Multinationale Ukraine-Truppe: 2800 Soldaten üben in Polen für Einsatz nach Waffenruhe

Die geplante multinationale Ukraine-Truppe hält ab dem 9. November ihre erste gemeinsame Übung in Polen ab. Das Manöver “Koalicja” (Polnisch für “Koalition”) mit rund 2800 Soldaten aus zehn europäischen Ländern, darunter Deutschland, dauert bis zum 22. November, wie Frankreich und Großbritannien am Dienstag mitteilten. Ein Einsatz der Truppe in der Ukraine ist nach einer vereinbarten Waffenruhe vorgesehen.

Die Übung mit Luft- und Bodeneinsätzen findet bei Nowa Deba im Südosten Polens statt, rund hundert Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Frankreich stellt mit 1100 Soldaten das größte Kontingent. Großbritannien entsendet 300 Soldaten, darunter Angehörige der 7. Brigade “Desert Rats”, sowie Typhoon-Kampfflugzeuge. Deutschland beteiligt sich mit einer Zahl von Soldaten im niedrigen zweistelligen Bereich, wie ein Sprecher des Operativen Führungskommandos der Bundeswehr der Nachrichtenagentur AFP mitteilte.

Dabei handele es sich um Stabspersonal, das während der Übung in den militärischen Hauptquartieren verschiedene Aufgaben wahrnehme, sowie um fliegende Einheiten. Die Luftwaffe leiste mit einem Transportflugzeug A400M Unterstützung bei der Luftbetankung. Die Übung findet in Polen, über Rumänien und im westlichen Schwarzen Meer statt, wie der Sprecher des Operativen Führungskommandos weiter mitteilte.

Eine deutsche Truppenverlegung sei nicht Bestandteil des Übungsbeitrags, betonte er. Über die “Drehscheibe Deutschland” unterstütze die Bundeswehr die Streitkräfte ihrer Partner “auf dem Marsch durch Deutschland mit der Bereitstellung von logistischen Leistungen”. Die Multinationale Truppe für die Ukraine (MNF-U) ist keine Nato-Mission und hat keinen offensiven Auftrag.

Sie soll die ukrainischen Streitkräfte stärken, den ukrainischen Luftraum absichern und die Wiederaufnahme wirtschaftlicher Aktivitäten im Schwarzen Meer ermöglichen. Ob und wann sie tatsächlich eingesetzt wird, bleibt angesichts der anhaltenden Kämpfe in der Ukraine offen. Die Übung soll zeigen, wie schnell die Streitkräfte mehrerer Staaten gemeinsam verlegt werden können. Zum Einsatz kommt nach Angaben der Organisatoren voraussichtlich nur leichtes Gerät, darunter Drohnen für Übungen zur Drohnenabwehr und Selbstverteidigung.

Panzer sind nicht vorgesehen. Die 2026 aufgestellte Truppe hat bereits ein Hauptquartier in Paris. Der britische Generalleutnant Tom Bateman betonte, bei der MNF-U handele es sich weder um eine Friedenstruppe noch um eine Mission zur Überwachung einer Waffenruhe. Sie solle vielmehr die ukrainischen Streitkräfte stärken, damit diese künftige russische Angriffe abschrecken und sich notfalls dagegen verteidigen könnten.

Für den Fall eines russischen Angriffs auf die multinationale Truppe werden nach Angaben westlicher Vertreter Einsatzregeln zur Selbstverteidigung erarbeitet. Die Truppe sei bereit, falls nötig zu reagieren, sagte ein Vertreter. Er verwies auch auf die Gefahr russischer Desinformation. Der französische General Armel Dirou erklärte, das Manöver sei “keine Machtdemonstration”. Parallel zur Übung in Polen soll die Türkei von Istanbul aus eine maritime Simulation für mögliche Minenräumaktionen im Schwarzen Meer leiten.

Türkische Soldaten beteiligen sich nicht an dem Manöver in Polen. Der britische Verteidigungsminister Wes Streeting erklärte, die multinationale Truppe sei “kein hypothetischer Plan”, sondern eine reale Streitmacht zur Unterstützung der Ukraine nach einem Ende der Kämpfe. Unterdessen meldete Polens Regierungschef Donald Tusk am Dienstag verdächtige Aktivitäten an der Grenze zur russischen Exklave Kaliningrad.

Die Sicherheitskräfte hätten mögliche Provokationsversuche verhindert, sagte Tusk. Ob tatsächlich eine Provokation beabsichtigt gewesen sei, könne aber nicht abschließend bestätigt werden. Die Vorgänge ereigneten sich im Norden Polens, das Manöver ist im Südosten geplant.

Tue, 03 Nov 2026 16:11:59 GMT

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