Manche hatten all’ ihre Habe verkauft, um ihr Leben auf einem Kreuzfahrtschiff zu verbringen – jetzt sind mehr als 200 Kreuzfahrtpassagiere in Kambodscha gestrandet. Die Betreiber der “Odyssey” hätten den Gästen nur sieben Stunden Zeit gegeben, um ihre Sachen zu packen und das Schiff im Hafen von Sihanoukville zu verlassen, schilderte der stellvertretende Provinzgouverneur Long Dimanche am Mittwoch.
Damit seien nun zahlreiche Rentner “tausende Meilen von ihren Heimatländern entfernt obdachlos zurückgelassen worden”, beklagte Dimanche. Insgesamt waren nach seinen Worten 203 Passagiere und 156 Besatzungsmitglieder an Bord des Kreuzfahrtschiffs, das nach einem mehrtägigen Stopp in Kambodscha eigentlich nach Vietnam hätte weiterfahren sollen. Der Kreuzfahrtveranstalter Villa Vie Residences hatte am Dienstag überraschend mitgeteilt, es habe seine “Aktivitäten in Kambodscha eingestellt”, nachdem die Dieselpreise infolge des Iran-Kriegs extrem gestiegen seien.
Die “Odyssey” war im Oktober 2024 von Nordirland aus zu einer Kreuzfahrt rund um die Welt aufgebrochen, die den Versprechungen zufolge unbegrenzt andauern sollte. Gäste konnten Kabinen für Ferientouren oder auf Lebenszeit mieten oder kaufen. Manche verlegten daraufhin ihren Lebensmittelpunkt dauerhaft auf das Schiff. Der Passagier Randy Cassingham schrieb in seinem Kreuzfahrt-Blog, der Aufforderung zum Verlassen des Schiffs sei eine “Kaskade von Problemen” vorausgegangen.
Schon der Start zu der Langzeit-Kreuzfahrt vor zwei Jahren in Belfast habe sich um vier Monate verzögert. Das Schiff habe nie seine maximale Auslastung von 650 zahlenden Gästen erreicht, stattdessen seien maximal 350 Passagiere an Bord gewesen. Zuletzt habe das Unternehmen die Bewohner regelrecht “um Geld angebettelt”. Villa Vie zufolge stiegen die monatlichen Treibstoffkosten von zunächst durchschnittlich umgerechnet 1600 Euro auf zuletzt zwischen 5400 und 7200 Euro pro Kabine. “Das Unternehmen kann Preissteigerungen in dieser Größenordnung nicht einfach an die Bewohner weitergeben”, erklärte die Reederei.
Das “derzeitige Betriebsmodell” sei damit unter “nicht tragbaren finanziellen Druck geraten”. Passagier Cassingham warf dem Unternehmen vor, es tue “absolut nichts” um den gestrandeten Passagieren zu helfen. Die Reederei selbst sprach von einer “schwierigen und beunruhigenden Zeit für Bewohner, Crewmitglieder und Beschäftigte” des Schiffs. Es werde daran gearbeitet, den Betroffenen zu helfen, “während sich die Pläne entwickeln”.
Wed, 28 Oct 2026 09:14:24 GMT
