Zugunglück in Spanien: Behörden arbeiten “unermüdlich” an Identifizierung der Opfer

Banges Warten bei den Angehörigen: Nach dem schweren Zugunglück in Spanien mit mindestens 69 Toten arbeiten die Behörden unter Hochdruck an der Identifizierung der Opfer. Regierungschef Pedro Sánchez sagte am Freitag nach einem Treffen mit Einsatzkräften nahe der Gemeinde Urda, alle staatlichen Stellen würden “unermüdlich” daran arbeiten, “so schnell wie möglich” Klarheit für die Angehörigen zu schaffen.

Die Opferfamilien würden informiert, sobald ein Toter identifiziert sei. Bei dem Zusammenprall zweier Hochgeschwindigkeitszüge am Mittwochmorgen südlich von Madrid in der Region Kastilien-La Mancha waren mindestens 69 Menschen ums Leben gekommen und mehr als hundert weitere verletzt worden. Regionalpräsident Emiliano García-Page sagte am Freitag: “Wir schließen nicht aus, dass es noch mehr Tote gibt.”Die Einsatzkräfte hätten nicht nur “vollständige” Leichen geborgen, sondern auch viele Leichenteile, sagte García-Page. “Für die Identifizierung ist das unglaublich komplex.” Nach Angaben des Regionalpräsidenten wurden am Freitag noch 39 Verletzte in Krankenhäusern behandelt.

Ihre Entwicklung sei “positiv”. Bis Donnerstagabend waren nach Behördenangaben 48 Obduktionen vorgenommen worden. In lediglich fünf Fällen wurden die Angehörigen nach einer Bestätigung der Identität des Toten informiert. Viele Opferangehörige haben DNA-Proben abgegeben und warten in der nahe des Unglücksortes gelegenen Stadt Toledo, wo die Leichname untersucht werden, auf die Ergebnisse der Identifizierung. “Wir tun, was wir können, wir weinen, ich habe meine beiden Söhne bei mir und sie unterstützen mich”, sagte Javier Barrio, dessen Ehefrau unter den mutmaßlichen Todesopfern ist, der Nachrichtenagentur AFP. “Es geht uns sehr schlecht.”Barrios Frau saß in einem der verunglückten Züge, sie war auf ihrer letzten Dienstreise vor ihrer Rente. “Ihr Tod ist noch nicht bestätigt”, sagte Barrios.

Die Chancen, sie noch lebend zu finden, seien aber “verschwindend gering”. Derweil arbeiten Helfer an der Unfallstelle weiter mit schwerem Gerät, um die entgleisten Waggons der beiden Züge zu bergen und nach möglichen weiteren Opfern zu suchen. Ein Hochgeschwindigkeitszug der spanischen Staatsbahn Renfe war am Mittwochmorgen nach einem Ausfall des automatischen Leitsystems auf einen stehenden Hochgeschwindigkeitszug des privaten Anbieters Iryo geprallt.

Die Leitstelle hatte dem zunächst gestoppten Renfe-Zug die Erlaubnis zur Weiterfahrt mit normaler Geschwindigkeit gegeben, obwohl der 25 Kilometer entfernte Iryo-Zug seine Fahrt nicht wieder aufgenommen hatte. Warum dies passierte, ist noch unklar. Die spanische Regierung geht von menschlichem Versagen aus. Laut ersten Ermittlungsergebnissen war der Renfe-Zug “geschätzt zwischen 160 und 200 Stundenkilometern” schnell, als er auf den anderen Zug aufprallte.

Näheres soll eine genaue Auswertung der inzwischen von den Ermittlern am Unfallort geborgenen Fahrtenschreibern ergeben. Der Zusammenstoß war bereits das zweite schwere Zugunglück in Spanien in diesem Jahr. Im Januar waren auf derselben Trasse zwischen Madrid und Sevilla 46 Menschen bei der Kollision zweier Hochgeschwindigkeitszüge ums Leben gekommen. Nach dem erneuten Unglück fordern viele Spanier Aufklärung und stellen die Sicherheit des Bahnnetzes in Frage.

Einen Monat vor den vorgezogenen Neuwahlen vom 29. November stehen Ministerpräsident Sánchez und seine linke Minderheitsregierung unter massivem Druck. Verkehrsminister Óscar Puente lehnte am Freitag einen Rücktritt ab. “Meine Pflicht ist es, das Problem zu lösen und Erklärungen zu geben”, sagte er.

Fri, 30 Oct 2026 13:52:17 GMT

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