Papst Leo XIV. ruft bei Messe in Uruguay Katholiken zum Brückenbauen auf

Papst Leo XIV. hat bei seiner ersten Messe während seiner Südamerika-Reise dazu aufgerufen, “Brücken zu bauen” und den Glauben weiterzugeben. Vor rund 40.000 Menschen in der uruguayischen Stadt Paysandú forderte das katholische Kirchenoberhaupt am Samstag dazu auf, Beziehungen zu stärken und “die Freude des Glaubens” zu verbreiten. Bereits am Freitag hatte der Papst für eine allen Menschen zugängliche Gesundheitsversorgung plädiert.”Wir müssen gut darauf vorbereitet sein, allen, die uns danach fragen, die Gründe für unseren Glauben darzulegen”, sagte Leo XIV. den Gläubigen, die sich bei bewölktem Himmel mit Campingstühlen, Regenjacken und Mate-Bechern in einem Park versammelt hatten.

Der Papst würdigte ausdrücklich die uruguayische Tradition, gemeinsam Mate zu trinken. Die Kräuterinfusion “lehrt uns, zu teilen und zusammenzusein, die Bande zu stärken, die uns verbinden und verbrüdern”, sagte er. Sie sei ein “Zeichen der Integration, der Gastfreundschaft und gemeinsamer Werte”. Uruguay gilt als das am stärksten säkular geprägte Land Lateinamerikas.

Laut einer Umfrage von Latinobarómetro aus diesem Jahr bezeichnen sich nur 35 Prozent der Einwohner als katholisch. Schon bei Leos Ankunft am Freitag waren die Menschenmengen im Vergleich zu seinen jüngsten Besuchen in Frankreich und Spanien überschaubar gewesen. In Montevideo war der Papst von Präsident Yamandú Orsi empfangen worden. Anschließend fuhr er mit seinem Papamobil die von tausenden Gläubigen gesäumte Uferpromenade entlang.

Auf dem nur zur Hälfte gefüllten zentralen Platz Plaza Independencia plädierte Leo für ein allgemein zugängliches Gesundheitswesen. Die Gesundheitsversorgung müsse “für alle Menschen verfügbar sein, unabhängig von ihren Mitteln”, sagte er. Seine eigene Behandlung wegen eines Lungentumors im Oktober habe ihn an die vielen Menschen denken lassen, denen die Mittel für eine rechtzeitige Diagnose oder Therapie fehlten.

Ohne die im vergangenen Jahr in Uruguay legalisierte Sterbehilfe ausdrücklich zu erwähnen, forderte Leo zudem, jeder Mensch müsse “in Würde leben, die Pflege erhalten, die er braucht, und bis zum natürlichen Ende seines Lebens begleitet werden”. Auch beklagte er die hohe Suizidrate in Uruguay. Zugleich lobte er die “bemerkenswerten” Fortschritte des Landes bei erneuerbaren Energien.

Leo XIV. absolviert seine Südamerika-Visite nur rund dreieinhalb Wochen, nachdem ihm ein bösartiger Tumor aus der Lunge entfernt worden war. Trotz des Eingriffs hielt der 71-Jährige an seinen Reiseplänen fest. Auf dem Flug nach Uruguay hatte er gesagt, er fühle sich in “recht guter Verfassung”. Für den weiteren Verlauf des Samstags waren in der uruguayischen Hauptstadt Montevideo ein Besuch des von Gewalt geprägten Stadtteils Casavalle sowie ein Termin an der Katholischen Universität vorgesehen.

Anschließend sollte Leo XIV. im Centenario-Stadion eine Gebetswache mit 60.000 Menschen leiten. Die zwölftägige Südamerika-Reise ist mit erheblichen Strapazen verbunden. Mehr als 50 Veranstaltungen sind geplant, darunter Freiluftmessen, Begegnungen mit Indigenen im Amazonasgebiet, älteren Menschen, Armen und Opfern sexuellen Missbrauchs durch Kirchenvertreter. Nach Angaben des Vatikans sind jedoch keine zusätzlichen medizinischen Vorsichtsmaßnahmen vorgesehen.

Am Sonntag will der Papst über die uruguayische Stadt Florida nach Argentinien weiterreisen. Von Mittwochabend bis Montag besucht er schließlich Peru, wo er rund zwei Jahrzehnte als Missionar und Bischof tätig war. In Lima werden bereits T-Shirts, Rosenkränze und Backwaren mit seinem Konterfei angeboten. In Callao wurde eine 14 Meter hohe Leo-Statue errichtet. Für Uruguay und Argentinien ist es der erste Papstbesuch seit fast 40 Jahren.

Johannes Paul II. war 1987 nach Argentinien gereist und hatte ein Jahr später Uruguay besucht. Leos 2025 verstorbener Vorgänger Franziskus hatte während seines Pontifikats dagegen auf einen Besuch in seiner argentinischen Heimat verzichtet.

Sat, 07 Nov 2026 20:19:02 GMT

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