Wegen eines schweren Bankenskandals ist Paraguays Präsident Santiago Peña abgesetzt und unter Hausarrest gestellt worden. Zu Peñas Nachfolger ernannte der Senat am Freitag (Ortszeit) dessen bisherigen Stellvertreter Pedro Alliana. Der neue Staatschef versprach, er werde die Leidtragenden des Bankenskandals nicht “im Stich lassen”. Auslöser der Krise waren Peñas Verbindungen zur Bank Ueno, die am Dienstag wegen Kapitalmangels von der Zentralbank unter Zwangsverwaltung gestellt wurde.
Rund drei Millionen Kunden kommen seither nicht mehr an ihr Geld. Wegen des Skandals votierte der Senat am Freitag einstimmig für Peñas Amtsenthebung. Dieser habe sein Amt “schlecht ausgeübt”, sagte Senatspräsident Basilio Nuñez. Nur Minuten später wurde der abgesetzte Präsident unter Hausarrest gestellt. Vor dem Kongressgebäude feierten hunderte Menschen jubelnd Peñas Amtsenthebung. “Gerechtigkeit ist geschehen”, sagte die 32-jährige Jessica Aquino der Nachrichtenagentur AFP. “Jetzt wollen wir, dass er uns unser Geld zurückgibt und ins Gefängnis kommt.” Vor Peñas Haus demonstrierten Bewohner und forderten, den abgesetzten Präsidenten zu inhaftieren.
Der neue Präsident Alliana wandte sich nach seiner Ernennung an die Millionen Menschen in dem südamerikanischen Land, die von dem Bankenskandal betroffen sind: “Landsleute, die infolge des finanziellen Zusammenbruchs gerade eine schwierige Zeit durchmachen, werden vollständig entschädigt werden”, sicherte er zu. Oppositionsabgeordnete hatten auch gegen Alliana ein Amtsenthebungsverfahren gefordert, dieses lehnte der Kongress jedoch ab.
Wegen des Bank-Zusammenbruchs hatte Peña am Donnerstag zunächst seinen Rücktritt angeboten. Das Parlament trieb stattdessen jedoch das Amtsenthebungsverfahren voran, mit dessen Ausgang der 47-Jährige seine strafrechtliche Immunität verlor. Bei einem freiwilligen Rücktritt wäre Peña Senator auf Lebenszeit geworden und hätte damit die Immunität behalten. Gegen den abgesetzten Präsidenten werde im Zusammenhang mit der Aufsicht über die Ueno-Bank sowie wegen bei der Bank angelegter öffentlicher Finanzmittel ermittelt, erklärte die Generalstaatsanwaltschaft.
Er solle noch am Samstag wegen mutmaßlichen Vertrauensbruchs, Veruntreuung öffentlicher Gelder und Einflussnahme vernommen werden, kündigte die Ermittlungschefin Silvia Margarita González Vester an. Der Bankenskandal betrifft Millionen Menschen. Fast die Hälfte der rund 6,4 Millionen Einwohner Paraguays hat ein Konto bei der Ueno-Bank. Auch zahlreiche Unternehmen, Rentenfonds und Behörden sind betroffen.
Peña hatte bis zum vergangenen Jahr Anteile an einer Unternehmensgruppe gehalten, welche die Online-Bank kontrolliert. Die Abgeordneten werfen ihm vor diesem Hintergrund Fehlverhalten und einen Interessenkonflikt im Umgang mit der Ueno-Bank vor. Peña war ein politischer Verbündeter der US-Regierung von Donald Trump. Die US-Botschaft in Asunción erklärte am Freitag ihre “Solidarität mit dem paraguayischen Volk” – ohne den Staatschef zu erwähnen.
Sat, 07 Nov 2026 12:31:25 GMT
