Prozess um iranische Anschlagspläne: Mehrjährige Haftstrafen in Hamburg

Wegen der Vorbereitung von Anschlägen auf führende deutsch-jüdische Vertreter im Auftrag Irans sind zwei Männer in Hamburg zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Das Oberlandesgericht in der Hansestadt verhängte gegen die beiden Angeklagten am Donnerstag Freiheitsstrafen von viereinhalb und achteinhalb Jahren. Beide Männer hatten demnach unter anderem bereits einen Mordanschlag auf den Vorsitzenden der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, den Grünen-Politiker Volker Beck, geplant.

Das Hamburger Gericht sprach die Beschuldigten unter anderem wegen geheimdienstlicher Agententätigkeit sowie versuchter Beteiligung an einem Mord schuldig. Ihre Tätigkeiten hätten “der Vorbereitung und Ausführung staatsterroristischer Aktivitäten” durch den Iran gedient, sagte die Vorsitzende Richterin, Petra Wende-Spors, bei der Verkündung des Urteils. “Dies entspricht der Ideologie Irans, die auf die Vernichtung jüdischen und israelischen Lebens ausgerichtet ist.”Bei den Beschuldigten im Alter von 54 und 43 Jahren handelt es sich den Feststellungen des zuständigen Staatsschutzsenats zufolge um einen Geheimagenten der iranischen Revolutionsgarden und einen von ihm angeworbenen Komplizen.

Beide lebten laut Gericht in Dänemark. Der 54-jährige dänische Staatsbürger war für einen Geheimdienst einer Spezialeinheit der iranischen Revolutionsgarden tätig und erhielt von Führungsoffizieren 2025 bei Reisen in den Iran den Auftrag, jüdische Ziele in Deutschland zur Vorbereitung von Mord- und Brandanschlägen auszuspähen. Dazu gehörten neben Beck der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, und ein koscherer Supermarkt in Berlin.

Der von dem Agenten angeworbene 43-jährige Komplize erklärte sich demnach dazu bereit, einem Dritten eine Pistole mit Schalldämpfer für einen tödlichen Anschlag auf Beck zu verschaffen und diesen zu der Tat zu veranlassen. Er ist afghanischer Staatsbürger. Beide Männer wurden im vergangenen Jahr im Nachbarland Dänemark festgenommen. Beck forderte als Reaktion auf das Urteil eine sofortige Ausweisung des iranischen Botschafters in Deutschland und eine Reduzierung des iranischen Botschaftspersonals “auf ein Minimum”.

Die Feststellungen des Gerichts dürften “nicht folgenlos” bleiben, sagte er in Hamburg. Er sei “erleichtert” über die Verurteilung, sei sich aber der weiter bestehenden Gefahr bewusst, fügte der Politiker vor Journalisten an. “Der Iran hat zwei Werkzeuge verloren, aber das heißt nicht, dass der Iran seine Pläne aufgibt.” Ziel der Operationen sei, “Schrecken zu verbreiten, Leute mundtot zu machen und jüdisches Leben anzugreifen”.

Bei dem Komplizen handelt es sich dem Urteil zufolge um einen seit  Jahren mit dem Agenten bekannten Mann mit krimineller Vergangenheit. Er war unter anderem wegen eines mit einer Schusswaffe begangenen Raubs in Dänemark vorbestraft. Wende-Spors verwies auf Erkenntnisse von Sicherheitsbehörden, wonach dies dem Vorgehen iranischer Geheimdienste entspreche. Sie nutzten “Personen aus dem kriminellen Milieu” ohne Verbindungen zum Iran zur finalen Anschlagsausführung.

Laut Gericht hatten geheimdienstliche Erkenntnisse zur Enttarnung der Beschuldigten und deren Festnahme im Abstand mehrerer Monate im vergangenen Jahr geführt. Informationen des Bundesamts für Verfassungsschutz und des Bundesnachrichtendiensts spielten zusammen mit auf den Handys der Männer gefundenen Beweismitteln auch in dem Verfahren eine große Rolle. So hatte der Agent auf seinem Telefon unter anderem die Nummer eines den Geheimdiensten bekannten iranischen Geheimdienstoffiziers.

Der Mann reiste demnach zwischen Januar und Mai 2025 für Absprachen mehrfach in den Iran, außerdem spionierte er in Berlin den koscheren Markt und die Geschäftsstelle der Deutsch-Israelischen Gesellschaft aus. Die Angeklagten tauschten Bilder und recherchierten im Internet. Der Afghane beauftragte seinen Neffen mit der Suche nach einer Waffe. Die Urteile entsprachen der Forderung der Bundesanwaltschaft, die in dem Fall die Anklage übernommen hatte.

Die Verteidigung der beiden Männer beantragte Freisprüche. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Die islamische Regierung im Iran betrachtet Israel aus ideologischen Gründen als eine Art Todfeind. Sie kooperiert unter anderem auch mit radikalislamischen Milizen wie der Hamas, die ihrerseits auf die Vernichtung Israels zielen. Im September erhob die Bundesanwaltschaft Anklage gegen sieben mutmaßliche Hamas-Mitglieder, die einen Anschlag auf israelische oder jüdische Ziele in Deutschland oder Österreich geplant haben sollen.

Sie waren demnach schon im Besitz von Waffen.

Thu, 15 Oct 2026 14:40:37 GMT