Geplanter Überfall in Bochum: 13 Jahre Haft für “Ausbrecherkönig” Ferrara

Wegen eines geplanten Überfalls in Bochum ist der als “Ausbrecherkönig” bekannte Antonio Ferrara in Belgien zu 13 Jahren Haft verurteilt worden. Das Gericht in Brüssel sah es am Donnerstag als erwiesen an, dass Ferrara und seine Komplizen im vergangenen Jahr ein Werttransportunternehmen überfallen wollten und dafür ein Waffenarsenal aus Sturmgewehren und Granaten angelegt hatten.

Sie seien eine “schwere Gefahr” für die Öffentlichkeit. Das Gericht begründete sein Urteil mit dem “professionellen” Vorgehen und “extremer Gewalt” der Angeklagten. Neben Ferrara waren neun Komplizen angeklagt, unter ihnen sein Bruder Massimiliano, der zu neun Jahren Haft verurteilt wurde. Weitere Komplizen müssen zehn und zwölf Jahre ins Gefängnis. Die Staatsanwaltschaft hatte teils längere Haftstrafen gefordert, unter anderem 18 Jahre für Ferrara selbst.

Ferrara und seine Komplizen waren im Februar 2025 im belgischen Eupen nahe der Grenze zu Deutschland festgenommen worden. Nach Angaben der Ermittler stand der Raubüberfall in Bochum damals kurz bevor. Bei der Festnahme kam es zu einer Verfolgungsjagd mit mehreren Autos, ein Polizist und einer der Verdächtigen wurden verletzt. Bei Durchsuchungen fand die Polizei Sturmgewehre, Granaten, Sprengstoff und schusssichere Westen in gestohlenen Wagen, die offenbar für die Tat verwendet werden sollten.

Ferraras DNA-Spuren wurden dem Gericht zufolge unter anderem an einem der Sturmgewehre, einer Sturmhaube und Munition gefunden. Der 53-Jährige hatte die Vorwürfe im Laufe des Prozesses bestritten. Sein Anwalt argumentierte, die DNA-Analysen der Ermittler seien nicht zuverlässig. Das Gericht verwarf diese Argumentation: Es gebe “keinen Grund zum Zweifel” an den Erkenntnissen der Ermittler, sagte der zuständige Richter in Brüssel.

Das Gericht verwies zudem auf “schwankende und wechselnde Aussagen” Ferraras, “denen es völlig an Glaubwürdigkeit mangelt”. Ferrara habe unter anderem ausgesagt, er sei zu Karneval nach Eupen gefahren. An anderer Stelle argumentierte sein Anwalt wiederum, sein Mandant und dessen Freunde seien zum Kauf von Autos in Belgien gewesen. Das Gericht sah es außerdem als erwiesen an, dass einige der Angeklagten den geplanten Tatort bereits ausgekundschaftet hatten.

Einer von Ferraras Komplizen habe außerdem im Internet nach den Stichworten “Raubüberfall in Deutschland” gesucht. Während der Urteilsverkündung verschwand Ferrara kurzzeitig mit den Worten “Ich haue ab” aus dem Gerichtssaal, wohl um auf die Toilette zu gehen. Einige Minuten später tauchte der “Ausbrecherkönig” wieder auf. Die gesamte Gerichtsverhandlung war von wiederholten Diskussionen über Verfahrensfragen und Beschwerden der Verteidigung geprägt und wurde über den Sommer hinaus verlängert.

Das Urteil sollte eigentlich schon vor knapp zwei Wochen ergehen, wurde aber ohne Begründung erneut verschoben. Ferrara, ein in Italien geborener Franzose, ist in Frankreich als “Ausbrecherkönig” bekannt. Nach Urteilen wegen mehrerer Raubüberfälle und versuchten Mordes brach er dort zweimal aus dem Gefängnis aus, unter anderem sprengte er im Jahr 2003 in Frankreich die Gitter seiner Zelle in einem Gefängnis im Großraum Paris. 2022 war er nach Absitzen seiner früheren Haftstrafen entlassen worden.

Thu, 05 Nov 2026 16:02:04 GMT

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