Österreich: Ex-Geheimdienstmitarbeiter Ott wegen Spionage für Russland verurteilt
Ein ehemaliger hochrangiger österreichischer Geheimdienstmitarbeiter ist wegen Spionage für Russland von einem Wiener Gericht zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Der 63-jährige Egisto Ott wurde am Mittwoch für schuldig befunden, zwischen 2015 und 2022 geheime Informationen weitergeleitet zu haben. Dabei soll er insbesondere im Auftrag des untergetauchten Ex-Wirecard-Chefs Jan Marsalek gehandelt haben.
Das Urteil mit einem Strafmaß von vier Jahren und einem Monat ist laut Gericht noch nicht rechtskräftig, da Ott noch im Verhandlungssaal Berufung einlegte. Ott hatte der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag gesagt, dass er alle Anschuldigungen zurückweise und unschuldig sei. Er habe zu keinem Zeitpunkt Informationen an russische Geheimdienste weitergeleitet oder verkauft, sondern immer im Rahmen der Gesetze und auf Anweisung seiner Vorgesetzten gehandelt. Die Anschuldigungen fußten zum Teil auf Informationen eines westlichen Geheimdienstes, der Ott während einer Ermittlung enttarnt hatte.
Ott soll mehrfach Anfragen an Italien und Großbritannien gerichtet und die erhaltenen Informationen an Russland übergeben haben. Er übergab der Anklage zufolge dem heute mutmaßlich in Russland lebenden und für den dortigen Geheimdienst FSB tätigen Ex-Wirecard-Chef Marsalek unter anderem drei Handys hochrangiger Mitarbeiter des österreichischen Innenministeriums, auf denen sich demnach unter anderem Informationen über ukrainische und tschetschenische Flüchtlinge in Österreich befanden.
Zudem wurde er schuldig gesprochen, einen in Deutschland entworfenen Laptop verkauft zu haben, mit dessen Hardware auf der Öffentlichkeit unbekannten verschlüsselten Wegen zwischen Mitgliedsstaaten der EU kommuniziert wurde. Das Gerät wurde den Angaben zufolge später an den Iran weiterverkauft. 2019 soll Ott für Russland eine Analyse über den so genannten Tiergartenmord angefertigt haben, bei dem ein ursprünglich aus Tschetschenien stammenden Georgier von einem aus Russland entsandten Agenten mitten in Berlin erschossen wurde.
Die Anklage sah darin eine “Gebrauchsanweisung” für künftige Mordanschläge in der EU. Das im Januar 2022 begonnene Verfahren gilt in Österreich als der wichtigste Spionageprozess seit Jahrzehnten. Spionage ist unter österreichischem Recht legal, wenn sie nicht zum Nachteil des Gastlandes geschieht. Die österreichische Hauptstadt Wien wird oft als “Spionagenest” beschrieben.
In der russischen Botschaft in Wien sind allein 220 Mitarbeiter akkreditiert, was sie einer der größten diplomatischen Vertretungen Russlands in Europa macht. Erst Anfang Mai hatte Österreich drei russische Diplomaten wegen Spionagevorwürfen ausgewiesen.
Wed, 20 May 2026 19:43:43 GMT
