Trump kündigt “Wirtschaftskrieg” gegen den Iran an – Teheran reagiert gelassen

Monatelange Verhandlungen über ein Ende des Iran-Kriegs sind erfolglos geblieben – nun hat US-Präsident Donald Trump einen umfassenden “Wirtschaftskrieg” gegen den Iran angekündigt. Es werde sich um “die vernichtendste Wirtschaftsoperation” aller Zeiten handeln, schrieb Trump am Mittwoch (Ortszeit) in seinem Onlinedienst Truth Social. Jedem Land, das den Iran unterstütze oder mit ihm Geschäfte mache, drohte Trump mit “enormen” Strafmaßnahmen.

Teheran tat Trumps Pläne als “gescheiterte Politik” ab.”Heute kündige ich die vernichtendste Wirtschaftsoperation an, die je gegen ein Land ausgeführt wurde”, hieß es in der mit vielen Großbuchstaben versehenen Erklärung von Trump. “Dies wird ein Wirtschaftskrieg und eine Isolation in beispiellosem Ausmaß sein.” In seinem Beitrag sprach der US-Präsident von einem “wirtschaftlichen D-Day”, in Anspielung an die Landung der Alliierten in der Normandie im Zweiten Weltkrieg.”Ich kündige zudem an, dass jedes Land, das seinen Finanzinstituten, Unternehmen, Flughäfen oder staatlichen Stellen gestattet, dem Iran irgendeine Art von Rettungsleine zu reichen, selbst mit enormen wirtschaftlichen Konsequenzen rechnen muss”, schrieb der US-Präsident weiter.

Als Beispiele nannte er “Ölschmuggel” sowie “Bargeldtransfers, Wechselstuben, Schiffsregister, Scheinfirmen”. Trump machte keine Angaben dazu, welche Länder seiner Meinung nach mit Teheran zusammenarbeiten. Auch ließ er offen, wie die Konsequenzen für diese Länder genau aussehen sollen. Die USA halten seit Jahrzehnten Sanktionen gegen den Iran aufrecht. Trump hatte diese während seiner ersten Amtszeit noch verschärft.

Das vom früheren Präsidenten Barack Obama ausgehandelte internationale Atomabkommen mit dem Iran kündigte er einseitig auf. Der Iran hat trotz der strengen Sanktionen Wege gefunden, weiterhin Öl zu exportieren. Größter Abnehmer ist China. Teheran reagierte am Donnerstag gelassen auf Trumps Ankündigung eines Wirtschaftskrieges. “Der sogenannte ‘wirtschaftliche D-Day’ dient der Ablenkung von Amerikas eigener Krise: beispiellose Schulden und explodierende Zinskosten”, erklärte der iranische Außenminister Abbas Araghtschi im Onlinedienst X. “Ein Festhalten an gescheiterter Politik wird nur weitere Niederlagen bringen sowie die Feindschaft der Iraner.”Araghtschi warf den USA zudem “Wirtschaftsterrorismus” vor.

Dieser “bedroht die Weltwirtschaft und die Souveränität weltweit”, erklärte der iranische Chefdiplomat. Bereits in der vergangenen Woche hatte US-Finanzminister Scott Bessent dem Iran mit einer wirtschaftlichen Isolation “wie sie die Welt noch nicht gesehen hat” gedroht. Dabei würden die USA “verhindern, dass irgendetwas in die iranischen Häfen hinein- oder aus ihnen herausgelangt”.

Zudem solle der finanzielle Druck auf Teheran erhöht werden. Der Iran übt seinerseits weiterhin wirtschaftlichen Druck aus, indem er die Straße von Hormus weitgehend gesperrt hält. Die USA haben ihrerseits eine Seeblockade gegen iranische Häfen verhängt. Vor dem Krieg führte etwa ein Fünftel der weltweiten Öllieferungen durch die Meerenge. Die Angriffe auf Handelsschiffe in der Straße von Hormus dauern ebenfalls an.

Nach Angaben des in Teheran ansässigen Experten für internationale Beziehungen, Ahmad Zeidabadi, hat Teheran inzwischen eine konfrontativere Haltung eingenommen. Der Iran gehe davon aus, dass die USA eine Fortsetzung des Krieges “wahrscheinlich ausgeschlossen haben und nun bestrebt sind, den Status quo aufrechtzuerhalten, einschließlich der US-Seeblockade und des wirtschaftlichen Drucks”, sagte er AFP. Teheran glaube überdies, dass es “zu offensiven Maßnahmen” greifen müsse, um die USA zur Annahme seiner Bedingungen zu bringen, fügte er hinzu.

Der Iran-Krieg dauert inzwischen bereits seit knapp sechs Monaten an. Die nun von Trump verkündete Verschärfung des wirtschaftlichen Drucks erfolgt zu einem Zeitpunkt, da weder eine diplomatische noch eine militärische Lösung in Sicht erscheint. Der US-Präsident steht wegen des Krieges innenpolitisch unter massivem Druck. Dieser wird durch die im November anstehende Kongresswahl, bei der Trumps Republikanern eine Niederlage droht, noch verstärkt.

Trumps Drohungen trieben den Ölpreis am Donnerstag nach oben. Mit einem Plus von 2,5 Prozent kostete ein Fass der Nordseesorte  Brent am Vormittag 93 Dollar. Ein Barrel der US-Referenzsorte  WTI kostete 88 Dollar. 

Thu, 20 Aug 2026 12:51:50 GMT