“Unter Belagerung”: Ermittlungen wegen Bärenplage in Sibirien

Nach dem Tod von mindestens sechs Menschen bei Bären-Angriffen in Sibirien innerhalb eines Monats ermittelt die russische Staatsanwaltschaft wegen mutmaßlicher Fahrlässigkeit. Die örtlichen Behörden stünden im Verdacht, die Bärenpopulation nicht ausreichend unter Kontrolle zu halten, erklärte die Staatsanwaltschaft am Mittwoch. Trotz zahlreicher Warnungen hätten Behördenvertreter “keine Maßnahmen ergriffen, um die Raubtier-Population zu regulieren oder sie von bewohntem Gebiet fernzuhalten”, erklärte das Untersuchungskomitee der sibirischen Regionen Krasnojarsk und Chakassien. Nach Angaben des russischen Umweltministeriums hat sich die Bärenpopulation in ganz Russland seit 1990 von rund 130.000 auf fast 308.000 mehr als verdoppelt.

Pro Jahr gibt es demnach etwa 20 bis 30 Bären-Angriffe. Anfang des Monats waren in einem Wald nahe der abgelegenen Stadt Podtjossowo in der Region Krasnojarsk die Leichen zweier von Bären getöteter Rentnerinnen entdeckt worden. Nur Tage später fiel ein Fabrikarbeiter im selben Wald einem Bärenangriff zum Opfer. Seither gab es drei weitere tödliche Bärenangriffe in der Region, zuletzt wurde am Mittwochmorgen ein Holzfäller getötet.

Der stellvertretende Verwaltungschef der Nachbarregion Chakassien, Dmitri Butschenik, schilderte die Lage mit drastischen Worten. Die in der Taiga gelegene Stadt Abasa sei “von allen Seiten” von Bären umgeben, klagte er am Mittwoch. Die Stadt sei “praktisch unter Belagerung durch Bären”. Online verbreitete Videos zeigten einen am Stadtrand durch einen Fluss schwimmenden Bären und drei Bären, die direkt vor Autos eine Straße überqueren.

In Irkutsk rief Gouverneur Igor Kobsew wegen der Bärenplage den Ausnahmezustand aus. Bewohner der Region hatten in den vergangenen Wochen mehr als 1500 Bären-Sichtungen nahe bewohnten Gebieten gemeldet. Kobsew warnte die Menschen vor Spaziergängen in den Wäldern.

Wed, 23 Sep 2026 12:53:39 GMT

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