Protesttag in Frankreich: Schulblockaden und gestörter Bahnverkehr

Zum Auftakt eines neuen Protesttags in Frankreich haben Oberstufenschülerinnen und -schüler in mehreren Städten erneut Barrikaden aus Mülltonnen vor ihren Schulen errichtet. In mehreren Fällen griff die Polizei ein, um die Blockaden aufzulösen. In Paris setzten die Sicherheitskräfte Tränengas ein. Infolge des Streikaufrufs zahlreicher Gewerkschaften kam es im Regionalverkehr zu Verspätungen und Zugausfällen. “Wir protestieren weiter, weil man uns immer noch nicht zuhört”, sagte die 15 Jahre alte Schülerin Luce aus Straßburg. “In anderen Ländern sind die Schultage viel kürzer, und das funktioniert auch”, sagte sie mit Blick auf die im internationalen Vergleich sehr langen Schultage in Frankreich.

Die 17 Jahre alte Luna beklagte, dass es in der Schule “viel zu kalt” sei und die Heizung nicht funktioniere. Im Laufe des Tages werden landesweit zahlreiche Demonstrationen erwartet. In mehreren Fällen hatten die Behörden Kundgebungen in den Innenstädten verboten, um Plünderungen von Geschäften zu verhindern. An den vergangenen Wochenenden waren bei Ausschreitungen rund 3000 Geschäfte beschädigt und geplündert worden. In Toulouse wollen die Gewerkschaften ungeachtet des Verbots durch die Innenstadt ziehen.

In Paris genehmigten die Behörden eine klassische Demonstrationsstrecke zwischen Bastille und Nation, nicht aber durch das Stadtzentrum. Entlang der Demonstrationsstrecke hatten zahlreiche Geschäfte ihre Schaufenster mit Spanplatten vernagelt. Die Behörden rechnen mit bis zu 80.000 Demonstranten in Paris und mit bis zu 700.000 weiteren Protestteilnehmern in zahlreichen weiteren Städten. Die Gewerkschaften protestieren vor allem gegen die Sparpläne der Regierung und fordern höhere Löhne und Gehälter. “Wir wollen von unserer Arbeit vernünftig leben können”, sagte die CFDT-Gewerkschaftschefin Marylise Léon am Donnerstag dem Sender BFM. Innenminister Laurent Nuñez hatte kürzlich eingeräumt, dass die Sicherheitskräfte am 17.

Oktober – dem Tag der bislang schlimmsten Ausschreitungen – überfordert gewesen seien. Es habe eine “bislang nicht dagewesene Mischung” verschiedener Gruppen gegeben, darunter Gewerkschaften, Gelbwesten, linksradikale Randalierer, Kriminelle und junge Plünderer. Eine Änderung der Strategie oder eine reduzierte Bewaffnung der Sicherheitskräfte lehnte der Minister dennoch ab. “Die Sicherheitskräfte müssen sich verteidigen können, wenn sie angegriffen werden”, betonte er.

Nach seinen Angaben wurden allein am 17. Oktober 22.000 Tränengasgranaten eingesetzt. Dabei waren zahlreiche Menschen schwer verletzt worden. Die Polizeiinspektion ermittelt derzeit in 83 Fällen wegen mutmaßlich illegaler Polizeigewalt. 

Thu, 05 Nov 2026 09:54:44 GMT

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