Nach mehr als einem Jahrzehnt: USA beenden Anti-IS-Militäreinsatz im Irak

Nach mehr als einem Jahrzehnt haben die USA ihren Militäreinsatz gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) im Irak beendet. Die USA und ihre Koalitionspartner hätten den Einsatz “Inherent Resolve” im Irak abgeschlossen, erklärte das Pentagon am Mittwoch. Der Irak begrüßte den Truppenabzug als “Beginn einer neuen Phase”. US-Präsident Donald Trump sprach von einem “Sieg für die Vereinigten Staaten”.

Trumps Vorgänger Joe Biden hatte den Abzug bereits im September 2024 mit dem Irak vereinbart. Pentagon-Sprecher Sean Parnell erklärte nun, der Abzug der Truppen und der Ausrüstung vom Luftwaffenstützpunkt Erbil markiere “den erfolgreichen Abschluss der Militärmission, mit welcher der IS im Irak besiegt wurde”. Die von den USA angeführte Militärkoalition war 2014 ins Leben gerufen worden, nachdem der IS weite Teile des Irak und Syriens eingenommen hatte.

Die Dschihadistenmiliz wurde 2017 im Irak und 2019 in Syrien besiegt. Die Koalitionstruppen blieben jedoch weiter in der Region, um die verbleibenden IS-Kämpfer zu kontrollieren. Zuletzt waren sie nur noch in der autonomen Region Kurdistan im Nordirak präsent.  An dem Irak-Einsatz war auch die Bundeswehr beteiligt. Die Bundeswehr verlasse das Land “auf Wunsch der irakischen Regierung”, sagte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums in Berlin.

Die von den USA angeführte internationale Koalition besiegte den IS nicht allein. Die kurdischen Peschmerga – Streitkräfte der Autonomen Region Kurdistan – sowie einflussreiche irakische Gruppierungen spielten dabei als Unterstützer eine wichtige Rolle. Unter den Gruppen waren auch pro-iranische Kämpfer, die ihre Waffen trotz wiederholter Aufforderungen durch die Regierung noch nicht abgegeben haben.

Die irakische Regierung begrüßte den Abzug der Koalition als Beginn eines neuen Kapitels und äußerte die Hoffnung, dass den pro-iranischen Gruppierungen nun der Grund genommen worden sei, ihre Waffen weiter zu behalten. “Eine neue Phase hat begonnen, die geprägt ist von der Souveränität des Irak, der Stärke seiner Institutionen, der Einsatzbereitschaft seiner Streitkräfte, der Einheit in der Entscheidungsfindung und ausgewogenen Partnerschaften mit seinen Freunden”, sagte Regierungschef Ali al-Saidi am Mittwoch bei einer Zeremonie.

Der 1. Oktober solle fortan als Tag der Souveränität gefeiert werden. Al-Saidi hatte bei seinem Amtsantritt in diesem Jahr versprochen, das Waffenmonopol des Staates zu stärken und sicherzustellen, dass bewaffnete Gruppierungen ihre Waffen an den Staat abgeben. Eine ursprünglich für den 30. September festgelegte Frist für die Entwaffnung wurde aber wieder aufgehoben, da die Verhandlungen länger dauerten.

US-Präsident Trump beanspruchte die von Biden veranlasste Abzugsentscheidung für sich. Er sprach in seinem Onlinedienst Truth Social von einem “Sieg für die Vereinigten Staaten”, für den Irak und einem “entscheidenden Sieg über den IS”. Er habe das Gefühl gehabt, “dass es Zeit für Amerika ist, nach Hause zu gehen”. Bei einem Auftritt in Washington nannte er den Irak einen “Sumpf”.

Der kurdische Militärkommandeur Sirwan Barsani zeigte sich angesichts des Abzugs der US-geführten Koalition besorgt. “Wir haben keine Mittel, um den Luftraum über Kurdistan zu schützen”, sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Die Peschmerga blieben jedoch bereit, Bedrohungen zu bekämpfen. Die pro-iranischen schiitischen Hisbollah-Brigaden sprachen von einem “ersten Schritt auf dem Weg zur vollständigen Souveränität”.

Zugleich drohte die Gruppe: “Eine Regierung, die nicht zum Wohle ihres Volkes handelt, wird mit allen Mitteln gestürzt werden.”  Pro-iranische Gruppen im Irak fordern seit Langem den Rückzug der US-Truppen und hatten US-Stützpunkte in dem Land mit Drohnen und Raketen angegriffen. Das führte zu Vergeltungsangriffen der USA, bei denen über die Jahre mehrere Kommandeure der Gruppen getötet wurden. Während des Iran-Kriegs, den Trump Ende Februar mit ausgelöst hatte, verstärkten Teheran und mit dem Iran verbündete Gruppen ihre Angriffe im Irak.

Dabei wurden vor allem die US-Truppen in der Region Kurdistan ins Visier genommen.  

Wed, 30 Sep 2026 18:01:59 GMT

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