Kubicki in Kampfabstimmung gegen Strack-Zimmermann zum FDP-Chef gewählt

Die FDP hat in einer spannenden Kampfabstimmung über den Parteivorsitz entschieden: Der bisherige Partei-Vize Wolfgang Kubicki setzte sich am Samstag in Berlin mit knapp 60 Prozent der Delegierten-Stimmen gegen die Verteidigungsexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann durch, die ihre Gegenkandidatur erst kurzfristig auf dem Parteitag eingereicht hatte. Strack-Zimmermann hatte ihre überraschende Kandidatur damit begründet, dass Kubicki nicht den nötigen Neuanfang der Liberalen verkörpere.

Für scharfe Debatten sorgte die Frage des Umgangs mit der AfD. Kubicki sagte nach seiner Wahl, er werde nun alles tun, um die FDP bei den Landtagswahlen im Herbst zum Erfolg zu führen. Er dankte seiner Rivalin Strack-Zimmermann ausdrücklich für die Gegenkandidatur: Er sei “froh darüber, dass die beiden alten Schlachtrösser jetzt ins Geschirr gehen”, sagte Kubicki. Mit der Wahl Kubickis vertrauten die Delegierten die Führung ihrer Partei einem Politiker an, der zu den bekanntesten, aber auch polarisierendsten FDP-Vertretern zählt.

Kubicki ist bereits seit 1971 in der FDP aktiv, in seiner jahrzehntelangen Karriere machte er immer wieder mit rhetorischen Zuspitzungen und Provokationen auf sich aufmerksam. Mit seinem kantigen Profil traut sich Kubicki zu, die FDP nach ihrer Abwahl aus dem Bundestag im Gespräch zu halten – und sie aus der Krise herauszuführen. Strack-Zimmermanns überraschende Kandidatur hatte die Parteitags-Choreographie durcheinander gebracht.

Kubicki war als einziger Kandidat in das Delegierten-Treffen gegangen, von dem ein Signal des Aufbruchs in der Geschlossenheit ausgehen sollte. Stattdessen ließ die Kampfkandidatur Gräben sichtbar werden. Strack-Zimmermanns Rede wurde von viel Beifall, aber zeitweise auch von Buh-Rufen und höhnischem Gelächter begleitet. Der mit 71 Prozent als Vizechef bestätigte NRW-Landesvorsitzende Henning Höne bezeichnete die FDP nach der Kampfabstimmung als Partei, “die bis in die Basis hinein an vielen Stellen zutiefst verunsichert ist”.

Scharfe Kritik übte Strack-Zimmermann daran, dass Kubicki die “Brandmauer” – also die konsequente Ausgrenzung der AfD in den Parlamenten – in Frage stellt. Die FDP könne dadurch zwar “Applaus und das Schulterklopfen von reaktionären Stammtischen” bekommen, gewählt werde sie aber deswegen nicht, sagte sie. Strack-Zimmermann nannte Kubicki in ihrer Rede nicht beim Namen, spielte aber kritisch auf dessen Stil an: “Müssen wir noch lauter werden, noch schärfere Pointen formulieren, noch mehr mit Empörung und Provokation arbeiten?” Sie wolle ein Gegenangebot machen.

Auf Strack-Zimmermann entfielen in der Kampfabstimmung 259 Stimmen. Kubicki erhielt 390 Stimmen. In seiner Bewerbungsrede warb Kubicki dafür, die FDP als Partei der Marktwirtschaft und der Freiheitsrechte zu profilieren. “Die FDP wird gebraucht als Kraft der sozialen Marktwirtschaft, nicht der sozialen Umverteilung”, sagte Kubicki. Die FDP leide darunter, dass sich in der Öffentlichkeit ein “völliges Zerrbild” festgesetzt habe. Für die Liberalen, die nach ihrer Gründung im Jahr 1948 jahrzehntelang die Politik der Bundesrepublik mit prägten, geht es um das politische Überleben.

Die FDP ist noch in sechs von 16 Landesparlamenten vertreten und nur noch an einer einzigen Landesregierung beteiligt, in Sachsen-Anhalt – und auch diese Regierungsbeteiligung könnte sie nach den Landtagswahlen im September verlieren. Im internen Spektrum der FDP hat sich Kubicki zuletzt als Rechtsliberaler positioniert: mit seiner Kritik an einer als übergriffig empfundenen staatlichen Regulierung, seinem Eintreten für Meinungsfreiheit und gegen Denkverbote, einem klar wirtschaftsfreundlichen und marktliberalen Profil und seiner Kritik an linken Vorstellungen etwa in der Migrations- und Klimapolitik.

Mit einem wirtschaftsfreundlichen Programm will Kubicki Wählerinnen und Wähler zurückgewinnen, die aus Unmut über die Beteiligung der FDP an der “Ampel”-Regierung zur Union abgewandert sind, die nun aber von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) enttäuscht sind. Mit seiner rhetorischen Schärfe will Kubicki auch Wähler von der AfD zurückgewinnen. Kubicki sieht die AfD als Gegner, lehnte aber deren konsequente Ausgrenzung – also die “Brandmauer”-Strategie – ab.

In der Aussprache der FDP-Delegierten wurde deutliche Kritik an diesem Kurs laut. “Es gibt Leute, die maximal irritiert sind über unsere Diskussion über die AfD”, sagte der frühere Bundestagsabgeordnete Konstantin Kuhle. “Es darf keine indirekte und direkte Zusammenarbeit mit der AfD geben”, sagte er unter großem Applaus. Kubicki bringt mehr als 50 Jahre Erfahrung mit Ämtern in Partei und Parlamenten mit.

In Schleswig-Holstein war er viele Jahre Partei- und Fraktionschef. 1990 wurde er erstmals in den Bundestag gewählt. Von 2017 bis 2025 war er Vizepräsident des Bundestags. Seit 2013 war er stellvertretender Bundesvorsitzender der FDP. 

Sat, 30 May 2026 15:23:17 GMT