Fast 2000 Menschen fliehen vor Waldbrand – Großeinsatz in Nordrhein-Westfalen

Ein sich rasend schnell ausbreitender Waldbrand hat in Nordrhein-Westfalen annähernd 2000 Menschen in die Flucht getrieben und einen Großeinsatz mit Löschhubschraubern und hunderten Helfern ausgelöst. Die Behörden räumten in der Nacht zu Freitag den Ortsteil Gey mit seinen etwa 1800 Einwohnern, wie der Kreis Düren mitteilte. Der am Donnerstag ausgebrochene Waldbrand weitete sich demnach bis auf 300 Hektar aus.

Mehr als 200 Kräfte von Feuerwehr, Technischen Hilfswerk, Bundeswehr und weiteren Organisationen waren am Freitag im Einsatz. Hubschrauber unterstützten durch Wasserabwürfe aus der Luft, auch Wasserwerfer der Polizei sowie Panzer der Bundeswehr waren demnach im Einsatz. In den brennenden Wald wurden in der Nacht zudem Schneisen gezogen, um die weitere Ausbreitung der Flammen einzudämmen, hieß es vom Landkreis.

Laut Dürens Landrat Ralf Nolten (CDU) zeichneten sich weitere Evakuierungen am Freitag zunächst nicht ab. Wie er vor Ort vor Journalisten sagte, kommt es inzwischen vor allem darauf an, den Waldbrand entlang der Flanken einzudämmen und heiße Glutnester im Boden zu bekämpfen. Für die weitere Dynamik entscheidend sei der Wind. Der Einsatz werde in jedem Fall dauern, fügte er an. “Wir sind noch lange nicht durch.””Derzeit sind Wasserwerfer im Einsatz.

Diese dämmen das Feuer von der Seite aus ein. Hubschrauber löschen weiterhin von oben”, teilte der Landkreis Düren am Freitag mit. Einer Kreissprecherin zufolge befand sich der Waldbrand weiterhin rund 150 bis 200 Meter von der Siedlung Gey  entfernt. Derzeit seien die Einsatzkräfte relativ hoffnungsvoll. Auch Verletzte seien bislang glücklicherweise nicht gemeldet worden. Die Helikopter nahmen Wasser an Talsperren und aus großen Becken auf, Landwirte unterstützten nach Kreisangaben bei der Wasserversorgung und pflügten Stoppelfelder um, um weitere Brandausbreitungen zu verhindern.

Auch Feuerwehrleute aus anderen Landesteilen wurden entsandt – darunter Kräfte eines speziellen Waldbrandmoduls mit geländegängigen Fahrzeugen, das zuletzt in Spanien im Einsatz war. Polizei und Bundeswehr unterstützte die Löscharbeiten nach eigenen Angaben mit Hubschraubern samt Wasserabwurfbehältern. Nolten zufolge erschwerte Munition aus dem Zweiten Weltkrieg die Löscharbeiten am Boden.

Im Laufe der Nacht habe es immer mal wieder “geknallt”, sagte der Landrat. Das spiele mit Blick auf die Sicherheit der Helfer eine Rolle. Im Hürtgenwald gab es am Ende des Weltkriegs heftige Kämpfe. Bundesweit kämpfen Einsatzkräfte bei anhaltend heißem und trockenem Wetter seit Tagen gegen zahlreiche Wald- und Flächenbrände. In weiten Teilen des Landes herrschen aktuell Temperaturen von weit mehr als 30 Grad.

Die Hitzewelle dauert nach Angaben des Deutschen Wetterdiensts noch bis zum Wochenende, es werden örtlich bis zu 39 Grad erreicht. Die Evakuierung von Gey war Nolten zufolge wegen der zwischenzeitlich nicht mehr einschätzbaren Ausbreitung des Feuers angeordnet worden. Stärkere Winde trieben die Flammen demnach sehr schnell in wechselnde Richtungen voran, das Feuer erfasste zeitweise Baumkronen.

Am Freitag breitete sich der Brand demnach aber zunächst nicht mehr aus. Im zentralen Bereich sei alles “heruntergebrannt”, sagte Nolten weiter. Über dem Brandgebiet stand derweil eine riesige Rauchwolke. Behörden riefen Bewohner in  umliegenden Gemeinden wegen “Geruchsbelästigung und Rauchniederschlag” auf, sich sofort in geschlossene Räume zu begeben und keine Fenster und Türen zu öffnen.

Zwei für Evakuierte eingerichtete Sammelstellen vor Ort wurden “wegen der Dynamik der Lage” geräumt, Betroffene in eine Schule nach Düren transportiert.”Die Einsatzkräfte kämpfen unermüdlich gegen die Flammen”, erklärte Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) in Düsseldorf. Gemeinsam mit Landeslandwirtschaftsministerin Silke Gorißen (CDU) appellierte er an die Bevölkerung, sich von den Bränden fernzuhalten und die Helfer nicht zu behindern. Generell sollten Wälder wegen der aktuell hohen Waldbrandgefahr nicht betreten werden.

Waldbrände könnten sich “rasend schnell ausbreiten und Fluchtwege abschneiden”. Gegen Waldbrände kämpften Einsatzkräfte unter anderem auch bei Soest in Nordrhein-Westfalen und Plauen in Sachsen. Am Möhnesee bei Soest waren laut örtlichen Feuerwehren in der Nacht zu Freitag etwa 100 Helfer tätig, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. In Plauen kämpften etwa 120 Einsatzkräften den vierten Tag in Folge teils mit schweren Gerät gegen einen Waldbrand.

Dort handelte es sich den örtlichen Behörden zufolge inzwischen aber um Nachlöscharbeiten. Weite Teile Europas haben seit Wochen mit wiederholten Hitzewellen und großer Trockenheit zu kämpfen. In vielen Ländern kam es schon zu schweren Waldbränden, etwa in Frankreich und Spanien. Aktuell ist es auch in Deutschland weiterhin praktisch niederschlagsfrei. Erste Regenfälle sind laut Wetterdienst ab Samstag zu erwarten, dann sollen sich vom Südwesten bis in den Norden Gewitter und Schauer einstellen.

Evakuierungsmaßnahmen wegen Waldbränden sind hierzulande eher selten, kommen aber vor. Im vergangenen Jahr etwa wurden in der Gohrischheide in Sachsen aus Sicherheitsgründen einige Ortsteile geräumt, im Sommer 2022 waren in Brandenburg mehrere Dörfer mit hunderten Einwohnern betroffen. Häuser oder Menschen kamen dabei aber nicht zu Schaden.

Fri, 14 Aug 2026 11:27:26 GMT