nur etwa 40.000 Einwohner.

Das Gebiet ist jedoch auf rund 15.500 Arbeitnehmer angewiesen, die täglich aus Spanien zur Arbeit nach Gibraltar pendeln – das entspricht fast der Hälfte aller Arbeitskräfte in der britischen Exklave. Zu Stoßzeiten bildeten sich an der Grenze oft lange Schlangen bei den Kontrollen. Offiziellen Angaben zufolge besuchen zudem mehrere Millionen Touristen jährlich das britische Gebiet, die meisten von ihnen reisen über den Landweg ein.

Für Reisende, die von außerhalb des Schengen-Raums anreisen, gelten nach wie vor andere Regeln: Sie müssen am Flughafen und im Hafen von Gibraltar weiterhin ihre Reisepässe vorzeigen. Rund sechseinhalb Jahre nach dem Brexit war am Dienstag in Brüssel ein Abkommen zum Wegfall der Grenzkontrollen zwischen der britischen Exklave und dem EU-Land Spanien unterzeichnet worden. Der Unterzeichnung des im vergangenen Jahr ausgehandelten Abkommens waren jahrelange Verhandlungen vorausgegangen.

Die Grenzkontrollen galten als das letzte große ungelöste Problem des Brexits vor sechseinhalb Jahren. Brüssel und London hatten sich im Juni 2025 auf das Abkommen geeinigt. In den darauffolgenden Monaten wurde es ratifiziert und in einen Rechtstext gefasst. Im Brexit-Abkommen hatte es lediglich eine vorläufige Einigung über den Status der Landzunge gegeben. Der Chef des Kleinunternehmerverbandes von Gibraltar, Owen Smith, sagte der Nachrichtenagentur AFP, reibungslosere Abläufe an der Grenze würden es den Unternehmen in Gibraltar erleichtern, Arbeitskräfte aus Spanien einzustellen und zu halten.

Die Öffnung der Grenze sei “sehr, sehr positiv” und werde “das Leben erleichtern”. Gibraltar gehört seit mehr als 300 Jahren zu Großbritannien. Die britische Exklave wird traditionell aber auch von Spanien beansprucht. Das Gebiet fiel mit dem Vertrag von Utrecht 1713 an Großbritannien. Die englische Flotte hatte das Territorium 1704 im spanischen Erbfolgekrieg erobert.

Wed, 15 Jul 2026 12:42:24 GMT