Nach dem blamablen WM-Aus hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) der deutschen Fußball-Nationalmannschaft Trost zugesprochen. “Auch wenn das Ausscheiden schmerzt: Was für ein Spiel!”, schrieb der Kanzler in der Nacht zum Dienstag im Onlinedienst X. “Mit eurem Einsatz und Teamgeist bei dieser WM habt ihr unser Land begeistert. Wir sind stolz auf euch.” Für seine Äußerungen schlug dem Kanzler aber auch Spott entgegen.
Zuvor hatte die DFB-Elf im Sechzehntelfinale in Foxborough bei Boston gegen den Außenseiter Paraguay 3:4 nach Elfmeterschießen verloren und damit zum dritten Mal in Folge bei einer Weltmeisterschaft das Achtelfinale verpasst. 2018 in Russland und 2022 in Katar war Deutschland bereits in der Gruppenphase ausgeschieden. Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) verfolgte das Spiel im Flugzeug – auf dem Weg zum “Kontrahenten” nach Asunción, der Hauptstadt von Paraguay.
Dort wollte er an einem Gipfeltreffen der Mercosur-Staaten teilnehmen. “Schade, dass es dieses Jahr nicht geklappt hat mit dem Sommermärchen”, schrieb das Auswärtige Amt nach der Niederlage im Onlinedienst Instagram. Merz erhielt für seine lobenden Worte für die Nationalmannschaft Kritik: Die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann schrieb bei X zu Merz’ Eintrag, sie wisse gar nicht, was schlimmer sei – “das Spiel oder diese Analyse”. “Diese Nationalmannschaft spielt, wie diese Bundesregierung regiert: viel Anspruch, wenig Entschlossenheit.” AfD-Chef Tino Chrupalla schrieb, Merz scheine an die Nationalmannschaft “dieselbe Messlatte anzulegen wie an seine Regierungskoalition”.
Auch in Russland sorgte Merz’ Beitrag für Häme: Der Kanzler verstehe es wie immer gut, “zum Scheitern zu ermutigen”, schrieb der Wirtschaftsbeauftragte des Kreml, Kirill Dmitrijew, bei X. Merz reagierte auf die Kritik an seinen Äußerungen: “Erfolge feiern wir gemeinsam. Und in der Niederlage stehen wir zusammen. Das macht uns stark”, schrieb er am Dienstagnachmittag bei X. “Wer den Adler auf der Brust trägt, hat unseren Rückhalt verdient und nicht unseren Spott.”Aus der Union kamen aber auch schon Forderungen nach Konsequenzen. “Auch, aber nicht nur, muss die Rolle des Trainers kritisch untersucht werden”, sagte der sportpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Stephan Mayer (CSU), am Dienstag der “Rheinischen Post”. Der DFB müsse das Vorrunden-Aus “mit Demut” aufarbeiten und rasch handeln, forderte Mayer.
Das Abschneiden der Nationalmannschaft sei “nicht nur eine herbe Enttäuschung, sondern auch eine veritable Blamage”. Während in Deutschland die Enttäuschung groß war, sorgte der WM-Triumph der Albirroja (“Weiß-Rote” in Anlehnung an die Trikot-Farben) in Paraguay für frenetischen Jubel. Präsident Santiago Peña erklärte den Dienstag zum Feiertag. “Paraguay gibt niemals auf.
Feiertag verdammt noch mal”, schrieb der Staatschef im Onlinedienst X. In Asunción feierten ausgelassene Fans den Sieg über das deutsche Team mit Autokorsos. Paraguay habe “das getan, was es am besten kann: während des gesamten Spiels und auch in der Verlängerung mit der Seele verteidigt”, sagte der Bankangestellte Amado Salomón. Der Hotelier Luis Espínola sagte, als Anhänger der Albirroja müsse man bis zur letzten Minute leiden. “Das ist Teil unserer Identität, unserer Art zu konkurrieren und Fußball zu verstehen.
Heute hat sich dieses Leiden schließlich in eine ungeheure Freude verwandelt”, sagte er inmitten der jubelnden Anhänger auf den Straßen der Hauptstadt. Für Paraguay war der Triumph gegen die deutsche Mannschaft erst der zweite K.o.-Sieg bei einer WM. “Wir haben einen viermaligen Weltmeister ausgeschaltet, und Paraguay hat gezeigt, dass man mit Organisation, Opferbereitschaft und einem enormen Teamgeist auch die größten Fußballmächte bezwingen kann”, sagte Espínola. “Es ist eine Nacht, die für immer im Gedächtnis des paraguayischen Volkes bleiben wird.”
Tue, 30 Jun 2026 12:20:06 GMT
