Wadephul wirft Russland bei Ukraine-Besuch “wahllosen Mord an Zivilisten” vor

Nach massiven russischen Angriffen auf die Ukraine hat Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) Kiew besucht und Moskau “wahllosen Mord an Zivilisten” vorgeworfen. Der Ukraine sagte er bei dem Besuch am Samstag weitere 50 Millionen Euro humanitäre Hilfe zu. Mit US-Außenminister Marco Rubio wolle er zudem über zusätzliche Luftverteidigung für die Ukraine beraten. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kündigte derweil weitere Abfangraketen für die Ukraine an.

In einer zu seiner Ankunft in Kiew veröffentlichten Erklärung warf Wadephul Russland “wahllosen Mord an Zivilisten” vor und verwies auf die anhaltenden russischen Angriffe auf die Energieinfrastruktur in der Ukraine. Moskaus Ziel sei es, “die Lebensgrundlagen zu zerstören und damit den Durchhaltewillen der Menschen zu brechen”. Russland tue “alles, um abermals den Winter als Waffe einzusetzen”, sagte Wadephul bei einer Pressekonferenz mit seinem ukrainischen Amtskollegen Andrij Sybiha.

Deutschland werde die Ukraine deshalb bei der Vorbereitung auf den kommenden Winter unterstützen. Die zusätzlichen 50 Millionen Euro an deutschen Hilfsmitteln gehen laut Wadephul an UN-Organisationen und Nichtregierungsorganisationen, die besonders Menschen in den Frontgebieten unterstützen. Das Geld solle etwa dafür verwendet werden, Wohnungen instandzusetzen sowie mobile Sanitäranlagen und Heizgeräte bereitzustellen.

Weitere zehn Millionen Euro zahlt Deutschland demnach in einen Nato-Fonds ein, mit dem unter anderem Energieversorgung, Sanitätsmaterial und Anlagen zur Drohnenabwehr finanziert würden. Besonders dringlich sei weiterhin die Luftverteidigung. Angesichts der russischen Angriffe mit ballistischen Raketen und Marschflugkörpern werde deutlich: “Es ist nicht genug”, sagte Wadephul. Er führe Gespräche mit europäischen und außereuropäischen Partnern über zusätzliche Systeme. “Das ist noch lange keine Zusage, aber ich bin zuversichtlich, dass wir etwas erreichen können.”Anfang der Woche wolle er mit US-Außenminister Rubio sprechen, kündigte Wadephul an.

Er setze darauf, “dass die USA weiter bereit sind, eine aktive Rolle hier auch zu spielen in den Verhandlungen mit der Ukraine”. Zugleich müssten alle Möglichkeiten für Gespräche ausgeschöpft werden, fügte der Bundesaußenminister hinzu. “Ich glaube, wir brauchen die Bereitschaft dazu, auch ungewöhnliche Wege zu gehen. Wir müssen auf allen Wegen versuchen, Gespräche zu initiieren”, sagte Wadephul. “Das scheitert derzeit an Moskau.”Auch der ukrainische Chefdiplomat Sybiha forderte verstärkte diplomatische Bemühungen. “Leider liegen sie derzeit auf Eis.

Wir brauchen eine aktivere Beteiligung der amerikanischen Seite”, sagte Sybiha. Beide Minister berieten nach eigenen Aussagen auch über neue Sanktionen gegen Russland. Sybiha sprach von einem Paket spezieller Maßnahmen, um Russlands Möglichkeiten zur Produktion ballistischer Raketen möglichst stark einzuschränken. Wadephul begrüßte den Vorschlag der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas, weitere Sanktionen vorzubereiten.

Mit der Erweiterung der Sanktionslisten wolle die EU “ganz gezielt und im großen Stil Putins Kriegsmaschinerie bekämpfen”. Wadephul traf später noch den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zu Gesprächen über die Luftverteidigung und die Vorbereitungen auf den bevorstehenden Winter. Frankreichs Präsident Macron kündigte derweil an, sein Land werde weitere Abfangraketen für die Luftverteidigung liefern.

Es sei “entscheidend, der Ukraine alle notwendigen Mittel zu geben, um ihren Luftraum zu verteidigen und diese Aggression abzuwehren”, erklärte er nach einem Telefonat mit Selenskyj. Der französische Präsident rief auch andere Staaten zu weiteren Waffenlieferungen an die Ukraine auf. Während Wadephuls Besuch gingen die gegenseitigen Angriffe weiter. In der Ukraine starben bei Angriffen sieben Menschen, in Russland vier und auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim zwei.

Wadephul war wenige Stunden nach dem Angriff auf ein Einkaufszentrum in Krywyj Rih in Kiew eingetroffen, bei dem nach Behördenangaben am Freitag mindestens 16 Menschen getötet und 120 weitere verletzt worden waren. Vier Menschen wurden am Samstag noch vermisst. Die russische Armee griff Kiew mitten am Tag während Wadephuls Besuch mit einer ballistischen Rakete an. Im Bezirk Boryspil, am östlichen Stadtrand, wurden dabei zwei Menschen getötet und mehrere verletzt. Das russische Verteidigungsministerium betonte derweil, der Angriff bei Kiew habe Lastwagen gegolten, die für den Transport von Langstreckendrohnen ausgerüstet gewesen seien.

Außerdem seien Ziele mit Bezug zur ukrainischen Armee in der Region Odessa am Schwarzen Meer attackiert worden. Dabei wurden nach ukrainischen Angaben drei Menschen verletzt, darunter ein 16-jähriges Mädchen. Wadephuls Besuch fand kurz vor dem 35. Unabhängigkeitstag der Ukraine am Montag statt. Die Ukraine und wichtige europäische Verbündete wollen an dem Tag bei einer Videokonferenz über weiteren Druck auf Russland zur Beendigung des Krieges beraten.

Sat, 22 Aug 2026 18:03:58 GMT