Bei einem überraschenden Treffen mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow am Rande der UN-Generaldebatte in New York hat Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) Russland zur Deeskalation aufgerufen. Bei dem Gespräch am Samstag in New York habe Wadephul den russischen Außenminister aufgefordert, “den gefährlichen Weg der Eskalation gegenüber Deutschland, Europa und der Nato zu verlassen”, hieß es aus Kreisen der deutschen Delegation. Vorfälle wie der Anschlagsversuch am Leipziger Flughafen Anfang August oder weitere hybride Angriffe würden “das von Russland ohnehin bereits schwer beschädigte bilaterale Verhältnis zu Deutschland weiter beeinträchtigen”, hieß es weiter.
Wadephul betonte Delegationskreisen zufolge gegenüber Lawrow, es sei “jederzeit” möglich, zu einem konstruktiveren Verhältnis zurückzukehren. Dies setze jedoch die ernsthafte Bereitschaft der russischen Führung voraus, den Angriffskrieg gegen die Ukraine zu beenden und an der Wiederherstellung einer dauerhaften Friedensordnung in Europa mitzuwirken. Eine solche Bereitschaft sei “bislang nicht zu erkennen”.
Anfang August war in Leipzig eine mit Sprengstoff beladene Drohne in der Nähe von ukrainischen Frachtflugzeugen entdeckt worden. Der Flughafen ist Umschlagplatz für militärische Hilfslieferungen an die Ukraine. Die Bundesregierung macht Russland für den Anschlagsversuch verantwortlich. Beide Seiten hatten seither die Schließung von Konsulaten im jeweiligen anderen Staat angeordnet. In einer Rede vor der UN-Vollversammlung warf Lawrow Europa kurz nach dem Treffen vor, es tue “alles in seiner Macht Stehende, um die von der Trump‑Regierung gewünschten Friedensgespräche zu torpedieren”.
Der russische Außenminister betonte Moskaus Entschlossenheit, seine militärischen Ziele “egal unter welchen Umständen” durchzusetzen: “Die Ziele der speziellen Militäroperation werden erreicht, die Bedrohung der russischen Sicherheit wird beseitigt und das friedliche Leben wird zurückkehren”, sagte er. Lawrow griff in seiner Rede vor der UN-Vollversammlung gleichzeitig Deutschland an: Eine Reform des UN-Sicherheitsrats könne nicht bedeuten, dass westliche Staaten mehr Sitze in dem Gremium erhielten, “vor allem nicht Deutschland und Japan, die sich inzwischen auf dem Weg des Militarismus befinden”, sagte er.
Wadephul verurteilte nach Angaben aus Delegationskreisen bei dem Treffen mit seinem russischen Kollegen die “anhaltende, immer zielgerichtetere russische Aggression gegen die ukrainische Zivilbevölkerung”. Die Ukraine habe ihre Bereitschaft zu Verhandlungen unzählige Male erklärt. Deutschland steht bereit, um diesen Weg auch weiterhin zu unterstützen. Nach Angaben des russischen Außenministeriums fand das Gespräch zwischen Wadephul und Lawrow auf Initiative der deutschen Seite statt.
Es war das erste Treffen zwischen Chefdiplomaten aus Deutschland und Russland seit Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine im Jahr 2022. Zuletzt hatte die damalige Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) Lawrow im Januar 2022 getroffen, knapp einen Monat vor dem Beginn der russischen Invasion in der Ukraine. Bei gegenseitigen Angriffen wurden in Russland und der Ukraine unterdessen nach Behördenangaben vom Samstag mindestens 16 Menschen getötet.
Die ukrainischen Behörden meldeten sechs Todesopfer in Saporischschja, Sumy und Dnipropetrowsk; die russischen Behörden sprachen von zehn Todesopfern in Russland sowie in russisch besetzten Gebieten in der Ukraine.
Sat, 26 Sep 2026 19:47:33 GMT
