In Belgien hat die Feuerwehr am Dienstag einen möglicherweise entscheidenden Vorstoß gestartet, um den größten Brand in dem Land seit mehr als 100 Jahren vollständig unter Kontrolle zu bringen. Die Feuerwehrleute versuchten, das Feuer im Naturschutzgebiet Hohes Venn “vollständig einzukreisen”, sagte der Leiter der Krisenkommunikation der Provinz Lüttich, Tony Hosmans, im Einsatzgebiet im Osten Belgiens.
Unterdessen warnte die nordrhein-westfälische Gemeinde Monschau vor “gesundheitlichen Gefahren” infolge der Rauchentwicklung durch den Brand im Nachbarland. Sollte eine Einkreisung des Feuers gelingen, könne “man hoffen, dass es unter Kontrolle gebracht werden kann”, erläuterte Hosmans, der von einem möglicherweise “entscheidenden Tag” bei der Brandbekämpfung sprach.
Voraussetzung sei allerdings, dass das Wetter sich nicht “radikal ändert”, betonte Hosmans. Regen verlangsamte am Dienstag die weitere Ausbreitung des Feuers. Die Einwohner des Dorfes Sourbrodt in der belgischen Gemeinde Weismes konnten ab Montagabend in ihre Häuser zurückkehren. Unter den Rückkehrern war am Dienstag auch Monika Schieren aus dem rund 40 Kilometer Luftlinie entfernten Eschweiler.
Die 62-Jährige und ihre Familie waren am Samstagnachmittag aus ihrer Urlaubsunterkunft in Sourbrodt evakuiert worden. “Wir konnten nichts mitnehmen”, sagte Schieren der Nachrichtenagentur AFP. “Deswegen sind wir nochmal zurückgekommen, zum Packen.”Trotz der Aufhebung der Evakuierungsandordnung wolle die Familie ihren Urlaub nicht fortsetzen. “Wir haben Angst, das Feuer ist noch nicht bekämpft”, betonte Schieren. Das Feuer im bei Wanderern und Radfahrern beliebten Hohen Venn vernichtete seit Freitag rund 3000 Hektar Vegetation – das entspricht in etwa der Fläche der Nordseeinsel Borkum.
Das Gebiet besteht aus sumpfigen Torfmooren und Kiefernwäldern. Torfbrände sind problematisch, weil das Feuer sich unterirdisch über mehrere Torfschichten verbreiten und über Jahre hinweg unentdeckt weiter schwelen kann. Der Feuerwehrmann David Covens sagte am Einsatzort, das Feuer stecke “teils ziemlich tief” im Boden. Behördensprecher Nicolas Yernaux sagte, es würden “vermutlich hunderttausende Liter” Wasser nötig sein, um das Gelände zu fluten. “Nur weil man keine Flammen mehr sieht, ist das Feuer trotzdem da”, sagte er.
Wegen des Torfs könne es “wirklich Wochen, sogar Monate” dauern, bis der Brand gelöscht ist. Zunächst gehe es aber darum, “eine letzte kleine Lücke zu schließen”, bis das Feuer eingekreist ist. Bei dem Feuer in dem Naturschutzgebiet an der Grenze zu Deutschland handelt es sich um den größten Waldbrand in Belgien seit dem Jahr 1911. Im deutschen Eifelort Monschau mussten wegen des Brandes zeitweise zwei Straßenzüge mit etwa 30 Bewohnern evakuiert werden.
Die Gemeinde Monschau teilte mit, als Folge des Waldbrandes im Hohen Venn komme es in Monschau und den Gemeinden Roetgen und Simmerath zu erheblichen Geruchsbelästigungen und möglicher Schadstoffbelastung. Die Einwohner der betroffenen Orte wurden aufgefordert, sich in geschlossenen Räumen aufzuhalten, Klima- und Lüftungsanlagen abzuschalten sowie Fenster und Türen zu schließen. Auch in Köln, Leverkusen und Aachen wurden Warnungen vor Geruchsbelästigung verbreitet.
Belgien leidet in diesem Sommer wie große Teile Europas unter Hitze und Trockenheit. Der vom Menschen verursachte Klimawandel sorgt nach Einschätzung von Wissenschaftlern für längere Hitzewellen und Dürren. Diese trocknen die Vegetation aus und begünstigen so Waldbrände.
Tue, 18 Aug 2026 16:21:23 GMT
