Selenskyj: Russische Angriffe zeigen unveränderte Haltung des Kreml zum Krieg

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sieht in neuen russischen Raketenangriffen auf sein Land einen Beweis dafür, dass der Kreml seine Haltung zum Krieg nicht geändert habe. Selenskyjs Angaben vom Donnerstag zufolge wurden bei den Angriffen zwei Menschen getötet. Die Attacken folgten auf Gespräche zwischen dem US-Gesandten Steve Witkoff und Kreml-Chef Wladimir Putin, nach denen US-Präsident Donald Trump sich zuversichtlich über ein baldiges Ende des Ukraine-Kriegs äußerte.

Russland schoss derweil nach eigenen Angaben mehr als 800 ukrainische Drohnen ab.”Fast unmittelbar nach einer neuen Gesprächsrunde” zwischen dem US-Sondergesandten Witkoff und dem russischen Präsidenten Putin in St. Petersburg “hat Russland einen gezielten Angriff gestartet. Das bedeutet, dass es keine wirkliche Änderung in seiner Haltung gegenüber all dem, was geschieht, gegeben hat”, erklärte Selenskyj im Onlinedienst Telegram.

Russland habe ein Dutzend ukrainische Regionen in der Nacht angegriffen, fuhr er fort, darunter die Hauptstadt Kiew. Seit Mittwochabend habe Russland drei Wellen ballistischer Raketen auf Kiew abgefeuert, erklärte Selenskyj und sprach dabei von “russischen ‘Menschenfreunden'”. Witkoff hatte Putin nach der Freilassung des US-Bürgers Stephen Hubbard als einen “Menschenfreund” bezeichnet.

Insgesamt seien 34 Menschen verletzt worden, unter den Verletzten seien Kinder, erklärte Selenskyj. Er forderte die Verbündeten auf, “echten Druck” auf Moskau aufrechtzuerhalten und mehr Luftabwehrausrüstung zu liefern. Unterdessen wurden auch aus Russland Angriffe gemeldet. Laut dem Verteidigungsministerium in Moskau wurden 808 ukrainische Drohnen abgeschossen. 163 Drohnen steuerten laut Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin auf die russische Hauptstadt zu.

Zwei Menschen wurden demnach verletzt. Der Gouverneur von Tula erklärte, die russische Luftabwehr habe 70 Drohnen zerstört. In der Region Lipezk wurde nach Angaben des örtlichen Gouverneurs ein Mann verletzt. US-Präsident Trump hatte sich zuvor nach einem Treffen seines Sondergesandten Witkoff mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zuversichtlich über ein baldiges Ende des Ukraine-Kriegs geäußert.

Witkoff hatte sich am Mittwoch in St. Petersburg mit Putin getroffen, nachdem er tags zuvor in Oslo mit dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj zusammengekommen war. Nach eigenen Angaben überbrachte er Putin “Ideen” für ein Ende des seit mehr als viereinhalb Jahren andauernden Kriegs. Moskau zeigte sich anschließend zur Wiederaufnahme der Verhandlungen mit Washington und Kiew bereit.

Die von Witkoff übermittelten Vorschläge der Europäer und der Ukraine für eine Friedenslösung bewertete der Kreml aber kritisch. Tags zuvor war Witkoff in Oslo mit Selenskyj zusammengekommen. Selenskyj selbst hatte am Mittwoch ein Einfrieren der Frontlinie als einen möglichen ersten Schritt für eine Waffenruhe bezeichnet. Moskau schließt dies bislang aus und fordert vor einem Ende der Kampfhandlungen ein Abkommen.

Russland besteht insbesondere darauf, dass sich die ukrainische Armee aus den von ihr kontrollierten Gebieten in der Region Donezk in der Ostukraine zurückzieht, was wiederum für Kiew inakzeptabel ist. Die Treffen in St. Petersburg und Oslo fanden vor dem Hintergrund der jüngsten Spannungen zwischen Washington und Kiew statt. Die Ukraine wirft den USA vor, sich von dem angegriffenen Land abzuwenden und sich auf die Seite Moskaus zu schlagen.

Trump hatte Anfang Oktober eine Vereinbarung über die Lieferung russischen Diesels für den US-Markt bekanntgegeben. Dafür wurden US-Sanktionen gegen Russland gelockert. Das Abkommen stieß in der Ukraine und bei ihren Verbündeten auf scharfe Kritik. Die Vereinbarung wird als Versuch gewertet, die durch den Iran-Krieg hohen Kraftstoffpreise in den USA vor den Kongresswahlen am 3. November zu senken.

Trump steht wegen der Kraftstoffpreise in den USA unter Druck. Die ukrainischen Behörden teilten derweil mit, die Leichen von 252 Menschen im Rahmen eines Austauschs mit Russland erhalten zu haben. Russland habe im Gegenzug 25 Leichen erhalten, zitierte die Mediengruppe RBC den russischen Abgeordneten Schamsail Saralijew. Austausche dieser Art gehören zu den wenigen Bereichen, in denen die Kriegsparteien zusammenarbeiten.

Thu, 22 Oct 2026 11:59:02 GMT