München ist deutsche Bewerberstadt für Olympische Spiele und Paralympics
Jubel in München: Bayerns Landeshauptstadt ist die deutsche Bewerberstadt für die Austragung der Olympischen Spiele und Paralympischen Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044. München konnte sich in einer Abstimmung gegen die Region Köln-Rhein-Ruhr durchsetzen, wie Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Samstag in Baden-Baden verkündete. Steinmeier sagte, er sehe für Deutschland in Olympischen Spielen eine große Chance für das Selbstbewusstsein im Land. München konnte sich deutlich mit 91 zu 50 Stimmen durchsetzen.
Die Entscheidung über Olympia und die Paralympics 2036 fällt im Sommer 2029 durch das Internationale Olympische Komitee (IOC), ein Termin für die Entscheidung über die beiden folgenden Spiele steht noch nicht fest. Steinmeier appellierte an die unterlegene Region Köln-Rhein-Ruhr, aber auch an alle anderen Regionen, nun an einem Strang zu ziehen. “Machen wir die Bewerbung zu unserer gemeinsamen Sache.” Als Team habe Deutschland beste Chancen, Gastgeber zu werden.
Der Bundespräsident erinnerte an die Fußball-Weltmeisterschaft 2006, hinter die sich das ganze Land vereint habe – so etwas könne auch Olympia schaffen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erklärte zur Bewerbung, Deutschland gehe hier mutig voran. “Deutschland kann Olympia. Wir packen jetzt gemeinsam die internationale Bewerbung an.” Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) erklärte, er gebe eine “Olympia-Garantie”: “Wir wollen und wir können uns Olympische Spiele in Deutschland leisten.
Ich bin fest davon überzeugt, dass solche sportlichen Großereignisse uns als Gesellschaft guttun.” Sport sei der soziale Kitt, den das Land brauche. Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) sagte bei der Entscheidung in Baden-Baden, “die Freude ist jetzt unendlich”. Er wolle nun mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) an den kommenden Tagen auf dem Oktoberfest die Achterbahn Olympia Looping zur Feier des Erfolgs fahren.
Söder sagte, solch eine Bewerbung sei etwas Historisches. Sein Land wolle Spiele ermöglichen für ganz Deutschland – für Nord, für Süd, für Ost, für West. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) erklärte zur Niederlage, es sei nun eine nationale Aufgabe, die Spiele nach Deutschland zu holen. Nordrhein-Westfalen werde die Münchner Bewerbung “mit voller Überzeugung und aus ganzer Kraft” unterstützen.
Die Entscheidung zwischen München und Köln-Rhein-Ruhr fiel durch Abstimmung von 141 Stimmberechtigten. Darunter waren Vertreter der 42 olympischen Spitzenverbände, die im DOSB vereint sind. Außerdem die Mitglieder des DOSB-Präsidiums, die zwei deutschen Vertreter des Internationalen Olympischen Komitee (IOC) sowie ehemalige deutsche Olympioniken. Ursprünglich bewarben sich vier Kandidaten um die Austragung.
Hamburg machte nach einem negativen Bürgerentscheid einen Rückzieher. Berlin zog kurz vor der Entscheidung zurück – der Senat machte den Wahlsieg der Linken verantwortlich. Die Entscheidung zwischen München und NRW galt im Vorfeld als völlig offen, fiel mit 91 zu 50 Stimmen dann aber doch deutlich aus. Eine Kommission bewertete beide Bewerbungen als sehr gut, mit leichten Vorteilen für München.
Ein Hauptunterschied zwischen beiden Bewerbungen war, dass München mit dem Konzept kurzer Wege in einer Stadt werben konnte, während die NRW-Region mit dem Bereitstellen von 17,6 Millionen Eintrittskarten und damit den größten Zuschauerzahlen von Olympischen Spielen warb. Die Entscheidung über die Spiele 2036 wird vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) 2029 getroffen. Im März nächsten Jahres beginnt nun eine sogenannte strategische Dialogphase der Bewerber mit dem IOC.
In dieser Phase sollen die Bewerber eine möglichst hohe Übereinstimmung ihrer Kandidaturen mit den Zielen des IOC erreichen. Ende 2028 beginnt dann die letzte Auswahlphase, der sogenannte Zieldialog. Dieser wird mit einem oder mehreren Bewerbern stattfinden – im Sommer 2029 soll an Ende dieses Dialogs die Entscheidung über den Ausrichter fallen. Sommerspiele fanden in Deutschland erst zweimal statt und waren jeweils überschattet. 1936 war Berlin Gastgeber, die damaligen Spiele standen im Zeichen des Nationalsozialismus.
Genau 100 Jahre später erneut Olympia in Deutschland auszutragen, gilt als möglicher Makel der Bewerbung. 1972 war München Gastgeber und erlebte mit dem Olympia-Attentat, bei dem elf israelische Olympioniken, ein bayerischer Polizist und fünf palästinensische Geiselnehmer getötet wurden, eine der dunkelsten Stunden der Olympiageschichte. Konkurrenten Münchens sind nun Ahmedabad in Indien, Doha in Katar und Istanbul in der Türkei, es könnten noch weitere Konkurrenten dazu kommen. Die Vorsitzende des Tourismusausschusses des Bundestages, Anja Karliczek (CDU), sagte der “Rheinischen Post”, ein Zuschlag für Olympische Spiele könne einen Schub in ganz Deutschland auslösen. “Gerade unter tourismuspolitischen Aspekten würde Olympia nicht nur der Stadt München und der angrenzenden Region einen neuen Boom geben, sondern unserem ganzen Land.” Die Spiele von Paris 2024 hätten gezeigt, welche Strahlkraft und nachhaltige Effekte solche Großveranstaltungen haben können – das reiche von Hotelbuchungen und Gastronomie “bis hin zum Imagegewinn für das Reiseland Deutschland auf der ganzen Welt”.
Sat, 26 Sep 2026 13:55:45 GMT
