Kosovos Ex-Präsident Thaci wegen Kriegsverbrechen zu 25 Jahren Haft verurteilt
Der frühere Präsident des Kosovo und Guerillakämpfer während des Unabhängigkeitskrieges in seinem Land, Hashim Thaci, ist am Mittwoch wegen Kriegsverbrechen zu 25 Jahren Haft verurteilt worden. Das Kosovo-Sondertribunal im niederländischen Den Haag befand Thaci unter anderem der “rechtswidrigen Festnahme, Folter, des Mordes und grausamer Behandlung” für schuldig. Der 58-Jährige wird in seinem Heimatland als Held verehrt.
In Kosovos Hauptstadt Pristina verfolgten zahlreiche Menschen die Urteilsverkündung liveDie Anklage hatte für Thaci und drei mitangeklagte Kommandeure der Kosovo-Befreiungsarmee UCK 45 Jahre Haft wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Kosovo-Kriegs gefordert. Alle Angeklagten hatten auf nicht schuldig plädiert. Das Gericht verurteilte alle vier Angeklagten wegen willkürlicher Inhaftierung und Folter von hunderten Menschen sowie für 96 Morde.
Von den Vorwürfen der Verbrechen gegen die Menschlichkeit wurden sie jedoch freigesprochen. Thaci nahm das Urteil in dem Gerichtssaal in Den Haag regungslos zur Kenntnis. Der 58-jährige Ex-Präsident war 2020 nach der Anklageerhebung von seinem Amt zurückgetreten und hatte sich dem Gericht gestellt. Er befindet sich seitdem in Den Haag in Haft. Die bereits verbüßte Haftzeit wird von seiner Strafe abgezogen, wie das Gericht mitteilte.
Thacis frühere Mitstreiter in der UCK erhielten ebenfalls langjährige Haftstrafen. Jakup Krasniqi wurde zu 25 Jahren, Kadri Veseli zu 18 Jahren und Rexhep Selimi zu 13 Jahren Haft verurteilt. Für viele Menschen im Kosovo sind Thaci und die UCK verehrte Symbole der Unabhängigkeitsbewegung. Am Samstag hatten bei einer Kundgebung in der Hauptstadt Pristina zehntausende Menschen einen Freispruch für Thaci und die drei Mitangeklagten gefordert.
Am Mittwoch versammelte sich erneut eine große Menschenmenge in Pristina, um die Urteilsverkündung live zu verfolgen. Als die Entscheidung verkündet wurde, verstummte die Menge. Viele schienen von dem Urteil schockiert zu sein. Thacis Unterstützer hatten sich wochenlang auf einen möglichen Freispruch vorbereitet. Als klar wurde, dass der ehemalige Präsident in Haft bleiben würde, leerte sich der Platz in Pristina innerhalb weniger Minuten fast vollständig.
Kosovos Außenminister Glauk Konjufca verurteilte den Schuldspruch. “Ein furchtbares Urteil für das Kosovo, für unseren Befreiungskrieg”, sagte er vor dem Gericht in Den Haag vor Journalisten. “Es ist eine traurige, ungerechte, unverdiente Entscheidung”, fügte er hinzu. Die albanisch-kosovarische UCK kämpfte im Kosovo-Krieg in den Jahren 1998 und 1999 für die Unabhängigkeit des Kosovo von Serbien.
Das mit internationalen Richtern besetzte Kosovo-Sondertribunal untersucht Verbrechen der UCK während und nach dem Konflikt, vor allem an Serben, Roma und kosovo-albanischen Gegnern der Guerilla. Im Kosovo-Krieg wurden mehr als 13.000 Menschen getötet, die meisten von ihnen Kosovo-Albaner. Thaci war im Jahr 2007 nach Wahlen zum Regierungschef des Kosovo ernannt worden. 2008 verlas er im kosovarischen Parlament die Unabhängigkeitserklärung des Landes von Serbien, was von Belgrad bis heute nicht anerkannt wird.
Trotz Korruptionsvorwürfen blieb er in dem kleinen Balkanstaat eine zentrale Figur der Politik und wurde 2016 zum Präsidenten gewählt. Thaci hat stets Fehlverhalten während des Kosovo-Krieges bestritten und den Konflikt als “gerechten” Aufstand gegen serbische Unterdrückung bezeichnet. “Politische Fehler in Friedenszeiten mag ich begangen haben, aber Kriegsverbrechen niemals”, sagte er 2020.
Wed, 16 Sep 2026 11:16:31 GMT
