Angetrieben von einer boomenden Nachfrage nach Militärfahrzeugen, Flugzeugen, Schiffen und Zügen hat der Auftragsbestand im Verarbeitenden Gewerbe ein neues Allzeithoch erreicht. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, legten die Aufträge im Juli um 1,5 Prozent zum Vormonat zu. Gegenüber dem Vorjahresmonat Juli 2025 betrug das Plus sogar 10,9 Prozent. Es gibt auch weitere Hinweise auf eine sich verbessernde Konjunktur: Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung hob seine Prognose für 2026 und 2027 deutlich an.
Das Statistische Bundesamt erklärte am Donnerstag, der Auftragsbestand im Verarbeitenden Gewerbe habe “abermals ein neues Allzeithoch” erreicht. Der Aufwärtstrend ist demnach “überwiegend auf den hohen Auftragsbestand im Sonstigen Fahrzeugbau” zurückzuführen, in dem zuletzt viele neue Aufträge eingegangen seien. Darunter fallen Flugzeuge, Schiffe, Züge und Militärfahrzeuge, deren Fertigungsdauer vergleichsweise lang ist.
Einen weiteren Höchststand gibt es angesichts dessen auch bei der Reichweite des Auftragsbestands: Sie stieg dem Bundesamt zufolge “erstmals seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2015” auf 9,0 Monate, nach 8,9 Monaten im Juni. Die Reichweite gibt an, wie lange die Betriebe bei gleichbleibendem Umsatz mit dem Abarbeiten der bisherigen Aufträge ausgelastet wären, ohne dass neue Aufträge hinzukommen müssten.
Mehr Aufträge als zuvor gab es im Juli laut Statistik auch im Maschinenbau (plus 0,8 Prozent). In der unter wachsendem Konkurrenzdruck stehenden Automobilindustrie sank der Auftragsbestand hingegen – um 1,7 Prozent. Trotz der zuletzt guten Auftragslage wird die Produktion im Maschinen- und Anlagenbau in Deutschland 2006 voraussichtlich das vierte Jahr in Folge sinken. Wegen der schwachen Entwicklung im laufenden Jahr revidierte der Branchenverband VDMA seine Produktionsprognose für 2026 von Stagnation auf ein reales Minus von zwei Prozent.
Für 2027 zeichnet sich den Angaben zufolge jedoch eine Trendwende ab: Erwartet wird ein reales Produktionsplus von drei Prozent. Zur Begründung verwies VDMA-Chefvolkswirt Johannes Gernandt auf “die bessere Auftragslage und die leicht aufgehellten Erwartungen”. Nach mehreren anderen Instituten hob am Donnerstag auch das IMK seine Konjunkturprognose für an. Es rechnet nun mit einem Anstieg des deutschen Bruttoinlandsprodukt (BIP) um durchschnittlich 1,3 Prozent in diesem Jahr und um 1,4 Prozent 2027.
Das sind 0,7 beziehungsweise 0,5 Prozentpunkte mehr als noch im Juni erwartet. “Das liegt einerseits an überraschend starken deutschen Exporten in der ersten Jahreshälfte 2026, andererseits an den erhöhten staatlichen Ausgaben für Verteidigung und den zusätzlichen Investitionen in Infrastruktur”, erklärte das IMK. Trotz der Aufhellung sieht das IMK aber “weiterhin auch deutliche Schattenseiten”: “Der private Konsum bringt kaum Wachstumsimpulse, weil die Energiepreise in Folge des Iran-Krieges laut der Prognose länger erhöht bleiben werden, und weil der beginnende staatliche Sparkurs die Wirtschaft belastet.” Das Institut rechnet 2026 mit einer Inflation von durchschnittlich 2,7 Prozent und einem Anstieg auf 2,9 Prozent 2027.
Auch die Beschäftigung sinke weiter leicht, “vor allem, weil der negative Trend in der Industrie trotz deutlich gestiegener Aufträge vorerst anhält”.
Thu, 17 Sep 2026 10:28:26 GMT
