Drama um Buckelwal in Ostsee: Helfer bemühen sich weiter um Rettung
Im Wal-Drama vor der Ostseeinsel Poel sind am Freitag die aufwändigen Hilfsbemühungen für den notleidenden Meeressäuger fortgesetzt worden. Helfer einer von den Behörden geduldeten privaten Initiative wollten nach eigenen Angaben weiter an einer mehr als hundert Meter langen Rinne graben, um das derzeit in einem extrem flachen Bereich in einem Seitenarm der Wismarer Bucht gestrandete Tier befreien zu können.
Die Bagger-und Spülarbeiten sollen der Initiative zufolge noch bis Samstag dauern. Am Freitag kümmerten sich Helfer weiter aus nächster Nähe um den in hüfthohem Wasser nahe einer Landzunge feststeckenden rund zwölf Meter langen Wal, wie auf Livebilder zu sehen war. Insgesamt ist derzeit noch unklar, wie es mit der Walrettung weitergeht. Fachleute aus dem In- und Ausland sehen die gesamte Aktion kritisch, da sie das Tier als schwer geschädigt und nicht überlebensfähig einstufen.
Nach Angaben der von zwei Unternehmern finanzierten Initiative könnte am Sonntag oder Montag versucht werden, das schätzungsweise zwölf bis 15 Tonnen schwere Tier durch die dann fertige Rinne in tieferes Fahrwasser zu bringen. Es wird demnach erwogen, ein Netz unter den Körper zu legen, auf dem der Wal dann gezogen wird. Über das Konzept wurde nach Angaben vom Donnerstag noch beraten. Das mutmaßlich schwerkranke Tier war seit Anfang März vor der Ostseeküste umhergeirrt und wiederholt gestrandet.
Seit mehr als drei Wochen liegt es in der Bucht bei Poel in Mecklenburg-Vorpommern. Vor einer Woche gaben die Behörden grünes Licht für eine Art letzten Rettungsversuch durch die Initiative. Das Konzept der privaten Gruppierung sah ursprünglich vor, den Wal mit einem System aus Luftkissen und Pontons anzuheben und in Nordsee oder Atlantik zu schleppen. Dort sind Buckelwale heimisch, in der Ostsee können sie nicht dauerhaft leben.
Ob sich der Plan noch so umsetzen lässt, ist inzwischen unklar. Am Montag schwamm sich das wochenlang praktisch regslos daliegende Tier bei Hochwasser frei und strandete danach erneut in einem sehr flachen Bereich in ungünstiger Position. Helfer der Iniatiative spülten als Notfallmaßnahme ein Becken unter und um den Wal aus, damit dieser nicht durch sein eigenes Gewicht erdrückt wird. Darin liegt er seitdem, die im Bau befindliche 110 Meter lange Rinne soll einen Ausweg schaffen.
Bereits vor rund drei Wochen hatten Landesumweltminister Till Backhaus (SPD) und von diesem hinzugezogenen Experten das Tier aufgrund massiver mutmaßlicher Gesundheitsprobleme aufgegeben und alle aktiven Bemühungen zur Rettung gestoppt. In der vergangenen Woche entschied Backhaus aber, dennoch einen Hilfsversuch der Privatinitiative zu dulden. Diese trägt die Verantwortung, die Behörden überwachen und begleiten die Aktion.
Das Schicksal des Wals stößt auf breites Interesse und löst vor allem in sozialen Netzwerke emotionale Debatten aus. Darunter mischen sich laut Behörden und an der Walrettung beteiligten Hilfsorganisationen wie der DLRG auch massive Anfeindungen bis hin zu Morddrohungen. Auch die Rettungsinitiative steht in der Kritik, unter anderem gab es zuletzt interne Querelen und gegenseitige Vorwürfe unter Beteiligten.
Fri, 24 Apr 2026 10:04:25 GMT
