Londoner Polizei stuft Messerangriff auf Juden als “terroristisch” ein

Nach einem Messerangriff in einem jüdischen Stadtteil von London geht die britische Polizei von einer “terroristischen” Attacke aus. Es werde untersucht, “ob dieser Angriff absichtlich die jüdische Gemeinschaft zum Ziel hatte”, erklärte die Polizei nach dem Vorfall am Mittwoch. Polizeichef Mark Rowley berichtete, der Angreifer sei in der Vergangenheit bereits mit schweren Gewalttaten aufgefallen und habe “psychische Probleme”.

Premierminister Keir Starmer und König Charles III. verurteilten den “abscheulichen” Angriff. Israelische Spitzenpolitiker forderten ein “entschiedenes Vorgehen” der britischen Behörden gegen Antisemitismus. Der Angreifer verletzte im jüdisch geprägten Nord-Londoner Stadtteil Golders Green zwei Männer mit einer Stichwaffe. Anschließend ging der 45-Jährige laut Polizei auf Polizeibeamte los und wurde festgenommen.

Die beiden Opfer des Angriffs im Alter von 34 und 76 wurden ins Krankenhaus gebracht, sie waren laut Polizei in stabilem Zustand. Der Angreifer habe “eine Vorgeschichte schwerer Gewalttaten und psychischer Probleme”, sagte Polizeichef Rowley bei einer Pressekonferenz in der Nähe des Tatorts. Londons Bürgermeister Sadiq Khan und der britische Regierungschef Keir Starmer verurteilten die Attacke. “Angriffe auf unsere jüdische Gemeinschaft sind Angriffe auf Großbritannien”, erklärte Starmer im Onlinedienst X.

Khan sprach von einer “Serie schockierender antisemitischer Angriffe” auf die jüdische Gemeinschaft in der britischen Hauptstadt. “Es darf in der Gesellschaft absolut keinen Raum für Antisemitismus geben”, betonte er. Auch König Charles III., der sich gerade in den USA aufhält, zeigte sich “zutiefst besorgt”. “Seine Majestät wird auf dem Laufenden gehalten und ist natürlich zutiefst besorgt, insbesondere über die Auswirkungen auf die jüdische Gemeinde”, teilte der Buckingham-Palast mit.

Der Monarch sei in Gedanken bei den beiden Verletzten. Das israelische Außenministerium forderte die britische Regierung auf, “entschieden und dringend” gegen den Antisemitismus vorzugehen, der sich derzeit im Vereinigten Königreich ausbreite. Nach mehreren Brandanschlägen auf Synagogen und jüdische Einrichtungen könne die Regierung “nicht länger behaupten, sie habe die Lage im Griff”.

Öffentliche Erklärungen von Premier Starmer reichten nicht aus, betonte das Ministerium. Israels Präsident Isaac Herzog zeigte sich “entsetzt”: “In einer der großen Hauptstädte des Westens ist es gefährlich geworden, als Jude auf der Straße unterwegs zu sein”, schrieb Herzog auf X. “Es ist an der Zeit, dass die Welt aufwacht und diese bösartige Welle des Judenhasses mit allen Mitteln bekämpft.”Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu forderte die britischen Behörden auf, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Worte reichten nicht aus, erklärte Netanjahu: “Wir fordern und erwarten Maßnahmen der britischen Regierung, um die Juden in England zu schützen und Antisemiten vor Gericht zu stellen.”Seit Beginn des Iran-Kriegs durch Angriffe der USA und Israels Ende Februar gab es in London eine ganze Reihe von Anschlägen auf Synagogen und andere jüdische oder israelische Einrichtungen. 26 Verdächtige wurden im Zuge der Anschlagsserie bislang festgenommen.

Viele der Anschläge beanspruchte die zuvor weitgehend unbekannte Gruppe Harakat Aschab al-Jamin al-Islamija (Islamische Bewegung des Volkes der Rechten Hand, Hayi) für sich, die offenbar mit dem Iran in Verbindung steht. Erst am Dienstag hatte der deutsche Verfassungsschutz vor der Gruppe gewarnt. Die Drohungen der Gruppierung, sich “nicht mehr nur auf ‘einfache’ Angriffe zu beschränken, sondern langfristig auch gefährlichere Tatmittel einzubeziehen”, sei neu. 

Wed, 29 Apr 2026 16:54:42 GMT