Nach den jüngsten ukrainischen Angriffen haben die Behörden auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim den Ausnahmezustand ausgerufen. “Es ist eine Entscheidung getroffen worden … Dekrete zu unterzeichnen, mit denen der Ausnahmezustand auf regionaler Ebene in der Republik Krim und der Stadt Sewastopol erklärt wird”, teilte der von Russland eingesetzte Gouverneur Sergej Aksjonow am Freitag im Onlinedienst Telegram mit.
Es ist das erste Mal seit Beginn von Russlands Ukraine-Offensive, dass die Krim derartigen Energieengpässen ausgesetzt ist. Der Ausnahmezustand ermögliche es, “Fragen im Zusammenhang mit der Aufrechterhaltung des Betriebs aller wesentlichen Sektoren mit größtmöglicher Schnelligkeit zu regeln”, schrieb Aksjonow. Der Schritt soll die Freigabe weiterer Mittel ermöglichen und sieht theoretisch auch die Möglichkeit vor, Beschränkungen für die Bevölkerung vor Ort zu verhängen.
Am Vortag hatte Aksjonow Stromabschaltungen auf der Halbinsel angekündigt, um den durch die ukrainischen Angriffe verursachten Engpässen entgegenzuwirken. Aksjonow erklärte am Donnerstag, die Krim stehe vor einer “schwierigen Zeit”, die Treibstoffsituation sei am schwierigsten. “Ich kann weder genau sagen, wie lange es dauern wird, noch kann ich den konkreten Aktionsplan öffentlich bekanntgeben.
Wir ergreifen jedoch Maßnahmen”, erklärte der von Russland eingesetzte Gouverneur. Die Ukraine greift seit mehreren Wochen Infrastruktur und Tanklaster an, welche die Krim versorgen, um Energieengpässe zu verursachen. In der Folge wurden der Verkauf von Treibstoff eingestellt, Stromabschaltungen verhängt, aber auch Sommerlager abgesagt. Die Krim ist trotz des Krieges, in dessen Verlauf zehntausende Menschen getötet und weitreichende Zerstörungen angerichtet wurden, ein beliebtes Urlaubsziel der Russen.
Aksjonow erklärte weiter, die russische Armee sei nicht in der Lage, die Halbinsel vollständig zu schützen. “Leider … gibt es keine Luftabwehrsysteme auf der Welt, die hinsichtlich Sicherheit und Wirksamkeit absolut perfekt sind”, fuhr er fort. In der Nacht zum Freitag schoss die russische Luftabwehr nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums 660 ukrainische Drohnen ab, die unter anderem Ziele auf der Krim und in der Region Moskau ansteuerten.
Die Zahl ist eine der höchsten seit Beginn des Konflikts vor mehr als vier Jahren. Der ukrainische Geheimdienst SBU erklärte am Freitag, zwei russische Schiffe zur logistischen Unterstützung der Armee sowie Luftabwehrsysteme in der zur Krim gehörenden Region Kertsch angegriffen zu haben. “Die Zerstörung der Luftabwehrsysteme ebnet den Weg für weitere Präzisionsschläge, während die Ausschaltung der Hafeninfrastruktur die Fähigkeit der Besatzer beeinträchtigt, ihre Truppen zu versorgen”, erklärte der SBU.
Russland hatte die Krim 2014 annektiert und nach einem international nicht anerkannten Referendum in sein Staatsgebiet eingegliedert. Selbst viele von Russlands Verbündeten erkennen den Schritt nicht an. Das Gebiet am Schwarzen Meer ist für Russlands Präsident Wladimir Putin von besonderer Bedeutung, auf der Halbinsel befinden sich mehrere russische Militärstützpunkte. Die Ukraine betrachtet die Krim als unveräußerlichen Teil ihres Staatsgebiets.
Russland überzieht die Ukraine seit mehr als vier Jahren nahezu täglich mit Luftangriffen. Zuletzt hatte die ukrainische Armee ihre Gegenangriffe verstärkt. Sie greift nach Angaben Kiews neben militärischen Zielen vor allem die russische Öl- und Energieinfrastruktur an, um Russlands Kriegskasse zu schwächen. Unterdessen tauschten Russland und die Ukraine nach Angaben aus Moskau erneut Kriegsgefangene aus.
Das russische Verteidigungsministerium erklärte, 160 russische Soldaten seien im Austausch für 160 ukrainische Kriegsgefangene zurückgekehrt.
Fri, 26 Jun 2026 12:25:06 GMT
