Nach Erdbeben in Kolumbien läuft den Rettungskräften die Zeit davon
Nach dem Erdbeben in Kolumbien läuft den Einsatzkräften bei der Suche nach Überlebenden die Zeit davon. Am Mittwochnachmittag schloss sich das Zeitfenster der ersten 72 Stunden nach dem Unglück, die für die Bergung von Überlebenden entscheidend sind. In der Nacht gelang es Rettungskräften in Pereira, eine 32-jährige Frau lebend aus Gebäudetrümmern zu retten. Bislang wurden nach Behördenangaben 216 Todesopfer geborgen, die Zahl dürfte aber weiter steigen.
Die 32-jährige Daniela Largo wurde nach ihrer Rettung in eine blaue Decke gehüllt aus den Trümmern getragen. Rettungskräfte umarmten sich und Angehörige brachen vor Freude in Jubel aus. “Wir hatten die Hoffnung schon aufgegeben, als wir einen Anruf bekamen”, sagte Largos Mutter Sandra Milena Pérez. Ein Anwohner hatte demnach Hilferufe unter den Trümmern gehört. Er versammelte seine Nachbarn, um die Trümmer fortzuschaffen, bevor professionelle Einsatzkräfte dazustießen.”Dank ihm sind wir heute glücklich”, sagte die Mutter über den Nachbarn mit Blick auf die Rettung ihrer Tochter. “Zuhause wartet ihr zwölf Jahre alter Sohn auf sie.”Pereira ist die Hauptstadt des Departamento Risaralda und wie auch die Städte Cali, Manizales et Quibdó besonders stark von dem Erdbeben betroffen, das Kolumbien am Montag um 07.34 Uhr (Ortszeit, 14.34 Uhr MESZ) mit einer Stärke von 7,4 erschüttert hatte.
Hunderte Gebäude stürzten ein. Nach Behördenangaben kamen mindestens 216 Menschen ums Leben, mehr als 1600 weitere wurden verletzt. Die kolumbianische Regierung rief am Mittwoch eine dreitägige Staatstrauer aus. Laut Dekret sollen während dieser Zeit die Nationalflagge an allen öffentlichen Gebäuden im Land sowie an den kolumbianischen Auslandsvertretungen auf Halbmast wehen zu “Ehren aller verstorbenen Menschen”.
In Pereira und in Cali setzten Rettungskräfte auf der Suche nach Verschütteten Kräne, Spürhunde und schwere Maschinen ein. Freiwillige bildeten Menschenketten, um die Trümmer von Hand fortzuräumen, in der Hoffnung, verschüttete Menschen zu erreichen. Zu den vielen Verletzten gehört Beatriz Arcos, die eine Stunde lang zwischen Trümmern eingeschlossen war und jetzt unter Rückenschmerzen leidet.
Alles sei “so schnell” gegangen, beschrieb sie das Erdbeben. Ihr Sohn suchte unterdessen in den Haustrümmern nach wichtigen Dokumenten, den Handys der Familie und anderen Wertgegenständen. Viele andere Menschen suchten weiter nach Angehörigen und Freunden. “Meine Tante lebte dort”, sagte vor einem eingestürzten Haus in Pereira der 35-jährige Jorge González, für den sie wie eine Mutter war. “Wir konnten sie nicht hinausziehen, weil es hinten ein Gasleck gab.”Die Menschen im Erdbebengebiet haben außerdem weiter Angst vor Nachbeben und dem Einsturz beschädigter Häuser.
Viele schlafen unter freiem Himmel. “Wir haben alles verloren, aber wir sind am Leben”, sagte der 23-jährige John Tabasco, der mit seiner Frau und seinem sieben Monate alten Sohn in einem Park in Pereira campierte. Der neue kolumbianische Präsident Abelardo de la Espriella sagte am Dienstag bei einem Besuch in Pereira den Menschen, die kein Zuhause mehr haben, finanzielle Hilfen zu. Hinzu kommt die Hilfsbereitschaft vieler Bürger, die bei der Suche nach Verschütteten helfen oder Katastrophenopfer mit Essen versorgen.
Die Europäische Union stellte Kolumbien zwei Millionen Euro als Nothilfe bereit. “Während die Such- und Rettungsarbeiten weitergehen, unterstützt die EU Kolumbien, wo immer es möglich ist”, erklärte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen dazu am Mittwoch im Onlinedienst X. Am Montag hatte Brüssel bereits angekündigt, seinen Satellitendienst Copernicus zur Unterstützung der Rettungsmaßnahmen einzusetzen.
Wed, 12 Aug 2026 12:44:39 GMT
