Hantavirus auf Kreuzfahrtschiff: Zwei Erkrankte und Kontaktperson evakuiert

Nach dem tödlichen Hantavirus-Ausbruch auf einem niederländischen Kreuzfahrtschiff vor Kap Verde sind zwei erkrankte Besatzungsmitglieder und eine Kontaktperson von Bord geholt und ausgeflogen worden. Der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, erklärte am Mittwoch, die drei Betroffenen seien nun auf dem Weg in die Niederlande. Bei Labortests in Südafrika und der Schweiz wurde unterdessen eine Übertragung von Mensch zu Mensch bestätigt.

Die “Hondius” liegt seit Sonntag mit rund 150 Menschen an Bord vor Kap Verde vor der Westküste Afrikas vor Anker, nachdem zuvor das Virus an Bord festgestellt worden war. Drei Menschen, darunter eine Deutsche, starben bisher an den Folgen. Bei der Deutschen handelt es sich laut einem Bericht der Mediengruppe Bayern um eine 78-jährige Frau aus Passau. Am Mittwochvormittag wurden zwei Besatzungsmitglieder aus Großbritannien und den Niederlanden, die nach Angaben des Kreuzfahrtveranstalters Oceanwide Expeditions schwer erkrankt sind, und eine Kontaktperson der am 2.

Mai auf dem Schiff gestorbenen Deutschen im Hafen der kapverdischen Hauptstadt Praia von Bord geholt und zum Flughafen gebracht. Am Nachmittag hoben dann zwei Sanitätsflugzeuge ab. Wie aus Daten des Portals Flightradar24 hervorgeht, sollte die größere der beiden Maschinen am Abend in Amsterdam landen. Die Düsseldorfer Feuerwehr wollte die Kontaktperson nach eigenen Angaben in Amsterdam abholen und mit einem “Hochrisikotransport” zur Universitätsklinik Düsseldorf bringen.

Ob die betroffene Person infiziert ist, ist allerdings noch unklar. Ein Feuerwehrsprecher sagte, sie habe bisher keine Symptome. Nach Abschluss der Evakuierungsaktion soll das Kreuzfahrtschiff die Kapverden verlassen. Wie die spanische Regierung mitteilte, wird die “Hondius” Kurs auf die Kanarischen Inseln nehmen und voraussichtlich am Samstag im Hafen von Granadilla auf Teneriffa anlegen.

Gesundheitsministerin Mónica García Gómez sagte auf einer Pressekonferenz in Madrid, alle Passagiere sollten dann in ihre Heimatländer zurückkehren können, “sofern ihr Gesundheitszustand dies nicht verhindert”. Hantaviren werden üblicherweise über die Ausscheidungen von Nagetieren übertragen und lösen meist schwere Atemwegserkrankungen aus. In seltenen Fällen ist auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch möglich, allerdings nur bei dem in Südamerika verbreiteten Andes-Virusstamm.

Die “Hondius” hatte ihre Reise am 1. April in Ushuaia in Argentinien begonnen. Ein erster Passagier aus den Niederlanden war nach Angaben von Oceanwide Expeditions am 11. April an Bord gestorben. Seine Frau ging am 24. April auf der Insel St. Helena im Südatlantik von Bord, flog nach Johannesburg und starb dort am 26. April in einem Krankenhaus. Die WHO und Südafrikas Behörden versuchen nun, die 82 Passagiere und sechs Crewmitglieder ausfindig zu machen, die mit der Frau in der Maschine der südafrikanischen Fluggesellschaft Airlink gewesen waren.

Zwei weitere Passagiere, die ausgeflogen wurden, werden derzeit in Johannesburg und Zürich behandelt. Wie Südafrikas Gesundheitsminister Aaron Motsoaledi am Mittwoch bekanntgab, wurde bei dem Patienten in Johannesburg der von Mensch zu Mensch übertragbare Andes-Virusstamm nachgewiesen. Auch beim Andes-Virus komme eine Übertragung aber “nur bei sehr engem Kontakt zwischen Menschen” vor, sagte Motsoaledi.

Wie das Schweizer Referenzlabor für neu auftretende Virusinfektionen an der Universitätsklinik in Genf mitteilte, wurde auch bei den Tests in der Schweiz das Andes-Virus nachgewiesen. Nach Angaben der WHO waren anfangs 88 Passagiere und 59 Besatzungsmitglieder an Bord der “Hondius”. Sie geht bisher von drei Infektions- und fünf Verdachtsfällen aus. WHO-Chef Tedros betonte, die Gesundheitsgefahr für die Allgemeinbevölkerung sei “weiterhin gering”.

Auf die Frage, ob die Situation mit dem Beginn der Corona-Pandemie vergleichbar sei, sagte Tedros:”Nein, das glaube ich nicht.”

Wed, 06 May 2026 13:21:26 GMT