Russland will nach ukrainischen Angaben weitere 30.000 Soldaten aus Nordkorea im Ukraine-Krieg einsetzen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte vor einer “Bedrohung” nicht nur für die Ukraine. Nach dem Abschuss einer weiteren Drohne im Luftraum über dem EU- und Nato-Mitglied Rumänien machten Bukarest und die Nato Russland verantwortlich. Der Iran drohte der Ukraine derweil wegen eines Angriffs im Kaspischen Meer.
Hinsichtlich der mutmaßlich von Russland angeforderten 30.000 nordkoreanischen Soldaten erklärte Selenskyj am Samstagabend im Onlinedienst X: “Seit Juni laufen in der russischen Region Woronesch Vorbereitungen für ihre Aufnahme.” Außerdem bereite Nordkorea die Lieferung weiterer Raketenabschussrampen vor.”Russland hilft Nordkorea dabei, das Führen von Krieg zu erlernen, seine Waffen zu verbessern und echte Kampferfahrung zu sammeln”, erklärte Selenskyj.
Dies stelle “eine Bedrohung für alle Menschen in Asien dar, die sich in Reichweite nordkoreanischer Raketen befinden”. Pjöngjang ist einer der wichtigsten Unterstützer Moskaus bei dessen Krieg gegen die Ukraine und hat Russland tausende Soldaten und Waffen bereitgestellt. Im Gegenzug versorgt Russland das international weitgehend isolierte Nordkorea nach Angaben von Analysten mit Finanzhilfen, Militärtechnologie sowie Lebensmittel- und Energielieferungen. Nordkoreas Außenministerin Choe Son Hui hatte vor wenigen Tagen Moskau besucht und wurde von Staatschef Wladimir Putin empfangen.
Unterdessen gingen die gegenseitigen Angriffe Russlands und der Ukraine am Sonntag weiter. Bei neuen ukrainischen Angriffen auf Ortschaften in der von Russland kontrollierten Ostukraine und in der Region Cherson sowie auf ein russisches Grenzdorf wurden russischen Behörden zufolge sechs Menschen getötet. Ukrainische Behörden meldeten am Sonntag vier Tote bei russischen Angriffen auf Charkiw, Tschernihiw und Saporischschja.
Selenskyj verurteilte einen “zutiefst zynischen Drohnenangriff auf einen ganz normalen Supermarkt” in Tschernihiw. Eines der Todesopfer war demnach ein Kind. Bereits am Samstag waren in beiden Ländern insgesamt mindestens 20 Menschen getötet worden. Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums wurden in der Nacht in verschiedenen Regionen des Landes, darunter in der Region Moskau und auf der annektierten Schwarzmeerhalbinsel Krim, 133 Drohnen abgefangen.
Russland feuerte Kiew zufolge in der Nacht acht Raketen und 136 Drohnen auf die Ukraine ab. Der größte Teil davon konnte laut der ukrainischen Luftwaffe abgefangen werden. Sowohl Kiew als auch Moskau haben ihre gegenseitigen Angriffe in den vergangenen Wochen verstärkt. Die von den USA angeführten diplomatischen Bemühungen um eine Waffenruhe waren zuletzt auch wegen des Iran-Kriegs ins Stocken geraten. Im Ukraine-Krieg kommen nach Angaben aus Kiew auch iranische Drohnen zum Einsatz.
Eine solche Drohne wurde am Freitag laut Rumäniens Präsidentschaft auch im Luftraum Rumäniens abgeschossen. Auch am Samstag und Sonntag wurde laut Bukarest jeweils eine weitere Drohne abgeschossen, die in rumänischen Luftraum eingedrungen waren. Rumäniens Präsident Nicusor Dan erklärte, gemäß einer Untersuchung handele es sich bei der am Freitag abgeschossenen Drohne um ein Modell des vom Iran entwickelten Typs “Schahed”, “das von der Russischen Föderation in ihrem Angriffskrieg gegen die Ukraine eingesetzt wird”. Dan bezeichnete es auf X als “inakzeptabel und unerträglich, dass die Russische Föderation weiterhin den Luftraum Rumäniens verletzt – einen Luftraum, der zugleich jener der Nato und der Europäischen Union ist”.
Der Sprecher des Nato-Oberkommandos der Alliierten Streitkräfte in Europa (Shape), Martin O’Donnell, erklärte, auch die am Sonntag abgeschossene Drohne “scheint russischen Ursprungs zu sein”. Rumäniens Außenministerium wollte nach den “wiederholten Verletzungen” den russischen Botschafter einbestellen. Rumänien und die Ukraine teilen eine etwa 600 Kilometer lange Grenze, sie ist Teil der Nato-Außengrenze.
Im Verlauf des seit fast viereinhalb Jahren andauernden Kriegs drangen wiederholt Drohnen in den rumänischen Luftraum ein. Einige davon stürzten ab, bis Freitag wurde jedoch keine abgeschossen. Der Iran warf der Ukraine am Sonntag vor, am Vortag ein iranisches Frachtschiff im Kaspischen Meer attackiert zu haben. Das Schiff sei dadurch “explodiert”, ein Mensch sei getötet worden, erklärte das Außenministerium in Teheran.
Laut dem iranischen Staatsfernsehen wurde der ukrainische Geschäftsträger in Teheran einbestellt. Irans Außenminister Abbas Araghtschi drohte der Ukraine mit einer Reaktion Teherans. Der ukrainische Präsident Selenskyj habe “ein iranisches Handelsschiff angegriffen und dabei einen Seemann getötet”, schrieb Araghtschi am Sonntag im Onlinedienst X. Er verurteilte einen “eklatanten Verstoß gegen die UN-Charta”. Das “Vorgehen des Schmarotzers in Kiew” dürfe “nicht unbeantwortet bleiben”.
Am Samstag hatte Selenskyj erklärt, im Kaspischen Meer seien “sehr solide Ergebnisse” durch Angriffe erzielt worden. Die Attacken hätten sich insbesondere gegen Schiffe gerichtet, “die für den Transport militärischer Fracht mit Beteiligung des Iran genutzt wurden, sowie auf ein Kriegsschiff”.
Sun, 26 Jul 2026 18:59:16 GMT
