Prozess gegen Ehefrau von spanischem Regierungschef Sánchez bestätigt
Die Ehefrau des spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez wird sich wegen eines umstrittenen Universitätspostens einem Prozess stellen müssen. Ein Gericht in der Hauptstadt Madrid bestätigte am Donnerstag den Prozess gegen Begoña Gómez, strich zugleich aber zwei Anklagepunkte, darunter Korruption. Verantworten müssen wird sich die 55-Jährige aber wegen illegaler Einflussnahme und Veruntreuung öffentlicher Gelder.
Ein Termin für den Prozess vor einem Geschworenengericht steht noch nicht fest. Das Gericht hob am Donnerstag auch Reisebeschränkungen gegen Gómez auf. Zur Begründung erklärte das Gericht, es bestehe keine wirkliche Fluchtgefahr. Gómez hatte auf Anordnung von Untersuchungsrichter Juan Carlos Peinado ihren Reisepass abgeben müssen. Sie hatte ihren Ehemann deswegen kürzlich nicht zum Nato-Gipfel in Ankara begleiten können.
In der Affäre geht es um einen Lehrstuhl für Gómez an der renommierten Universität Complutense in Madrid, der ihr zur “privaten beruflichen Weiterentwicklung” gedient habe soll. Gómez und Sánchez weisen die Vorwürfe zurück. Der Sozialist spricht von politisch motivierten Ermittlungen, zumal die Vorwürfe von einer rechtsgerichteten Anti-Korruptions-Organisation erhoben worden waren.
Sánchez und seine linke Minderheitsregierung stehen wegen einer Reihe von Korruptionsaffären gegen Politiker und Familienangehörige des Ministerpräsidenten unter massivem Druck. Erst am Dienstag wurde Sánchez’ Bruder wegen einer Affäre um einen öffentlichen Posten mit einem neunjährigen Ämterverbot belegt. Ex-Verkehrsminister José Luis Ábalos – lange Zeit die rechte Hand von Sánchez – wurde im Juni wegen einer Corona-Maskenaffäre zu 24 Jahren Haft verurteilt.
Bereits im Mai wurde die Sozialistische Partei (PSOE) durch ein Korruptionsverfahren gegen Ex-Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero erschüttert. Die konservative oppositionelle Volkspartei (PP) und die rechtspopulistische Partei Vox fordern wegen der Affären Neuwahlen. Sánchez lehnt dies aber ab.
Thu, 16 Jul 2026 14:08:50 GMT
