Missbrauchsverdacht: 16 Festnahmen an Pariser Grundschule
Wegen des Verdachts auf körperliche oder sexuelle Gewalt hat die Polizei 16 Beschäftigte einer Pariser Grundschule festgenommen. Einige von ihnen seien bereits zuvor vom Dienst suspendiert gewesen, andere nicht, teilte die Staatsanwaltschaft am Mittwoch mit. Die öffentliche Schule Saint-Dominique hatte im Zentrum eines Ende Januar veröffentlichten Dokumentarfilms gestanden, der den Skandal um sexuelle Gewalt in der städtischen Nachmittagsbetreuung in Paris ins Rollen gebracht hatte. Anschließend meldeten sich zahlreiche Eltern, deren Kinder über unangemessenes Verhalten von Hort-Betreuern klagten. “Er hat mir seine Hand in den Po gesteckt”, hatte ein drei Jahre altes Mädchen ihrer Mutter erzählt.
In Frankreich besteht Schulpflicht für Kinder ab drei Jahren. Die Mutter berichtete der Nachrichtenagentur AFP von einem “Klima der Angst” in der Nachmittagsbetreuung. Die Betreuer hätten den Kindern gedroht, ihre Eltern zu töten, wenn sie von den Übergriffen erzählen würden. Die Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt derzeit nach eigenen Angaben wegen Gewalt unterschiedlicher Intensität an 84 Vorschulen, etwa 20 Grundschulen und zehn Kindertagesstätten.
In drei Fällen ermitteln Untersuchungsrichter, fünf Betreuer wurden bereits vor Gericht vorgeladen. In einem ersten Verfahren zu sexuellem Missbrauch, das unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden hatte, hatte die Staatsanwaltschaft Anfang Mai eine 18-monatige Bewährungsstrafe für einen 47-Jährigen gefordert. Der ehemalige Betreuer ist in neun Fällen der sexuellen Belästigung und in drei Fällen sexueller Übergriffe angeklagt.
Die betroffenen Mädchen waren zum Zeitpunkt der mutmaßlichen Vergehen jeweils zehn Jahre alt. Der Pariser Bürgermeister Emmanuel Grégoire hatte den Kampf gegen sexuellen Missbrauch in der städtischen Nachmittagsbetreuung zur Priorität erklärt. Der Stadtrat verabschiedete einen Aktionsplan, der 20 Millionen Euro umfasst – etwa für eine zweitägige Mindestausbildung der Betreuer. In Paris sind seit Beginn des Jahres 78 Mitarbeiter der Nachmittagsbetreuung für Grundschulkinder suspendiert worden, unter ihnen 31 wegen des Verdachts auf sexuelle Übergriffe. Die etwa 14.000 Betreuerinnen und Betreuer sind in den meisten Fällen auf Honorarbasis angestellt.
Für die Stellen ist keine spezielle Ausbildung erforderlich.
Wed, 20 May 2026 13:02:20 GMT
