17 Menschen bei russischen Angriffen auf Region Kiew getötet – Luftwaffe fängt keine Rakete ab

Mindestens 17 Todesopfer, keine russische Rakete abgefangen – neue russische Angriffe haben in der Nacht zum Mittwoch mit gravierenden Folgen die Region der ukrainischen Hauptstadt Kiew getroffen. Keine einzige der insgesamt 28 russischen Raketen habe abgefangen werden können, erklärte die ukrainische Luftwaffe. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte, die verspätete Lieferung von Abwehrraketen durch die Verbündeten führe “zu solchen entsetzlichen Opferzahlen und zu Zerstörung”.

Die Angriffe in der Hauptstadtregion lösten Brände in mehreren Gebieten aus. Selenskyj zufolge wurden neben den 17 Toten mehr als 40 Verletzte gemeldet. Russland greife “gezielt Zivilisten und zivile Infrastruktur an”, erklärte Kiews Militärverwaltung. Unter anderem seien Wohngebäude, Lagerhallen und ein Bahnhof getroffen worden. AFP-Journalisten in Kiew hörten kurz nach Mitternacht mehrere heftige Explosionen, nachdem Luftalarm ausgelöst worden war.

Dunkle Rauchwolken stiegen auf und noch am Morgen hing ein beißender Geruch über der Stadt. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen verurteilte die Angriffe als “schreckliche Gräueltaten”. Russland “muss für die Zerstörung bezahlen”, schrieb sie im Onlinedienst X. Moskau erklärte, die russische Armee habe “Verkehrs-, Logistik- und Vertriebszentren in der Stadt und der Region Kiew” getroffen.

Sie seien “an der Lagerung und Lieferung verschiedener Waffen und militärischer Fracht sowie an der Produktion und Lieferung” von Drohnen beteiligt gewesen. Die ukrainische Luftwaffe konnte nach eigenen Angaben 98 der 115 russischen Drohnen abfangen. Russland griff nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe zudem mit 24 ballistischen Raketen und vier Anti-Schiff-Raketen an, von denen jedoch keine einzige abgefangen werden konnte.

Die Ukraine hat inzwischen eine eigene Drohnenabwehr entwickelt, ist bei der Abwehr ballistischer Raketen aber vom US-Luftabwehrsystem Patriot abhängig. Vor allem infolge des Kriegs der USA gegen den Iran fehlt es an Abwehrraketen für die Patriot-Systeme in der Ukraine. Schätzungen des Zentrums für Strategie- und Internationale Studien (CSIS) zufolge verfügten die US-Streitkräfte vor ihrem Angriff auf den Iran am 28.

Februar über mehr als 2300 Raketen vom Typ Patriot und über mehr als 450 vom Typ THAAD. Seitdem haben sich die Bestände den Schätzungen nach etwa halbiert – oder sogar mehr. Die Abwehrraketen für die Luftverteidigung hätten “die Leben derjenigen retten können, die heute getötet wurden”, erklärte Selenskyj auf X. “Verspätungen bei der Lieferung oder ein Ausbleiben der Bereitstellung von Antiraketensystemen führen zu solchen entsetzlichen Opferzahlen und zu Zerstörung”, fügte er in Richtung der westlichen Verbündeten hinzu.

US-Präsident Donald Trump hatte Selenskyj Anfang Juli eine Erlaubnis zugesagt, die Systeme in der Ukraine zu produzieren, zeigte sich in der vergangenen Woche aber wieder zurückhaltend. Washington müsse bei einer solchen Entscheidung “sehr vorsichtig” vorgehen, erklärte Trump am Freitag. Unterdessen gab es in Russland offenbar den zweiten Anschlag auf einen Vertreter der russischen Rüstungsindustrie innerhalb weniger Tage: Staatsmedien zufolge wurde der Chef des russischen Drohnenherstellers Uraldronsawod bei einer Explosion seines Autos schwer verletzt.

Wladimir Tkatschuk befinde sich “auf der Intensivstation und in ernstem Zustand, Ärzte kämpfen um sein Leben”, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf Rettungskreise. Die russische Zeitung “Kommersant” berichtete, Tkatschuks Mercedes sei im Dorf Bolschoi Istok nahe der Stadt Jekaterinburg explodiert. Wann genau sich der Vorfall ereignete, war zunächst unklar.

Tass zufolge wurden Ermittlungen wegen versuchten Mordes aufgenommen. Uraldronsawod produziert insbesondere die ferngesteuerten “Upyr”-Drohnen, die Russland gegen die Ukraine einsetzt. Das Unternehmen steht auf der Sanktionsliste der EU und der USA. Die Ukraine hat seit Beginn der russischen Angriffe im Februar 2022 eine Reihe von Vertretern des russischen Militärs und der Rüstungsindustrie angegriffen.

Auf die Informationen über diesen jüngsten Anschlag reagierte Kiew zunächst nicht. In der vergangenen Woche war der Gründer und Chef eines anderen russischen Drohnenherstellers, Andrej Tscheresow, bei einem Schusswaffenangriff verletzt worden. Die Ermittler sprachen von “versuchtem Mord”.

Wed, 05 Aug 2026 13:22:32 GMT

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