Wirtschaftsweiser Truger stellt Beamtenstatus von Lehrern infrage
Der Wirtschaftsweise Achim Truger hat die hohe Zahl an Beamten in Deutschland hinterfragt und deren Einbeziehung in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) gefordert. “Man sollte sich fragen, ob es überhaupt so viele Beamte braucht”, sagte Truger der “Neuen Osnabrücker Zeitung” (noz) nach Angaben vom Montag. “Lehrer und Universitätsprofessoren wie ich müssten beispielsweise nicht zwingend verbeamtet werden.” Truger machte seine Forderungen angesichts von Milliardendefiziten in der GKV.
Langfristig sei dies ein guter Weg, Staatsdiener stärker in die Solidargemeinschaft einzubinden, um die Entstehung eines Klassensystems zu verhindern, sagte der Ökonom weiter. “Dass Beamte aus der gesetzlichen Krankenversicherung rausgehalten werden, halte ich für völlig falsch.” Durch die guten Gehälter der Beamten könne die Kassenlage der gesetzlichen Krankenversicherung gestärkt werden. Der Wirtschaftswissenschaftler kritisierte zudem eine unfaire Verteilung der Kosten im Gesundheitssystem zulasten der Beitragszahler. “Dass es den Beamten zum Teil so gut geht, hängt auch damit zusammen, dass man das Leben der anderen über die Jahre verschlechtert hat.
Etwa indem der Beitragszahler für den Großteil der Kosten der Gesundheitsversorgung von Bürgergeldempfängern aufkommen muss.” Truger fügte hinzu: “Da macht sich der Bund einen schlanken Fuß.”Truger ist Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, den sogenannten Wirtschaftsweisen. Das Gremium beurteilt für die Bundesregierung die konjunkturelle Lage.
Die gesetzlichen Kassen – und damit die Versicherten – bezahlen aktuell einen Großteil der Versicherungskosten der Bürgergeld- beziehungsweise Grundsicherungs-Beziehenden. Das heißt, dass Privatversicherte nicht zur Finanzierung beitragen. Dabei geht es um Kosten von rund zwölf Milliarden Euro. Aktuell gibt es fast zwei Millionen Beamtinnen und Beamte in Deutschland. Sie können zu Beginn ihrer Laufbahn wählen, ob sie in der gesetzlichen oder der privaten Krankenversicherung versichert sein wollen.
Aufgrund finanzieller Vorteile sind rund 93 Prozent aller Beamtinnen und Beamten privat krankenversichert. Sowohl die gesetzliche Kranken- als auch die Pflegeversicherung stehen vor enormen finanziellen Herausforderungen. In der GKV wird im kommenden Jahr ein Defizit von 15,3 Milliarden Euro erwartet, in der Pflegeversicherung eines von über 7,5 Milliarden Euro. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will deshalb beide Versicherungssysteme reformieren und so gegensteuern.
Ein Gesetzentwurf zur GKV-Reform wurde bereits vom Bundeskabinett beschlossen, einen Entwurf zur Pflege-Reform will Warken bis Anfang Juli vorlegen. Dabei mahnt der Vorsitzende des GKV-Spitzenverbands, Oliver Blatt. Der Pflege renne die Zeit davon, “denn die Finanzierungslücke wird unmittelbar zu Beginn des nächsten Jahres da sein”, sagte Blatt dem “Spiegel” vom Freitag.
Den zusätzlichen Finanzbedarf der Pflegeversicherung schätzt der Verband für das kommende Jahr sogar auf rund zehn Milliarden Euro.
Mon, 25 May 2026 12:33:01 GMT
