Zweiter Anlauf für die Wahlsiegerin: Die schwedische Sozialdemokratin Magdalena Andersson ist nach einem gescheiterten ersten Versuch erneut mit der Bildung einer Regierung beauftragt worden. Parlamentspräsident Andreas Norlen sagte am Freitag auf einer Pressekonferenz, auf der Grundlage seiner Gespräche mit Parteienvertretern habe er entschieden, dass Anderson “damit beauftragt wird, die Sondierungsaufgabe wiederaufzunehmen”. Der amtierende konservative Regierungschef Ulf Kristersson nannte den Schritt “natürlich”.
Andersson begrüßte ihre erneute Beauftragung. “Am Wochenende werde ich darüber nachdenken, wie ich den Prozess voranbringen kann”, erklärte sie in Onlinediensten. “Ich hoffe, dass auch andere Parteien ihre Positionen überdenken.”Der von Andersson angeführte oppositionelle Mitte-Links-Block hatte die Parlamentswahl am 13. September knapp gewonnen. Dennoch war es der Sozialdemokratin im ersten Anlauf nicht gelungen, die vier Parteien des Blocks – Sozialdemokraten, Grüne, Linke und Zentrumspartei – für die Bildung einer Regierung zusammenzubringen.
Parlamentspräsident Norlen kündigte nun an, Andersson solle ihre neuen Sondierungen am Montag beginnen. “Ich will den Parteien etwas Zeit zum Nachdenken geben, bevor der formelle Prozess wiederaufgenommen wird”, sagte er. Die Voraussetzungen im Parlament hätten sich seit der erstmaligen Beauftragung Anderssons nicht geändert. Diese solle ihm am 12. Oktober Rückmeldung geben, fügte Norlen hinzu.
Nach dem Scheitern von Anderssons erstem Anlauf vor einigen Tagen war allgemein erwartet worden, dass Norlen Kristersson die Aufgabe der Regierungsbildung übertragen würde. Gegenüber der Nachrichtenagentur AFP erklärte Norlen jedoch, die vier Parteien des Mitte-Links-Blocks hätten eine Mehrheit im Parlament – “und sie haben Magdalena Andersson als ihre Kandidatin Nummer eins für das Amt des Regierungschefs”. Er halte es daher für “angemessen, dass sie zunächst auf ihrer Seite des politischen Spektrums in Schweden ihre Möglichkeiten zur Regierungsbildung ausloten kann und den Auftrag fortsetzt, den ich ihr vor einiger Zeit erteilt habe”, fügte Norlen hinzu.
Auf die Frage, ob es möglich sei, dass Kristersson bei einem erneuten Scheitern Anderssons eine Chance bekomme, sagte Norlen: “Alles ist möglich.” Er wolle aber zunächst sehen, wie Anderssons Versuch “ausgeht”. Kristersson selbst sagte am Freitag vor Journalisten, es sei “natürlich”, dass Andersson angesichts des Wahlergebnisses versuchen sollte, eine Regierung zu bilden.
Kristersson führte bisher eine Minderheitsregierung aus seinen Moderaten, den Christdemokraten und den Liberalen an, die im Parlament auf die Unterstützung der rechtspopulistischen Schwedendemokraten angewiesen war. Die Schwedendemokraten mussten bei der Wahl jedoch erhebliche Verluste einstecken. Die Sozialdemokraten, Grünen, Linkspartei und Zentrumspartei kommen im neuen Parlament zusammen auf 176 Sitze.
Auf Kristerssons bisheriges Bündnis inklusive der Schwedendemokraten entfallen 173 Sitze. Der Parlamentspräsident hat vier Versuche, einen Kandidaten oder eine Kandidatin für das Amt des Regierungschefs zur Abstimmung im Parlament vorzuschlagen. Scheitert der vierte Versuch, muss eine Neuwahl angesetzt werden.
Fri, 02 Oct 2026 11:57:09 GMT
