Erster öffentlicher Auftritt von Regisseur Panahi seit Rückkehr in den Iran
Der preisgekrönte iranische Filmemacher Dschafar Panahi ist Medienberichten zufolge erstmals seit seiner Rückkehr in den Iran öffentlich aufgetreten. Panahi nahm am Dienstag in Teheran an der Trauerfeier für den ehemaligen Fußballnationalspieler Hamid Alidoosti teil, wie Bilder zeigten, die von der iranischen Nachrichtenagentur Isna sowie von persischsprachigen Medien mit Sitz im Ausland veröffentlicht wurden.
In der vergangenen Woche hatte Panahis Anwalt mitgeteilt, der Regisseur sei von einem iranischen Gericht zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Panahi nahm an der Trauerfeier mit seiner charakteristischen dunklen Sonnenbrille teil. Ebenfalls anwesend war die Tochter des verstorbenen Fußballspielers und eine der renommiertesten Schauspielerinnen des Landes, Taraneh Alidoosti. Sie trug bei der Beerdigung kein Kopftuch.
Alidoosti hatte die landesweiten Proteste gegen die iranische Staatsführung im Jahr 2022 unterstützt und damals in Onlinediensten ein Bild von sich ohne Kopftuch veröffentlicht. Die landesweiten Proteste unter dem Motto “Frau, Leben, Freiheit” waren durch den Tod der 22-jährigen Mahsa Amini in Polizeigewahrsam ausgelöst worden. Die junge iranische Kurdin war wegen eines angeblichen Verstoßes gegen die Kleiderordnung festgenommen worden.
Bei den monatelangen Protesten wurden hunderte Menschen getötet, darunter auch dutzende Sicherheitskräfte. Panahi war in diesem Jahr trotz des Iran-Kriegs in sein Heimatland zurückgekehrt. Gegen den Regisseur laufen laut Angaben seines Anwalts derzeit drei Verfahren. Erst im Juni hatte ein iranisches Gericht seine Berufung gegen eine einjährige Haftstrafe zurückgewiesen, zu welcher der Regisseur im vergangenen Dezember in Abwesenheit wegen “Propaganda gegen den Staat” verurteilt worden war.
Im Mai 2025 war es Panahi zum ersten Mal seit 15 Jahren gelungen, persönlich beim Filmfestival in Cannes zu erscheinen. Er gewann die Goldene Palme für seinen Film “Ein einfacher Unfall” und war für den Oscar nominiert. 2015 war Panahi bei der Berlinale für seinen Film “Taxi” mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet worden. Panahi saß im Iran bereits im Gefängnis, 2010 knapp drei Monate und 2022 und 2023 etwa sieben Monate lang.
Die iranischen Behörden hatten Panahi zudem jahrelang mit einem Berufs- und Ausreiseverbot belegt.
Tue, 03 Nov 2026 17:42:49 GMT
