UN-Bericht: Hilfsgelder für Klimaanpassung bleiben weit hinter dem Bedarf zurück

Mit der Veröffentlichung eines UN-Berichts zu fehlenden Mitteln bei der Anpassung an die fortschreitende Erderwärmung zeichnet sich ein zähes Ringen um Hilfsgelder bei der bevorstehenden Weltklimakonferenz in Antalya ab. Angesichts der sich verschärfenden Erderhitzungskrise müssten die Hilfsgelder für die Klimaanpassung ärmerer Länder in den kommenden Jahren nahezu verzehnfacht werden, heißt es in dem Bericht, den das UN-Umweltprogramm (Unep) am Mittwoch veröffentlichte.

Bis 2035 müsse die internationale Klimaanpassungsfinanzierung auf 305 Milliarden Dollar (273 Milliarden Euro) jährlich steigen, legt der jährliche sogenannten Adaptation Gap Report dar. Vergangenes Jahr stellten die reichen Industriestaaten aber gerade einmal etwa ein Drittel dieser Summe bereit. Dieses Jahr machten Extremwetterereignisse wie die Hitzewellen in Europa und der tödlichen Gletscherabbruch in Nepal noch einmal deutlich, wie groß die Bedrohung durch die Erderwärmung ist.

Dennoch sei die internationale Gemeinschaft “nicht bereit, sich an die gegenwärtigen klimatischen Bedingungen anzupassen”, kritisierte Unep-Direktorin Inger Andersen. Und durch die weiter fortschreitende Erderwärmung werde der Bedarf weiter wachsen. Die mangelhafte Klimafinanzierung wird voraussichtlich ein zentraler Streitpunkt bei der bevorstehenden UN-Klimakonferenz im türkischen Antalya (COP31) sein.

Gemäß der Vereinbarungen im Rahmen der UN-Klimaverhandlungen müssen die reichen Industriestaaten als Hauptverursacher der Erderwärmung die Entwicklungsstaaten bei der Klimaanpassung finanziell unterstützen. Anpassungsmaßnahmen sind beispielsweise der Bau von Dämmen gegen Überflutungen, der Anbau von weniger Dürre-anfälligen Nutzpflanzen oder der Bau von Häusern, die weniger von den Folgen des Klimawandels bedroht sind.

UN-Generalsekretär António Guterres erklärte, der nun vorgelegte Unep-Bericht offenbare “einen erschreckenden Fehlbetrag”. “Für jeden Dollar, den Entwicklungsländer für Anpassungsmaßnahmen benötigen, erhalten sie nur zehn Cent”, führte er aus. “Wir wissen, wer am stärksten gefährdet ist. Wir wissen, was funktioniert. Was fehlt, ist das Geld – und der politische Wille”, kritisierte Guterres.

Die Welt stehe vor einer “einfachen Wahl: Heute in Anpassung investieren oder morgen für Katastrophen bezahlen.”Laut Unep haben die Industriestaaten 2024 zwischen 28,2 Milliarden und 31,7 Milliarden Dollar an Anpassungshilfen bereitgestellt. Dies sei nur eine kleine Steigerung im Vergleich zum Vorjahr. Damit seien die reichen Staaten aber nicht auf Kurs hinsichtlich ihrer Zusage bei der UN-Klimakonferenz 2021 in Glasgow, die Anpassungfinanzierung bis 2025 auf 40 Milliarden Dollar jährlich zu verdoppeln.

Bei der COP30 im vergangenen Jahr in Brasilien enthielt die Abschlussvereinbarung zudem den Aufruf, die Anpassungsfinanzierung bis 2035 im Vergleich zu 2019 zu verdreifachen. Laut Unep würde dies je nach Interpretation der COP30-Entscheidung 85 bis 120 Milliarden Dollar pro Jahr bedeuten. Dies seien allerdings nur 20 bis 29 Prozent von der Summe, die tatsächlich zur Anpassung an die sich intensivierende Klimakrise notwendig sei, kritisierte das UN-Umweltprogramm.

Kritik kam auch von Umwelt- und Entwicklungsorganisationen. “Der Bericht ist der traurige Beweis dafür, dass die Industriestaaten als Hauptverursacher der Klimakrise den Globalen Süden mit den Folgen im Stich lassen”, erklärte Sabine Minninger von Brot für die Welt. Greenpeace-Klima-Experte Jannes Stoppel erklärte, es sei “zutiefst ungerecht, dass die Länder, die am wenigsten zur Klimakrise beigetragen haben, die Hauptlast der Klimazerstörung tragen – ohne die Mittel zu haben, den Folgen entgegenzuwirken”.

Wie Stoppel sieht auch die WWF-Klima-Expertin Fentje Jacobsen die Bundesregierung in der Pflicht: Diese müsse “in den aktuellen Haushaltsverhandlungen ausreichend Mittel bereitstellen: für Klimaschutz und Anpassung, hierzulande und weltweit”. Vor zwei Wochen hatte das Unep in einem Bericht darauf hingewiesen, dass die internationale Gemeinschaft auch beim Klimaschutz “gefährlich weit” von ihren Zielen entfernt ist.

Statt die Erderwärmung in diesem Jahrhundert wie im Pariser Klimaabkommen vorgesehen auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen, steuert die Erde demnach derzeit auf eine gefährlich Erwärmung um 2,6 bis 2,8 Grad bis zum Jahr 2100 zu.

Wed, 04 Nov 2026 14:47:28 GMT

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