Mehr als 3300 Erdbebenopfer in Venezuela – Nicht identifizierte Opfer bestattet

Nach dem verheerenden Doppel-Erdbeben in Venezuela hat sich die Zahl der Todesopfer auf mehr als 3300 erhöht. Mindestens 3342 Menschen seien bei dem Unglück am 24. Juni ums Leben gekommen, teilte die venezolanische Regierung am Sonntag mit. Die Behörden begannen unterdessen mit der Beisetzung von nicht identifizierten Opfern. Den Angaben zufolge wurden zudem mehr als 16.700 Menschen verletzt.

Zur Zahl der noch Vermissten machte die Regierung des südamerikanischen Landes keine Angaben. Sie hat es bisher vermieden, sich dazu zu äußern. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen könnte die Zahl der Vermissten bei bis zu 50.000 liegen, andere Schätzungen gehen eher von rund 10.000 aus. Viele Familien suchen in den Trümmern immer noch nach Angehörigen.”Ich weiß nicht mehr, welcher Tag heute ist.

Du wirst verrückt, aber ich gehe hier nicht weg, weil ich weiß, dass er hier ist”, sagte Zuly, die im Bezirk Catia la Mar nach ihrem Sohn suchte. Durch den kompletten Einsturz von fast 200 Häusern wurden mehr als 17.000 Menschen obdachlos, die meisten von ihnen in der Küstenstadt La Guaira, wie die Regierung mitteilte. Viele von ihnen leben auf der Straße oder haben Zuflucht in Parks gesucht. Auf einem Friedhof in La Guaira wurden am Sonntag die Leichen von 159 nicht identifizierten Erdbebenopfern in zwei langen Reihen beigesetzt, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten.

Unter schlichten weißen Kreuzen lagen kleine Blumensträuße, jedes trägt dasselbe Todesdatum: 24. Juni 2026. In einem anderen Bereich des Friedhofs sahen die Reporter die Gräber von 95 identifizierten Todesopfern. Die Gräber seien durchnummeriert und mit einem Code versehen, erzählte der Anwohner Eli Zavala. Die nicht identifizierten Opfer seien vor der Beerdigung fotografiert worden, damit ihre Angehörigen sie auch später noch “mithilfe des Porträts” finden könnten.    Elf Tage nach den Erdbeben beendeten die internationalen Rettungsteams ihre Suche nach Überlebenden.

Familien versuchten derweil weiterhin, die Leichen ihrer Angehörigen aus den Trümmern zu bergen. “Ab einem gewissen Augenblick beginnen die Leichen, verschiedene Flüssigkeiten und spezifische Gase freizusetzen, die für Lebende äußerst schädlich sind”, sagte Diego Asunção, Hauptmann der brasilianischen Militärfeuerwehr. “Die meisten Leichen, die wir gefunden haben, befinden sich in einem fortgeschrittenen Stadium der Verwesung.”Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez versicherte, dass es infolge der Beben nicht zu Unruhen kommen werde. “Es wird keine Unruhen geben, was wir hier haben, ist tiefe gesellschaftliche Solidarität”, sagte Rodríguez am Sonntag bei einer Militärzeremonie anlässlich des Unabhängigkeitstags des Landes. Viele Venezolaner hatten die langsame Reaktion der Regierung, das späte Eintreffen der Hilfsteams nach den Beben und zuletzt die langsame Bergung der Toten scharf kritisiert.

Rodríguez verteidigte die Maßnahmen und erklärte, dass tausende Beamte und Rettungskräfte entsandt worden seien, um bei der Bergung der Opfer und der Suche nach Überlebenden zu helfen. Am 24. Juni hatten kurz hintereinander zwei starke Erdbeben den Norden Venezuelas erschüttert. Am schwersten betroffen war der nördlich der Hauptstadt Caracas gelegene Bundesstaat La Guaira, in dem die gleichnamige Hafenstadt liegt.

Mon, 06 Jul 2026 13:36:40 GMT

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