Hongkonger Gericht verurteilt Demokratie-Aktivisten Jimmy Lai zu 20 Jahren Haft
Ein weiterer Rückschlag für die Pressefreiheit in Hongkong: Ein Gericht in der chinesischen Sonderverwaltungszone hat den Demokratie-Aktivisten und Verleger Jimmy Lai zu einer Haftstrafe von 20 Jahren verurteilt. Lai habe zwei Jahre bereits abgesessen und werde 18 weitere Jahre verbüßen müssen, urteilten die Richter am Montag. Menschenrechtsgruppen und die Familie des 78-Jährigen verurteilten das hohe Strafmaß.
Das Gericht habe seine Entscheidung “nach Abwägung des schwerwiegenden und gravierenden kriminellen Verhaltens von Lai” getroffen, hieß es in dem Urteil. Lai saß teilnahmslos auf der Anklagebank, als sein Urteil verlesen wurde, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Als er abgeführt wurde, winkte der Medienmogul Anhängern auf der Zuschauertribüne zu, darunter seiner Ehefrau Teresa und ehemaligen Mitarbeitern seiner Zeitung Apple Daily.
Lai, der auch die britische Staatsbürgerschaft besitzt, war im Dezember vergangenen Jahres der “Kollaboration mit ausländischen Kräften” und des “Aufruhrs” für schuldig befunden worden. Die Staatsanwaltschaft warf Lai vor, der Drahtzieher hinter zwei mutmaßlichen Verschwörungen gewesen zu sein. Dabei seien ausländische Mächte aufgerufen worden, Maßnahmen gegen Hongkong oder China zu ergreifen.
Menschenrechtsorganisationen verurteilten die langjährige Haftstrafe. Es sei “praktisch eine Todesstrafe”, erklärte die Leiterin der Asien-Abteilung von Human Rights Watch, Elaine Pearson. “Eine Strafe dieser Größenordnung ist sowohl grausam als auch zutiefst ungerecht”, fügte sie hinzu. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International bezeichnete den Fall als “einen weiteren düsteren Meilenstein in Hongkongs Wandel von einer Stadt, die durch Rechtsstaatlichkeit regiert wird, zu einer Stadt, die durch Angst regiert wird”.
Die Familie des Demokratie-Aktivisten zeigte sich ebenfalls entrüstet über das Urteil. “Meinen Vater zu dieser drakonischen Haftstrafe zu verurteilen, ist verheerend für unsere Familie und lebensbedrohlich für meinen Vater”, erklärte Lais Sohn Sebastien. Lais Tochter Claire sprach angesichts des sich verschlechternden Gesundheitszustands ihres Vaters von einer “herzzerreißend grausamen Strafe”.
Sollte sie vollstreckt werden, “wird er als Märtyrer hinter Gittern sterben”. Die britische Regierung sowie US-Präsident Donald Trump haben die Freilassung Lais gefordert. Seine Unterstützer äußerten zuletzt zudem Besorgnis über seinen Gesundheitszustand. Seine Tochter Claire sagte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, ihr an Diabetes erkrankter Vater habe “erheblich an Gewicht verloren”.
Zudem wiesen seine Zähne und Nägel Zeichen von Verfall auf. Lai ist einer der bekanntesten Aktivisten der Hongkonger Demokratiebewegung, die von den Behörden mit massivem Druck inzwischen de facto zum Erliegen gebracht worden ist. Das Urteil gegen ihn stützt sich auf das 2020 nach den Massenprotesten in Hongkong von der Regierung in Peking durchgesetzte Sicherheitsgesetz. Der Gründer der Zeitung “Apple Daily” sitzt bereits seit Ende 2020 in Haft.
Der Prozess gegen ihn hatte im Dezember 2023 begonnen.
Mon, 09 Feb 2026 03:43:49 GMT
