Proteste in Frankreich: AFP prangert Gewalt von Sicherheitskräften gegen Journalisten an
Die Nachrichtenagentur Agence France-Presse (AFP) hat das gewaltsame Vorgehen von Sicherheitskräften gegen mehrere ihrer Journalisten im Zusammenhang mit den jüngsten Protesten in Frankreich angeprangert. Die AFP-Geschäftsleitung in Paris erklärte am Freitag, “alle Vorsichtsmaßnahmen” müssten ergriffen werden, um die körperliche Unversehrtheit der Reporter zu schützen. Nur so könnten diese ihrem Informationsauftrag nachkommen. Zwar handelten die Sicherheitskräfte zuweilen unter “schwierigen Bedingungen”, erklärte die AFP-Geschäftsleitung.
Dennoch sei es “unerlässlich”, den Status von Journalisten bei Einsätzen zu berücksichtigen. Die Möglichkeit für Journalisten, “Demonstrationen und polizeiliche Maßnahmen zu beobachten, zu fotografieren und zu filmen”, sei eine “wesentliche Dimension ihres Informationsauftrags”. Die Geschäftsleitung der Nachrichtenagentur kritisierte “die von den Einsatzkräften gegen ihre Journalisten verübte Gewalt bei den Demonstrationen”. Seit Wochen gibt es in Frankreich Proteste; hunderttausende Menschen gingen landesweit auf die Straße.
Am Rande der Kundgebungen kam es in mehreren Städten zu Ausschreitungen und Plünderungen. Die bislang folgenschwersten Ausschreitungen wurden am 17. Oktober verzeichnet. Mitte September hatten Schülerproteste gegen schlechte Bedingungen im Bildungsbereich begonnen; sie liefen dann mit den Protesten der Gewerkschaften und der Gelbwestenbewegung zusammen, die sich gegen hohe Lebenshaltungskosten richten.
Am Donnerstag war ein AFP-Fotograf mit Presse-Armbinde bei einem Einsatz der Sicherheitskräfte an der Spitze eines Demonstrationszuges in Lyon verletzt worden. Er wurde fünf Mal von einem Schlagstock getroffen, davon zwei Mal auf den unteren Teil eines Beins. In der Folge erlitt er einen Wadenbeinbruch. Am 17. Oktober war ein AFP-Journalist im nordfranzösischen Lille an einem Bein von einem Gummigeschoss getroffen worden.
Auch er trug eine Armbinde, die ihn als Medienvertreter kennzeichnete. Am selben Tag wurde in der Hauptstadt Paris eine AFP-Videojournalistin gemeinsam mit Kollegen anderer Medien gezielt von einem Wasserwerfer ins Visier genommen. Auch diese waren klar als Reporter erkennbar. Am darauffolgenden Tag wurde die AFP-Videojournalistin von einem Schlagstock getroffen. Journalistenverbände und Organisationen wie Reporter ohne Grenzen (RSF) haben seit Beginn der Proteste in Frankreich ein teils gewaltsames Vorgehen gegen Journalisten beklagt.
RSF lagen nach eigenen Angaben bis Mittwoch 58 Fälle vor, in denen Journalisten unter erschwerten Bedingungen ihrer Tätigkeit nachgingen. In 40 Fällen stand das demnach im Zusammenhang mit den Sicherheitskräften. In 35 der 58 Fälle sei körperliche Gewalt im Spiel gewesen, in 21 Fällen sei diese durch Sicherheitskräfte ausgeübt worden. Auch Menschenrechtsaktivisten werfen den Einsatzkräften teils unverhältnismäßige Gewalt vor.
Einem 15-jährigen Jungen aus dem nordfranzösischen Lens etwa war Anfang Oktober durch eine Blendgranate eine Hand abgerissen worden. Anwälte kündigten am Freitag an, Innenminister Laurent Nuñez zu verklagen. Der Minister sei “für diese Verstümmelungen und massiven Schäden verantwortlich”, sagte der Anwalt Arie Alimi auf einer Pressekonferenz mit Kollegen, die mindestens 18 Opfer vertreten.
Gleichzeitig räumte er ein, dass die Chancen gering seien, dass die Klage zu einem Ermittlungsverfahren führen werde.
Fri, 06 Nov 2026 19:14:51 GMT
