“Kampagne gegen die SPD” und keine Kraft mehr für Politik: Bärbel Bas hat sich erstmals seit ihrem Rücktritt als Bundesarbeitsministerin und SPD-Ko-Vorsitzende über die Gründe geäußert. In der am Montag veröffentlichten ARD-Sendung “Konfrontation: Markus Feldenkirchen trifft Bärbel Bas” spricht die SPD-Politikerin offen sowohl über die persönlichen als auch die politischen Beweggründe für ihren Rückzug. Über ihr persönliches Befinden während der letzten Wochen sagte Bas: “Es ist schon manchmal schwer, morgens überhaupt aufzustehen, wenn man sich fragt: Wofür?” Zu den politischen Hintergründen ihres Rücktritts berichtete die ehemalige Ministerin von nicht eingehaltenen Absprachen, etwa bei der von ihr eingeleiteten Rentenreform. Die Spitzen der Koalition einschließlich Kanzler Friedrich Merz (CDU) hätten beschlossen, dass ein Entwurf für die Reform auf keinen Fall vor den Landtagswahlen Ende September vorgelegt werde: “Das war die Absprache”, sagte Bas. “Und das wussten auch alle, dass das im Oktober kommt, das Paket.” Und trotzdem sei “jeden Tag” gesagt worden: “Sie legt nichts vor, sie hätte das schon im Sommer machen sollen.”Sie habe Merz gegenüber die Angriffe “von Seiten der verschiedenen Unionskollegen” angesprochen und ihm gesagt: “Das werde ich mir auch nicht mehr lange gefallen lassen.” Besonders hart kritisierte sie den CDU-Abgeordneten Christian von Stetten, der in Interviews Bas’ Ablösung gefordert hatte. “Sowas sagt man nicht als Koalitionspartner über eine eigene Ministerin.
Da merkt man: Da wurde eine Kampagne gefahren, die am Ende heißt: Die SPD blockiert.”Bas betonte aber, dass sie auch unabhängig von der öffentlichen Kritik aus persönlichen Gründen “wahrscheinlich” zurückgetreten wäre. Sie und ihre Ende September an einer Krebserkrankung verstorbene Stieftochter hätten “eine sehr enge Beziehung” gehabt. Die Begleitung ihrer Stieftochter im Hospiz habe “ziemlich viel Kraft abgesaugt.
Und ich hatte den Kopf nicht frei für Dienstliches, für Politisches”. Für viele sei ihr Rücktritt überraschend gewesen, sagte die 58-Jährige: “Für mich nicht ganz so überraschend, weil ich schon im Laufe des Septembers merkte, dass mir die Kraft ausgeht.” Um wieder aus ihrem psychischen Loch herauszukommen, brauche sie Zeit, die ihr aber in ihren politisch herausragenden Ämtern keiner gebe.
Bundeskanzler Merz habe sie vor dem Tod ihrer Stieftochter über ihre private Lage informiert: “Er hat mir signalisiert, ich soll mir die Zeit nehmen, die ich brauche.” Nach ihrer Beschwerde beim Kanzler über die Angriffe aus der CDU habe Merz ihr versichert, sich darum zu kümmern. “Es hat aber keinen Anklang gefunden.”Die frühere SPD-Ko-Chefin beklagte auch mangelnde Rückendeckung aus der SPD: “Es waren ja beide Seiten.
Auch aus meiner Partei hätte ich mir manchmal mehr Unterstützung gewünscht.” Kritik aus den eigenen Reihen habe es bereits über die Sommerpause gegeben. Bas’ Vorschlag, die sogenannte Rente mit 63 abzuschaffen, war auch aus der SPD hart kritisiert worden. Auf die Frage nach dem größten Versäumnis der SPD beschrieb Bas, dass die Partei ihre Positionen oft inhaltlich nicht richtig geklärt und sich zu oft mit Nebenthemen beschäftigt habe.
Hätte sie das Ausmaß des durch ihre Kritik an der Union ausgelösten Koalitionsstreits vorhergesehen, hätte Bas nach eigener Aussage darauf in ihrer Rücktrittserklärung verzichtet. Bas appellierte an die Koalition: “Ihr müsst besser miteinander umgehen. Sonst wird das nix.”
Mon, 02 Nov 2026 10:10:37 GMT
