Moskau droht London nach Bericht über Einsatz britischer Drohnen in Russland

Moskau hat der Regierung in London wegen des mutmaßlichen Einsatzes britischer Drohnen bei ukrainischen Angriffen in Russland mit “Konsequenzen” gedroht. Großbritannien werde sich für die Unterstützung der Ukraine “verantworten” und einen “Preis” zahlen müssen, erklärte die russische Botschaft in London am Montagabend. Ein britischer Regierungssprecher erwiderte, sein Land werde die Ukraine weiter unterstützen.

Die russischen und ukrainischen Streitkräfte setzten ihre Angriffe fort, in der Ukraine wurden zehn Menschen getötet. Vorausgegangen war ein Bericht der “Sunday Times”, nach dem die ukrainische Armee britische Drohnen für Angriffe tief im russischen Staatsgebiet genutzt hat. Von zwei britischen Unternehmen hergestellte und an die Ukraine gelieferte Drohnen seien bei ukrainischen Angriffen auf militärische und industrielle Ziele innerhalb Russlands zum Einsatz gekommen, berichtete die Zeitung.

Die russische Botschaft in London erklärte, damit habe sich Großbritannien zum “Komplizen und Mittäter” gemacht und “bewusst für eine Eskalation des Konflikts entschieden”. Sie drohte: “Je tiefer die Verstrickung in den Konflikt und je größer die Unterstützung für Kiews Terrorapparat, desto höher wird der zu zahlende Preis sein.”Die britische Regierung teilte umgehend mit, Großbritannien werde sich nicht einschüchtern lassen.

Das Land bleibe “entschlossen, die Ausrüstung bereitzustellen, welche die Ukraine zur Verteidigung gegen (Wladimir) Putins völkerrechtswidrige Invasion benötigt”, erklärte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. “Russland sollte keinen Zweifel an der Entschlossenheit dieser Regierung haben, der russischen Aggression die Stirn zu bieten.”Die Ukraine greift Russland seit einigen Monaten mit zahlreichen Drohnen an, teils tief im Landesinneren und hunderte Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt.

In der Nacht zum Dienstag feuerte die Ukraine nach Angaben der russischen Behörden insgesamt 620 Drohnen auf die Region der Hauptstadt Moskau ab. Dabei seien drei Menschen verletzt worden, unter ihnen eine Zehnjährige. Außerdem wurde den Behördenangaben zufolge ein Lager des Online-Versandhändlers Wildberries getroffen, der als “russisches Amazon” gilt. Die Ukraine wirft dem Versandhändler vor, in den Transport und die Lagerung von Waffen für die russischen Streitkräfte eingebunden zu sein, und greift deshalb immer wieder Lager des Konzerns an.

Ukrainische Drohnen trafen in den vergangenen Wochen zudem russische Ölraffinerien. Bei einem schweren russischen Raketenangriff in der Ukraine wurden in der Nacht zehn Menschen getötet. 17 weitere Menschen wurden bei den Angriffen in der Region Charkiw im Nordosten des Landes verletzt, wie Gouverneur Oleh Synehubow mitteilte. Mehrere Wohngebäude und Geschäfte seien beschädigt worden. Die Rakete habe eine Kreuzung “mit einem Postamt und Geschäften, umgeben ausschließlich von Wohngebäuden” getroffen, erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. “Wir werden auf jeden Fall auf diesen russischen Angriff antworten”, erklärte Selenskyj.

Er rief seine westlichen Verbündeten auf, ihrerseits die ukrainischen Streitkräfte zu unterstützen und den Druck auf Russland zu erhöhen. Russland greift die Ukraine seit Beginn seines Angriffskriegs im Februar 2022 fast täglich mit Drohnen und Raketen an. In der Nacht zum Dienstag zählte die ukrainische Luftwaffe nach eigenen Angaben 147 russische Drohnen, von denen 111 abgefangen wurden. Die Zahl der abgefeuerten Raketen ist unbekannt, weil Kiew dazu inzwischen keine tägliche Bilanz mehr vorlegt.

Am Dienstag riefen die ukrainischen Behörden Familien mit Kindern in der Region Dnipropetrowsk wegen der unsicheren Lage zur Evakuierung auf. Der Aufruf betrifft nach Angaben des Chefs der regionalen Militärverwaltungschefs Oleksander Ganzha 16 Ortschaften und fast 2200 Kinder. Die Familien hätten “einen Monat Zeit, um diese Gebiete zu verlassen”, teilte er mit. Sie sollen in sichereren Regionen des Landes unterkommen, die Behörden sollen für ihre Unterbringung sorgen.

Dnipropetrowsk ist häufig Ziel der nächtlichen russischen Angriffe aus der Luft, im Osten der Region liegt ein Teil der Front. Die ukrainische Armee gewann dort zuletzt etwas Boden, der Frontverlauf ändert sich seit Monaten aber nur geringfügig, wie aus Daten des US-Instituts für Kriegsstudien hervorgeht.

Tue, 18 Aug 2026 12:17:20 GMT

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